Baufälliges Gebäude an der Bahnhofstraße

Ruine soll zur Villa werden: Waberner sanieren alte Molkerei

Hendrik Schlechter (links) und Niklas Vaupel stehen vor der alten Molkerei in Wabern. Die alte Villa an der Bahnhofstraße steht leer und hat eingeschlagene Fenster.
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Sie wollen die alte Molkerei in Wabern sanieren: von links Hendrik Schlechter aus Zennern und Niklas Vaupel aus Uttershausen wollen fünf neue Wohnungen an der Bahnhofstraße entstehen lassen.

Die alte Molkerei an der Bahnhofstraße in Wabern steht seit Jahrzehnten leer. Doch das soll sich ändern, zwei junge Männer haben die Ruine gekauft, um sie zu sanieren. Fünf Wohnungen soll es geben.

Für Hendrik Schlechter aus Zennern und Niklas Vaupel aus Uttershausen wird sich am Freitag, 26. Juni, vieles verändern. Denn an diesem Tag unterzeichnen sie einen Vertrag, der ihr Leben für einen gewissen Zeitraum auf den Kopf stellen dürfte. Die zwei jungen Männer, die bereits seit der Grundschule befreundet sind. Sie kaufen die alte Molkerei an der Waberner Bahnhofstraße und wollen aus der Bauruine hochwertig sanierte Altbauwohnungen zaubern.

„Wir wollten schon immer mal so etwas zusammen auf die Beine stellen“, sagt Schlechter. Der 28-jährige Zimmerer- und Dachdeckermeister ist sich sicher: Mit seinem Freund Niklas wird dieses große Vorhaben klappen. Der 27-jährige Vaupel ist im Bauingenieurwesen tätig – somit seien sie das perfekte Team.

Villa in Wabern steht seit 1990er-Jahren leer

Auf die Idee sind die Waberner bei einer Unternehmersitzung gekommen. Bürgermeister Claus Steinmetz sprach dort das alte Gebäude an, das die Stadt erworben hatte, um es an engagierte Menschen weiterzuverkaufen. Und engagiert sind Schlechter und Vaupel allemal. Denn die Villa, die Ende des 19. Jahrhunderts gebaut wurde und seit den 1990er-Jahren leersteht, ist ganz schön in die Jahre gekommen.

„Hier sieht es ein bisschen aus wie bei Lost Places“, sagt Schlechter lachend und benutzt damit einen Ausdruck, der derzeit im Trend liegt und so etwas wie „vergessene Orte“ bedeutet. Vergessen sieht es tatsächlich aus in der alten Ruine. Durch die Fenster wachsen seit Jahrzehnten Baumzweige und Efeu. Gerümpel liegt in allen Zimmern herum. An der Wand hängen alte Poster. „Das Haus scheint über Nacht verlassen worden zu sein“, so der 28-Jährige.

Alter Gebäudeteil soll abgerissen werden

Vor den jungen Männern liegt ein riesiger Berg an Arbeit. „Aber wir haben alles gut geplant“, betont Vaupel. Die Arbeitsschritte seien weitestgehend klar: „Erst einmal muss das Gestrüpp weg.“ Dann wird der Gebäudeteil abgerissen, der in den 50er-Jahren an die ursprüngliche Villa gebaut wurde. Ein neuer Anbau soll entstehen, die Villa selbst wird saniert. „Am Ende bleibt der Rohbau, also das Mauerwerk, die Sockelsteine und das Dach. Das wird allerdings noch mal neu eingedeckt“, erklärt der Bauingenieur.

Fünf voll energetisch und hochwertig sanierte Altbauwohnungen sind das Ziel. Vier von ihnen umfassen um die 65 Quadratmeter, eine Loft-Wohnung soll rund 90 Quadratmeter groß werden. Sie befindet sich im obersten Geschoss. „Da gibt es dann sogar eine Dachterrasse“, sagt Vaupel und zeigt auf eine Fläche. Dort ist mit dem Blick eines Laien beim besten Willen noch keine schicke Terrasse vorstellbar.

Die Mietwohnungen sollen vor allem auch junge Menschen ansprechen. Die Bahnhofstraße in Wabern läge schließlich verkehrstechnisch optimal. „In etwa 20 Minuten ist man mit dem Zug in Kassel. Einmal pro Woche fährt ab hier sogar ein ICE nach Sylt“, sagt Schlechter.

Ein bisschen aufregend sei das Projekt natürlich schon, es handele sich auch finanziell um eine große Entscheidung. „Ein mittlerer sechsstelliger Beitrag kommt da schon zusammen“, so der Zimmerermeister, der bereits ein Objekt an der Bahnhofstraße saniert hat und vermietet – allerdings längst nicht so aufwendig wie das, was nun vor ihm und seinem Freund liegt.

Alte Molkerei soll in einem Jahr fertig sein

Ein gutes Jahr planen die Männer ein, bis die alte Molkerei in ganz neuem Glanz erstrahlt. „Für Herbst rechnen wir mit dem Abriss“, sagt Schlechter. Der Kern soll aber erhalten bleiben, da sind sie sich einig. Schließlich mache das den Charme des insgesamt etwa 300 Quadratmeter großen Hauses aus.

„Für viele Menschen aus unserem Bekanntenkreis ist so ein Projekt nicht vorstellbar“, sagt Schlechter. Einige sprächen sogar von einem Hang zum Größenwahn, erzählen die Männer und lachen. „Wir wissen, was auf uns zu kommt.“ Beide seien ja vom Fach. Und trotzdem weiß der Dachdeckermeister: „So ein Vorhaben kann man nicht mit jedem umsetzen.“ Sich aufeinander verlassen zu können und sich zu vertrauen, sei das A und O. Und das können Schlechter und Vaupel bereits seit der Grundschule.

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