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Zwölfjähriger an Leukämie erkrankt – Typisierungsaktion am Sonntag in Wabern

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Von: Christina Zapf

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Der zwölfjährige Leonardt Henry Oidtmann
Der zwölfjährige Leonardt Henry Oidtmann ist an Leukämie erkrankt und braucht dringend einen passenden Stammzellenspender. © Sven Oidtmann

Der zwölfjährige Leonardt Henry Oidtmann ist an Leukämie erkrankt und braucht dringend einen passenden Stammzellenspender. Die Familie hofft, dass diese bei einer Typisierungsaktion in Wabern am kommenden Sonntag gefunden wird. 

Falkenberg/Wabern – Für Leonardt Henry Oidtmann geht es am Sonntag, 21. August, um sehr viel – es geht um sein Leben. Für diesen Tag haben seine Familie und seine Nachbarn von 13 bis 17 Uhr unter dem Titel „Leo will wieder lachen“ eine Typisierungsaktion in der Mehrzweckhalle in Wabern, Reiherwaldweg 1, organisiert. Bei dieser soll ein geeigneter Stammzellenspender für den Zwölfjährigen aus Falkenberg gefunden werden. Leo ist an Leukämie erkrankt. Die Chemotherapien haben den Krebs bislang nicht bezwingen können. Deshalb wird nun dringend ein passender Stammzellenspender für den Jungen gesucht. Nur er kann den Falkenberger retten.

Seit dem 8. Juni ist das Leben des Zwölfjährigen, der die Jugenddorf-Christophorusschule (CJD) in Oberurff-Schiffelborn besucht, und auch das seiner Familie nicht mehr, wie es einmal war. An diesem Tag bekam er die Diagnose Leukämie. Seither verbringen seine Eltern abwechselnd jeweils drei Tage bei ihm im Krankenhaus.

Zwölfjähriger ist an Leukämie erkrankt: Verdacht bestätigte sich

Nachdem Leo eine Woche lang Fieber hatte und sich schlapp fühlte, gingen seine Eltern mit ihm zum Kinderarzt. Da auf den ersten Blick keine Ursache für die Beschwerden festgestellt werden konnte, veranlasste der Arzt einen Bluttest. Das Ergebnis war erschütternd: „Der Kinderarzt sagte, er habe noch nie so schlechte Blutwerte gesehen“, sagt Vater Sven Oidtmann. Der Verdacht: Leukämie. Und so kam der Zwölfjährige am 8. Juni ins Klinikum Kassel.

Dortige Untersuchungen bestätigten die Annahme des Kinderarztes. Die erste Chemotherapie wurde sofort gestartet. Leonardt Henry Oidtmann hat akute myeloische Leukämie (AML). Doch damit nicht genug. Hinzukommt noch eine FLT3 Mutation. „Die macht das Ganze noch aggressiver und die Behandlung schwieriger“, sagt Sven Oidtmann. FLT3 Mutationen zählen zu den Treibermutationen bei der akuten myeloischen Leukämie.

Akute myeloische Leukämie (AML)

Die akute myeloische Leukämie (AML) ist laut dem Uniklinikum Ulm eine bösartige Erkrankung des Knochenmarks. Die Leukämie entsteht aus der unkontrollierten Vermehrung von unreifen Vorläuferblutzellen im Knochenmark. Genetische Veränderungen (Mutationen) führen zu einer Reifungsstörung und zur ungehemmten Vermehrung funktionsuntüchtiger Blutzellen (Blasten). Die Folge: Die gesunden, blutbildenden Zellen werden verdrängt und die Blasten in das Blut ausgeschwemmt. 

Weder die erste, noch die zweite Chemotherapie waren bei Leo erfolgreich. „Es sind noch immer zu viele Krebszellen im Blut“, sagt sein Vater. Die Ärzte im Kassler Klinikum änderten ihr Vorgehen. Jetzt heißt es Rettungstherapie. Bei dieser kommen andere Chemotherapeutika als zuvor zum Einsatz. Ob die inzwischen beendete dritte Chemotherapie mehr Erfolg als die vorausgegangenen hatte, wird die nächste Knochenmarkpunktion zeigen.

