Sechs Tonnen Bekleidung

Sie sind wichtig fürs System: Wäscherei Grüber Wabern sieht ihre Arbeit als unverzichtbar

Haben so viel zu tun wie nie: Die Wäscherei Grüber in Wabern wäscht vor allem für Kliniken und Altenheime. Deshalb sei sie ein systemrelevanter Betrieb, sagt Inhaber Andreas Grüber. Foto: Claudia Brandau

Ohne seine Mitarbeiter, sagt Andreas Grüber, gäbe es in vielen Kliniken, Pflegeheimen, Hospizen, Altersheimen und Rettungswachen in der Region keine saubere Kleidung: Die Wäscherei Grüber in Wabern reinigt tagtäglich die Berufsbekleidung von Menschen, die im Pflege- und Rettungsdienst arbeiten.

Insgesamt sechs Tonnen Bekleidung werden von 80 Mitarbeitern sortiert, gewaschen, gebügelt, acht Altenheime und zehn Kliniken in der Region beliefert.

Was der 48-Jährige nicht versteht: Dass sein Betrieb am Ortsrand von Wabern nicht zu den systemrelevanten Betrieben gehört – also jenen Branchen, die auch in Krisenzeiten die Versorgung sicher stellen, die unverzichtbar fürs Gemeinwohl sind.

Sortieren kleine Teile aus der großen Menge: Maria Kucak aus Fritzlar und Martin Dehnert aus Ungedanken.

Zu denen gehöre doch eigentlich ohne Zweifel auch sein Unternehmen, sagt Grüber: Denn ohne sauberen Kittel könne kein Arzt, kein Pfleger seinen Dienst antreten. Dennoch falle die Wäscherei nicht unter den Begriff der Systemrelevanz – was die Arbeit deutlich erschwere. Denn ohne diese Zuordnung haben die Mitarbeiterinnen auch keinen Anspruch auf eine Notbetreuung der Kinder – und die sei wichtig, sagt Grüber. Für die Betreuung eines Kindes aus Wabern habe Bürgermeister Claus Steinmetz geholfen, eine gute Lösung zu finden. Doch für acht weitere Kinder aus dem Raum Felsberg gebe es keine Lösung: Damit die Wäscherei im Falle einer Virusinfektion nicht schließen muss, haben Andreas und Tamara Grüber den Betrieb in zwei Schichten geteilt. Das habe zur Konsequenz, dass manche Mitarbeiterin nicht wisse, wie sie die Betreuungsfrage lösen soll. Ohne diese Einstufung aber habe sie keinen Anspruch auf einen Betreuungsplatz der Kinder. Und noch eine andere Frage beschäftigt Grübers: Im Fall einer Ausgangssperre dürfen nur noch Fahrzeuge bestimmter Betriebe unterwegs sein. „Wie sollen wir dann die Berufsbekleidung in die Kliniken bringen?“

Eins steht jedoch außer Frage: Tamara und Andreas Grüber sind stolz auf ihre Mitarbeiter.

Systemrelevante Betriebe

Zur Gruppe der „kritischen Infrastruktur“ gehören die Strom, Gas- Wasser- und Kraftstoffversorgung, Ernährung und Hygiene, Informations- und Telekommunikation, Finanz- und Wirtschaftswesen, Justiz, Polizei, Feuerwehr, Veterinärwesen, Asyl- und Flüchtlingswesen, die Medien, Kinder- und Jugend- und Behindertenhilfe. Die Liste wird ausschließlich von den Bundesländern geführt. Auch Bildung ist Ländersache. Darum obliegt es den Bundesländern zu definieren, wer in die Notfallbetreuung von Schulen und Kitas aufgenommen wird.

Das sagt der Verband

In Deutschland werden 95 Prozent der Krankenhäuser und Senioren- und Pflegeheime von textilen Dienstleistern mit hygienischer Wäsche versorgt. Die Coronapandemie rücke diese Tatsache nun in den Fokus, teilt der Deutsche Textilreinigerverband (DTV) mit. Die Funktionsfähigkeit der Wäschereien sei essenziell fürs Aufrechterhalten des Gesundheitswesens. Dennoch seien Wäschereien nicht als jene Einrichtungen definiert, die für das System relevant sind. Die Politik reagiere schleppend, teilte der Verband auf HNA-Anfrage mit. Außerdem werde es für viele Wäschereien schwieriger, ausreichend Infektionsausrüstungen zu bekommen. Deshalb bemühe sich der DTV um eine Einstufung als „systemrelevant“ und damit um eine Aufnahme auf die Liste der kritischen Infrastrukturen.

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