Anwalt hält den 36-jährigen Bruder des Angeklagten für den Täter

Brandstiftung in Wabern: Weiterer Brandsatz wurde gefunden

Wabern/Kassel. Im Anbau des Wohn- und Geschäftshauses Landgrafenstraße 4 in Wabern, dessen Dachstuhl am 6. Juli vorigen Jahres lichterloh gebrannt hatte, ist am Donnerstag ein Brandsatz gefunden worden.

Er wurde von der Polizei sichergestellt und wird nun im Landeskriminalamt untersucht - unter anderem auf DNA-Spuren. Das erklärte Oberstaatsanwalt Wolfgang Göb vor dem Landgericht Kassel.

Dort läuft seit dem 25. Juni das Verfahren gegen einen 24-Jährigen, seinen Bruder (33) und dessen Ehefrau (30). Der 24-Jährige, der seit September 2014 in Untersuchungshaft sitzt, ist wegen schwerer Brandstiftung angeklagt. Bruder und Schwägerin sollen ihn angestiftet haben.

Laut Anklage ist der Brand mit mindestens acht Brandsätzen gelegt worden. Neu ist der neunte Brandsatz. Nach Angaben des Oberstaatsanwaltes hat ein 36-Jähriger Bruder der beiden Angeklagten den Hinweis gegeben. Er habe sich bei der Polizei gemeldet und auch gesagt, er bekomme eine Rente bis ans Lebensende, wenn „das mit der Versicherung” laufe. Auf die Frage, warum dieser neunte Brandsatz nicht damals schon gefunden worden sei, habe die Polizei erklärt, es sei eben so passiert, Das sagte der Richter.

Alibi nicht stichhaltig

Der Anwalt des Hauptangeklagten hat beantragt, die in Kleve lebende Vermieterin des 36-Jährigen als Zeugin zu vernehmen. Der 36-Jährige sei der mögliche Täter. Dieser habe vor dem Landgericht randaliert. Sein Alibi sei nicht stichhaltig. Er habe am ersten Verhandlungstag den Angeklagten bedroht und habe ein Messer bei sich geführt. Der Anwalt rechnete vor, wie der 36-Jährige von Kleve nach Wabern gefahren sei, den Brand gesetzt und dann zurückgefahren sei.

Lesen Sie auch

Brandstifter-Prozess Wabern: Ermittlung bis ins letzte Detail

Dieser Mann war anfangs schon einmal verdächtigt worden, das Feuer gelegt zu haben. Die Ermittlungen wurden aber eingestellt. Staatsanwaltschaft und Polizei halten nach wie vor den 24-Jährigen für den Haupttäter. Auf die Frage, wo er in der Brandnacht gewesen sei, hatte der 36-Jährige am ersten Verhandlungstag gesagt: „Ich war bei meiner deutschen Oma.” In Kleve.

Der nun neu Beschuldigte hatte auch gesagt, er werde behilflich sein, den Täter zu finden. Der Vorsitzende Richter hatte die Vernehmung abgebrochen, weil eine sinnvolle Verständigung nicht möglich sei.

Eine Zeugin schilderte, nach Ausbruch des Feuers seien die Bewohner ganz langsam aus dem Haus gekommen. Das sei eine „ganz komische Situation” gewesen. Während sie selbst total schockiert gewesen sei, sei die Familie ziemlich gefasst gewesen. Die Zeugin hatte an mehreren Haustüren geklingelt und gerufen, die Feuerwehr zu alarmieren.

Familie war entspannt 

Ein 21-Jähriger aus Wabern berichtete, er sei von der Polizei verdächtigt worden, weil es auch in seinem Haus gebrannt habe. Er sei nach Ausbruch des Brandes zu dem Haus gelaufen und habe gefragt, ob alle raus seien, ob er helfen könne. Die Familie sei entspannt und emotionslos aufgetreten.

Ein Ehepaar, ebenfalls im Zeugenstand, sprach von einer besonderen Gelassenheit der vom Feuer betroffenen Familie.

Schlagworte zu diesem Artikel

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.