Der Zwölfjährige Leonhard aus Wabern ist dringend auf eine Stammzellenspende angewiesen.
Der Zwölfjährige Leonhard aus Wabern ist dringend auf eine Stammzellenspende angewiesen. © Privat/DKMS

Bereits nachdem die erste Chemotherapie nicht anschlug, wurde Leo in die Hochrisikogruppe eingestuft. Das bedeutet, er braucht eine Stammzellenspende. Die Familie hofft nun, dass die dritte Chemotherapie die Voraussetzungen dafür schafft. Denn für eine Stammzellenspende muss der Anteil der Krebszellen im Blut des Zwölfjährigen bei unter fünf Prozent liegen.

Über das Zentrale Knochenmarkspender-Register Deutschland laufe bereits die Suche nach einem geeigneten Spender – doch bislang vergeblich. Auch die Eltern und älteren Schwestern von Leo kommen nicht als Stammzellenspender in Frage. Die Nachbarn von Familie Oidtmann haben vom Schicksal des Jungen erfahren und wollten nicht untätig bleiben. Dilek Wölling hatte die Idee, eine Typisierungsaktion zu starten, um einen Stammzellenspender für Leo zu finden.

Große Typisierungsaktion in der Mehrzweckhalle in Wabern

Schnell waren auch ihr Mann Christoph Wölling sowie Daniela und Marco Desort ins Boot geholt. Zusammen haben sie, auf Anraten der DKMS (ehemals Deutsche Knochenmarkspenderdatei) eine große Typisierungsaktion in der Mehrzweckhalle geplant. Ihnen sei es wichtig, nicht nur mit Worten zu trösten, sondern auch mit Taten zu helfen, so Dilek Wölling. Die Gemeinde stellt das Gebäude kostenlos zur Verfügung.

Solche Nachbarn kann man sich nur wünschen: Marco Desort (von links), Dilek Wölling und Daniela Desort mit Sven Oidtmann haben für Sonntag, 21. August, eine Typisierungsaktion in der Waberner Mehrzweckhalle organisiert
Solche Nachbarn kann man sich nur wünschen: Marco Desort (von links), Dilek Wölling und Daniela Desort mit Sven Oidtmann haben für Sonntag, 21. August, eine Typisierungsaktion in der Waberner Mehrzweckhalle organisiert © Christina Zapf

Weitere Nachbarn und Freunde von Familie Oidtmann unterstützen die Typisierungsaktion. Sie verteilen beispielsweise Flyer, um den Termin bekannt zu machen. Auch Waberner Vereine haben ihre Unterstützung und Beteiligung zugesagt. „Die Hilfsbereitschaft reißt nicht ab“, sagt Marco Desort.

„Leonardt ist sehr gefasst. Er will alles wissen und lässt sich alles erklären“, sagt sein Vater. Und: „Er weiß, dass er daran sterben kann.“ Die Nebenwirkungen der Chemotherapien setzen dem Zwölfjährigen zu. „Der Haarausfall ist noch das geringste Problem“, sagt Sven Oidtmann. Zu allem Leid musste sein Sohn immer wieder Rückschläge verkraften, wenn es hieß, dass die Chemotherapien nicht erfolgreich waren.

Nun hofft der Zwölfjährige auf den Erfolg der dritten Chemotherapie und auf einen geeigneten Stammzellenspender.

Stammzellen spenden

Laut DKMS kann jeder gesunde Mensch zwischen 17 und 55 Jahren Stammzellspender werden. In rund 80 Prozent der Fälle werden die Stammzellen der Blutbahn des Spenders entnommen – ähnlich wie bei einer Dialyse. Bei der Knochenmarkspende wird unter Vollnarkose Knochenmark aus dem Beckenknochen des Spenders entnommen. dkms.de

(Christina Zapf)

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