Expertin kritisiert Nester

Seine Knochen waren 20 Mal gebrochen: Waberner Storch ist tot 

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Ihr Horst kommt weg: Das Paar aus Unshausen hat sich an der Bahntrasse in Wabern einen Zweitwohnsitz eingerichtet. Doch der sorgt für Probleme. 

Traurige Nachricht von den Waberner Störchen: Ein Tier ist ums Leben gekommen. Storch Paul wurde leblos zwischen den Gleisen der Bahnlinie gefunden. Seine Knochen waren 20 Mal gebrochen.

Wie der Storch genau zu Tode gekommen ist, ist unklar. Ein Stromtod ist laut Andrea Krüger-Wiegand auszuschließen.

„Es ist traurig, dass es ein langjähriges Brutpaar erwischt hat“, sagt die Expertin von der Storchenstation Wabern. Sie nimmt den Vorfall zum Anlass, um eine Diskussion über die Störche in der Kerngemeinde anzustoßen.

Das Paar Paul und Pauline belegt seit 2012 den einzigen Naturhorst in Wabern. Ende vergangener Woche gab es zwei neue Störche in direkter Nachbarschaft. Wenige Meter vom Spänebunker entfernt richtete sich das Storchenpaar aus Unshausen ein. Es baute auf einem Mast für Hochspannungsleitungen einen Horst. Das war quasi ihr Zweitwohnsitz. Tagsüber waren sie dort, übernachtet haben sie in Unshausen.

Storch stirbt in Wabern: Kämpfe wurden beobachtet

„Die Störche wollen eben in der Kolonie leben“, erklärt Krüger-Wiegand das Verhalten. Das heißt: Störche zieht es zu anderen Störchen. Doch das geht nicht immer glatt. In den Tagen vor dem Vorfall seien Kämpfe rund um den Horst am Spänebunker Blecher beobachtet worden.

Andrea Krüger-Wiegand

Mit dem Neubau gibt es derzeit fünf Horste „auf engem Raum“, wie Krüger-Wiegand sagt, und verweist auf die weiteren Horste bei der Tischlerei Mose, bei Riedinger und auf der Kirche. Für viele Waberner gehören die Störche längst zum Ortsbild. „Es möchte jeder gerne einen Storch haben. Die Menschen machen aus dem Storch ein Haustier“, kritisiert Andrea Krüger-Wiegand. Dies sei nicht das, was sie sich vorstelle. Die Siedlung sei kein geeigneter Lebensraum für die Tiere.

Das größte Problem für die Störche ist die Futtersuche. Ein Jungstorch verspeist in den ersten 65 Tagen zwischen ein und eineinhalb Kilo Nahrung am Tag. Erwachsene Störche brauchen weniger, aber immer noch 600 bis 700 Gramm. Pro Horst kommen so zwischen fünf und sechs Kilo Futterbedarf zusammen.

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Die Störche ernähren sich vor allem von Regenwürmern und Kleintieren wie Mäusen. Die gibt es vor allem in den Feuchtwiesen. Und selbst die seien rund um Wabern rar. „Wir haben viele Rüben und Mais und so gut wie gar kein Grünland“, bemängelt Andrea Krüger-Wiegand. Sie sagt deutlich: Die Bruterfolge in Wabern in den vergangenen Jahren seien nur möglich gewesen, weil zugefüttert wurde.

Um die angespannte Situation zu entzerren, soll der neue Horst der Unshäuser Störche so schnell wie möglich entfernt werden – bevor die Störche dort noch Eier ablegen. Die Bahn sei bereits informiert und werde sich darum kümmern. Sie wird auch die Masten präparieren. Auf den flachen Enden werden spitze Dächer aus Metall aufgesetzt. Darauf ist kein Horstbau mehr möglich.

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