Weiter dringender Tatverdacht

Waberner Brandstifter-Prozess: Gericht lehnt Entlassung des Angeklagten ab

Wabern/Kassel. Die 5. Strafkammer des Landgerichts Kassel hat den Antrag abgelehnt, den wegen schwerer Brandstiftung in Wabern angeklagten 24-jährigen Mann aus der Untersuchungshaft zu entlassen.

Der Anwalt hatte vor zwei Wochen beantragt, den Haftbefehl aufzuheben, weil ein Teil der Beweiskette der Staatsanwaltschaft fehle. Das sieht das fünfköpfige Gericht völlig anders. Nach wie vor bestehe dringender Tatverdacht, die bisherige Beweisaufnahme habe den Tatverdacht nicht erschüttert. Das erklärte gestern der Vorsitzende Richter.

Nach dem Großfeuer an der Landgrafenstraße 4 in Wabern am 6. Juli vorigen Jahres war der 24-Jährige am 17. September 2014 festgenommen worden. Haftbefehl war wegen Flucht- und Verdunkelungsgefahr erlassen worden. Der 24-Jährige habe keinen Beruf, habe mit „einer erheblichen Strafe” zu rechnen, und es bestehe weiter Fluchtgefahr, sagte der Richter. Der Bruder des 24-Jährigen und dessen Frau sind wegen des Verdachts der schweren Brandstiftung sowie versuchten Versicherungsmissbrauchs angeklagt. Sie sind frei. Laut Staatsanwalt hätte dem Ehepaar im Versicherungsfall bei Totalverlust und Neubau maximal 850.000 Euro ausbezahlt werden können. Die Versicherung hat bisher nicht gezahlt.

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Gegen eine Vertreterin der Versicherung wird die Staatsanwaltschaft nicht ermitteln. Der Eigentümer des abgebrannten Hauses hatte – wie berichtet – Strafanzeige gegen die Versicherung beziehungswiese deren Vertreterin vor Ort „wegen grober Fahrlässigkeit beziehungsweise Anstiftung zum Versicherungsbetrug zum Nachteil Dritter” erstattet. Der 59-Jährige hatte von dem begründeten Verdacht gesprochen, dass die Versicherungsagentur „in die Brandstiftung/den Versicherungsbetrug verstrickt ist”.

Das hat die Anklagebehörde zurückgewiesen. Aus der Vernehmung der Beschuldigten hätten sich bisher keine Hinweise auf einen Tatverdacht ergeben. Es könne sein, dass die Zeugin aufgrund ihrer Sprachkenntnisse ihren Landsleuten bei Vertragsverhandlungen als Dolmetscherin zur Seite gestanden habe. Es gebe aber keine hinreichenden Anhaltspunkte dafür, dass sie in irgendwelche kriminellen Handlungen oder Absichten eingeweiht gewesen sei oder solche unterstützt habe. Das Verfahren sei eingestellt worden. Die Staatsanwaltschaft will jedoch „die Angelegenheit im Laufe der Hauptverhandlung ...im Auge behalten und gegebenenfalls die Ermittlungen wieder aufnehmen, sobald neue Verdachtsmomente aufkommen”.

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Der Vater (68) des Angeklagten hat gestern von seinem Aussage-Verweigerungsrecht Gebrauch gemacht. Wie bereits am ersten Verhandlungstag am 6. Juli drei Brüder. Einer dieser drei Brüder rief gestern auf dem Flur dem Vorsitzenden Richter samt Anhang zu, sein Bruder habe nach Ausbruch des Brandes sechs Menschen das Leben gerettet, es sei ein Skandal, „dass er dafür in den Knast muss”. Die gesamte Familie habe ihre Existenz verloren.

Am Ende der gestrigen Verhandlung beantragte der Anwalt des Hauptangeklagten, den zuständigen Oberstaatsanwalt als Zeugen zu vernehmen. Bei der Polizei gebe es weitere, ihm noch nicht bekannte Akten, meinte der Anwalt.

Bis zum 19. Oktober sind zwölf weitere Verhandlungstage angesetzt.

Von Manfred Schaake

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