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Streit um Futter droht – Immer mehr Störche lassen sich im Landkreis nieder

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Auf dem Foto ist ein Storch zu sehen.
Die Storchenpopulation im Landkreis steigt seit 2010 kontinuierlich an. Grund sind Verhaltensänderungen der Vögel. © Michael Brückmann

Die meisten Tiere gibt es in Wabern: Störche sind im gesamten Schwalm-Eder-Kreis unterwegs.

Wabern – Wer sich der Faszination von Weißstörchen nicht entziehen kann, braucht im Schwalm-Eder-Kreis nicht lange zu suchen, um die großen Vögel beobachten zu können. Denn nach Aussage von Andrea Krüger-Wiegand von der Storchenstation Wabern hat deren Population seit 2010 kontinuierlich zugenommen.

Ein wichtiger Grund dafür liegt im veränderten Zugverhalten der Vögel. So hat man festgestellt, dass die im Landkreis brütenden Störche größtenteils sogenannte „Westzieher“ sind. Allerdings bedeutet das längst nicht mehr, dass sie ihre westliche Flugroute noch bis zum weit entfernten Zielort tief im Inneren von Afrika führt, wo sie einst überwinterten. Denn die Tiere haben längst erkannt, dass bereits die offenen Mülldeponien und Reisfelder im viel näher liegenden Frankreich oder Spanien ausreichend Futter für die Wintermonate bieten.

Viele Störche überwintern mittlerweile einfach in Deutschland

Da lohnt es sich für die Störche kaum, weiterzufliegen, zumal sich ganz nebenbei auch noch die Überlebenschancen aufgrund der viel kürzeren und somit risikoärmeren Flugstrecke deutlich verbessern. Tatsächlich fällt die Rückkehrquote der „Westzieher“ erkennbar besser als die der „Ostzieher“ aus, wie entsprechende Beobachtungen des Nabu (Naturschutzbund Deutschland) bestätigen.

Eine weitere Veränderung im Verhalten der Störche ist festzustellen. Denn immer mehr Störche verzichten ganz auf die strapaziöse Reise in den Süden und überwintern in Deutschland, was laut Krüger-Wiegand auch im Schwalm-Eder-Kreis zu beobachten ist: „Es bleiben immer mehr ‘Winterstörche’ vor Ort, allein in Wabern waren es 2021 insgesamt vier Storchenpaare. Und das ist aus verschiedenen Gründen nicht gut. So verlieren die Tiere ihren natürlichen Zuginstinkt und die immer größer werdende Konkurrenz führt früher oder später zum Streit um Futter und Horste.“ Wie der Nabu ebenfalls festgestellt habe, sei diese Verhaltensänderung weniger darauf zurückzuführen, dass die Winter in Folge der Klimaveränderungen immer milder verlaufen. Vielmehr werden diese Veränderungen durch (eigentlich gut gemeintes) menschliches Verhalten verursacht. So etwa durch das Zufüttern.

Störche kommen problemlos eine Woche ganz ohne Nahrung aus

Im Unterschied zu kleinen Singvögeln kämen Störche problemlos mal eine ganze Woche ohne Nahrung aus. Aus Gründen des Naturschutzes wäre es daher sinnvoll, die Störche nicht zu füttern.

Zum einen, um weitere Verhaltensstörungen und die Gewöhnung an menschliche Einflussnahme zu verhindern und zum anderen, um dadurch nicht weitere Störche anzulocken. Ansonsten könne ein Teufelskreis entstehen, den es unbedingt zu vermeiden gelte. Denn die Folge sind Auseinandersetzungen und unerbittlichen Kämpfen unter den Vögeln. Unter Umständen werde sogar der Horst attackiert, von dem die Aggression ausgeht, wodurch die eventuell noch im Nest verweilende Brut zu Tode kommen kann.

Expertin sagt, dass verletzten Störchen weitergeholfen werden kann

Auch das Aufstellen von Kunsthorsten müsse gut abgewägt werden. Als Standort sei die Nähe von Feuchtgebieten oder Grünland zu empfehlen. Aufgrund der aktuellen Lage sieht Krüger-Wiegand die Schaffung weiterer Kunsthorste kritisch. Denn die Futtergebiete dürften kaum den Bedarf des aktuellen Storchenbestandes und seinem Nachwuchs decken.

„Der vergangene Sommer hatte aus Storchensicht erfreulicherweise viele nasse Tage, was ein ausreichendes Nahrungsangebot zur Folge hatte. Sollte es aber in diesem Jahr wieder wenig Niederschläge geben, dann wird es für manche Storchenfamilie problematisch, weil der Bestand einfach zu groß geworden ist.“ Um das Problem nicht zu verschärfen, müsse sich der Mensch zurücknehmen. Verletzten Störchen könne weiter geholfen werden, ansonsten aber gelte es, den Storch einfach Storch sein zu lassen: „...denn dann ist der Mensch von Anfang an außen vor, hat nicht die Hände im Spiel und alles weitere regelt die Natur“, sagt die Expertin. (Michael Brückmann)

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