Interview mit TV-Moderator und Musiker

Waberner Kulturwoche: Reinhold Beckmann gibt Konzert in der Mehrzweckhalle

Kommt mit neuem Album „Haltbar bis Ende“ zur Kulturwoche Wabern: Musiker und Fernsehmoderator Reinhold Beckmann.
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Kommt mit neuem Album „Haltbar bis Ende“ zur Kulturwoche Wabern: Musiker und Fernsehmoderator Reinhold Beckmann.

Der TV-Moderator und Musiker Reinhold Beckmann tritt bei der Waberner Kulturwoche auf. Wir haben im Vorfeld mit ihm gesprochen.

Wabern - Er ist eine der bekanntesten TV-Persönlichkeiten des Landes, moderierte lange Jahre erfolgreiche Sport- und Talkformate, bringt mit eigener Produktionsfirma Sendungen wie „Inas Nacht“ ins Fernsehen und legt mit „Haltbar bis Ende“ nun sein drittes Musikalbum vor: Reinhold Beckmann. Mit Blick auf seinen Auftritt bei der Waberner Kulturwoche haben wir mit dem 65-jährigen Journalisten über dessen besondere Liebe zur Musik, das Leben als Künstler in Zeiten von Corona und das späte Entdecken der eigenen Geschichten gesprochen.

Herr Beckmann, ist es nicht gewagt, mitten in einer Pandemie mit einem neuen Album an den Start zu gehen?
Es ist vor allem wichtig, es zu tun. Das Album kam mitten im Lockdown Anfang des Jahres. Da hatten wir die Veröffentlichung bereits einmal verschoben und ich wollte einfach nicht mehr warten. Es tut nämlich richtig weh, wenn man auf dem Material sitzt, eigentlich loslegen und direkt auch auf Tournee gehen will. Konzerte spielen war zunächst nicht möglich, dafür konnte ich meine Geschichten aber viel im Hörfunk und Fernsehen erzählen, das hat richtig gutgetan. Die Livesituation hat sich nun glücklicherweise auch wieder geändert. In den letzten Wochen habe ich mit meiner Band an die 15 Konzerte gespielt und wir sind dabei auf viele dankbare Zuhörer und auch Veranstalter getroffen. Die regionalen Unterschiede sind noch immer enorm. In Schleswig-Holstein ist es gefühlt normales Leben, während Veranstalter in Bayern gerade mal 35 Prozent der üblichen Zuschauer reinlassen dürfen, das ist echt eine harte Nummer.
Auf was treffen Sie in den Spielstätten, überwiegt die Hoffnung, oder ist es doch eher Resignation?
Wir treffen natürlich auf diejenigen, die es irgendwie hinbekommen haben. Von unserem Booker höre ich aber schon von einigen, die über viele Jahre oft ehrenamtlich aktiv waren und nun die Brocken hingeschmissen haben. Das ist bei Musikern ähnlich. Ich kenne in der Hamburger Szene einige, die das alles nicht mehr durchgehalten und sich einen anderen Job gesucht haben, und dabei rede ich nicht über durchschnittliche, sondern über herausragende Musiker.
Was macht all das mit Ihrem Künstlerherz?
Das blutet, es tut weh. Ich habe mit Till Brönner drüber gesprochen, der sich vergangenes Jahr dankenswerterweise unter anderem mit einem Video schwer für Künstler stark gemacht und staatliche Unterstützungen eingefordert hat. Ich hätte mir offen gestanden aus Berlin von Anfang an eine andere Haltung gegenüber der Kulturszene gewünscht. Gerade auch die vielen Ehrenamtlichen hätten eine größere Unterstützung benötigt. Glücklicherweise können wir nun alle wieder hoffen, dass es zumindest stückweise zurück gen Normalität geht.
Spüren Sie von Seiten des Publikums ein Bedürfnis, wieder Livekultur erleben zu können?
Es ist ein irres Bedürfnis da, eine wirklich große, tiefe, ganz ehrliche Sehnsucht. Wir haben unglaubliche Momente gehabt in den letzten Wochen. Wie die Menschen auf uns reagiert haben, das war schon bewegend. Das hat vielleicht auch ein bisschen mit dem neuen Programm zu tun, das neben den lustigen und melancholischen auch ein paar andere Seiten hat. Der politische Moment bei „Vier Brüder“ etwa, in dem ich eine sehr persönliche Geschichte aufarbeite. Meine Mutter hat im Krieg all ihre vier Brüder verloren, das ist immer Thema bei uns gewesen. Wenn ich den Song singe und die Geschichte dazu erzähle, wird hier und da schon mal eine Träne weggedrückt.
Das neue Album klingt noch persönlicher als das letzte. Brauchte es die 65, um sich vielleicht nach außen hin noch einen Tick mehr zu öffnen?
Ich würde es anders beschreiben. Ich habe jahrelang als Journalist gearbeitet und mich mehr mit den Biografien anderer beschäftigt. In der Musik nun meine eigenen Geschichten zu erzählen ist Neuentdeckung und Genuss zugleich. Als Bedürfnis hatte ich das schon immer in mir drin, es nun zuzulassen ist eine Art Freiheitserlebnis.
Macht Musik glücklicher als Journalismus?
Das eine hat mit dem anderen nicht viel zu tun. Es gibt nichts Besseres, als live auf der Bühne zu spielen. Manchmal, wenn man die Songs öfter gespielt hat, bekommen einige Stücke noch mal eine ganz andere Kraft – es ist dann ein bisschen wie Fliegen, ein absoluter Glücksmoment.

Zur Person Reinhold Beckmann

Reinhold Beckmann (65) absolvierte nach seinem Abitur zunächst eine Lehre zum Radio-, Fernseh- und Videotechniker, bevor er in Köln Germanistik, Theater-, Film- und Fernsehwissenschaften studierte. Als freier Journalist wurde er für den Sport entdeckt und moderierte in den 1990er-Jahren die von ihm entwickelten Sendungen „ran“ und „ranissimo“. Später führte er auch durch die Sportschau und seine eigene Talksendung. Als Musiker veröffentlichte der Bundesverdienstkreuzträger bislang drei Alben. Der Vater zweier erwachsener Kinder lebt in Hamburg. (Sascha Hoffmann)

Waberner Kulturwoche: Konzert in der Mehrzweckhalle

Das Konzert von Reinhold Beckmann und seinem Gitarrist Johannes Wennrich beginnt am Samstag, 30. Oktober, um 19.30 Uhr (Einlass 18.30 Uhr) in der Mehrzweckhalle Wabern. Karten gibt es für 20 Euro im Vorverkauf. kulturwoche-wabern.de

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