Mit dem Stecheisen unterwegs

Spargel braucht Gefühl: Jörg Stiehl aus Zennern bringt HNA-Volontärin das Ernten bei

Nimmt es mit Humor: Spargelbauer Jörg Stiehl lässt Volontärin Sarah Schnieder ihr Glück auf seinem Spargelfeld versuchen.
+
Nimmt es mit Humor: Spargelbauer Jörg Stiehl lässt Volontärin Sarah Schnieder ihr Glück auf seinem Spargelfeld versuchen.

Die Sonne scheint, der Himmel ist strahlend blau. Die meisten Dämme auf dem Spargelfeld von Jörg Stiehl sind gegen 9.30 Uhr für heute schon abgeerntet. Nur einer ist noch übrig. „Ich hole mal ein Stecheisen“, sagt der Spargelbauer. Handschuhe an und los geht’s mit dem Spargelstechen.

Zennern – Zuerst muss die schwere Folie, die Damm und Spargel schützt und wärmt, zur Seite. Das macht bei Jörg Stiehl im Normalfall eine Maschine. Sie hebt die Folie abschnittsweise ab, sodass die Spargelstecher Platz zum Arbeiten haben. Ist der Abschnitt geerntet, fährt die Maschine weiter und legt die Folie wieder auf dem Damm ab.

In dessen Innerem sind es an sonnigen Stellen gerade knapp 15 Grad. „Das ist schon gar nicht schlecht, dann geht es mit dem Spargel jetzt richtig los“, sagt Stiehl. Meist beginnt er Mitte März damit, Dämme zu bauen und Folien aufzulegen. „Die Kollegen in Südhessen beispielsweise ernten da schon.“ In Spargelregionen wie im Kreis Warendorf bei Gütersloh oder Schrobenhausen in Bayern wachse der Spargel auf sandigerem Boden, erklärt Stiehl. „Wir sind nicht in einem typischen Spargelanbaugebiet, bei uns ist es Lehmboden.“

Der Unterschied ist auch beim Stechen zu merken. Um an die helle Spargelstange zu kommen, muss die nämlich mit den Fingern ein Stück weit freigelegt werden. Weil der Lehmboden fest ist, ist das gar nicht so leicht. Erst wenn der Spargel gut zu sehen ist, kommt das Spargelmesser zum Einsatz – damit nicht versehentlich kleinere Stangen verletzt werden.

„Parallel zum Spargel sollte etwa 22 Zentimeter tief in die Erde gestochen werden“, erklärt Stiehl. Für ungeübte Stecher ist glücklicherweise eine Markierung an dem langen, metallenen Spargelmesser. Mit einem Ruck des halbrunden und leicht gebogenen Spargelmesser-Endes schneidet der routinierte Spargelbauer die Stange ab. „Man muss ein Gefühl dafür bekommen“, sagt er. Man müsse zwar vorsichtig sein, um andere Stangen nicht zu verletzten, aber zu zaghaft dürfe man auch nicht sein.

Ist der Spargel abgeschnitten und grob von Erde befreit, wird er in Kisten gesammelt. HNA-Volontärin Sarah Schnieder schafft an diesem Morgen 18 Stangen – mehr oder weniger ordentlich gestochen. Am späten Vormittag kommt der Spargel zum Sortieren. Jörg Stiehl beschäftigt ganzjährig einen festen Mitarbeiter, für den er auch eine Wohnung im Ort gemietet hat. Weil Stiehl zusätzlich zum Spargel auch noch Erdbeeren anbaut und verkauft, hat er für die Saison zumeist insgesamt rund 15 Mitarbeiter.

Für sie mietet Stiehl dann zusätzlich ein Haus im Ort – auch, um die pandemiebedingten Sicherheitsvorgaben einzuhalten.

Im vergangenen Jahr sei es wegen Corona schwierig gewesen. Kurzfristig habe noch die Familie seines festen Mitarbeiters aus Polen kommen können. Als die Grenzen geschlossen wurden, bekam er aber keine Leute mehr. „Ich habe aber viele Anrufe von Leuten bekommen, die helfen wollten“, erzählt er. „Es war eine Welle der Hilfsbe reitschaft aus allen Gesellschaftsschichten.“

In diesem Jahr sei es wieder etwas leichter. Spargel werde auch immer gefragter. Allerdings: „Die Leute kaufen ihren Spargel meist vor dem Wochenende und da ist es manchmal schwierig, diese Mengen vorzuhalten.“ Spargel richte sich beim Wachsen nun mal nach dem Wetter, nicht nach Wochentagen.

Warum Spargel plötzlich so beliebt geworden sei, kann sich der Spargelbauer nicht erklären. „Bevor wir selbst angebaut haben, mochte ich Spargel gar nicht so sehr“, sagt er. Inzwischen habe aber auch er Geschmack daran gefunden: „Ich esse Spargel mit Sauce Hollondaise – aber im Ofen in Alufolie gegart, nicht gekocht“, verrät Stiehl sein Rezept. „Außer grünen Spargel, der schmeckt in der Pfanne gebraten sehr gut.“ (Sarah Schnieder)

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Kommentare

Hinweise zum Kommentieren:
Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.