Gehbehindert haben praktisch keine Chance

Rollstuhlfahrer können nicht zum Bahnsteig - Bahn entfernt Holzrampen in Wabern

Hier war einmal der Übergang: Rollstuhlfahrerin Petra Lohrberg kommt am Bahnhof Wabern nicht mehr zum Gleis. Foto: Dellit

Wabern. Rollstuhlfahrer haben praktisch keine Chance mehr, vom Bahnhof in Wabern aus mit dem Zug zu fahren. Denn vor kurzem hat die Deutsche Bahn ihnen die Möglichkeit genommen, mit Holzrampen über die Gleise zu kommen.

Lediglich Gleis 1 direkt am Bahnhofsgebäude ist barrierefrei erreichbar, von dort fährt die Kurhessenbahn Richtung Fritzlar-Bad Wildungen. Rollstuhlfahrer wie Petra Lohrberg aus Wabern stehen vor einem unüberwindlichen Hindernis.

Die 51-Jährige wollte kürzlich wie so oft in den Jahren zuvor mit der Bahn verreisen, ein Auto hat sie nicht. Doch sie kam nicht zum Bahnsteig, der alte Überweg war fort.

Es habe sich um einen rein dienstlichen Übergang gehandelt, erklärte ein Bahnsprecher auf HNA-Anfrage. Dieser sei nicht für die Öffentlichkeit freigegeben gewesen. Merkwürdig nur, dass früher genau an dieser Stelle ein Schild mit der Aufschrift „Zugang zum Bahnsteig“ und einem Rollstuhlfahrer-Piktogramm stand.

Bei Gleisumbauten sei der Überweg entfernt worden, erklärte der Bahnsprecher, Grund dafür seien Sicherheitsbedenken, weil „eine Überquerung derselben durch betriebsfremde Personen große Risiken darstellen“. Gerade für Rollstuhlfahrer sei das wegen der Lücken zwischen den Schwellen riskant gewesen. Es sei in Wabern bereits passiert, dass Räder in den Lücken steckengeblieben seien.

Als Alternative verweist die Bahn auf ihren „Mobilitätsservice“, der von 6 bis 22 Uhr telefonisch zu erreichen sei und „mit Rat und Tat“ helfe. Bei einem Versuchsanruf der HNA wurde von dort allerdings lediglich bestätigt, dass - mit Ausnahme von Gleis 1 - die Bahnsteige für Rollstuhlfahrer nicht erreichbar seien. Servicepersonal habe man in Wabern nicht.

Was den geplanten Bau einer neuen Unterführung mit Aufzügen angeht, hieß es von der Bahn, diese solle bis Ende 2017 fertiggestellt sein.

HINTERGRUND

Im Schwalm-Eder-Kreis können Rollstuhlfahrer nur schwer per Bahn verreisen. Von den größeren Bahnhöfen sind lediglich die in Melsungen und Gensungen barrierefrei. Nach Auskunft der Mobilitätsberatung der Bahn ist der Bahnhof Borken nicht geeignet. In Schwalmstadt-Treysa sei lediglich Gleis 1 per Rollstuhl erreichbar. Katja Lüke, Inklusionsbeauftragte beim Paritätischen Landesverband, verweist darauf, dass die Bundesregierung sich verpflichtet habe, die UN-Behindertenrechtskonvention umzusetzen. Lüke sagt: „Dies ist noch lange nicht umgesetzt, solange Menschen mit Behinderungen nur in größeren Orten den Personennahverkehr nutzen können.“

Von Olaf Dellit

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