Wanderausstellung: Flucht und Vertreibung vor 70 Jahren

Sie initiierten die Ausstellung in Fritzlar: links Dietmar Pfütz, Obmann der Kreisgruppe Kassel der Sudetendeutschen Landsmannschaft, und rechts Autor Horst Gömpel aus Schwalmstadt. Fotos: Eberlein

Fritzlar. Flucht erleben wir in der heutigen Zeit. Flucht und Vertreibung gab es auch nach dem Ende des Zweiten Weltkrieges im Jahr 1945. Diesem Thema widmet sich eine Wanderausstellung, die in Fritzlar zu sehen ist.

Konzipiert wurde sie vom Bund der Vertriebenen (BdV), finanziell unterstützt durch die Sparkasse, und hat den Titel „Angekommen - Integration der Heimatvertriebenen in Deutschland“. Sie wurde am Donnerstag eröffnet.

Im Foyer des Wohnstiftes Kaiserpfalz in Fritzlar sind die großen Standtafeln mit vielen Bildern, erklärenden Texten, Zeittafeln und Landkarten bis zum 26. Mai zu sehen. Unter verschiedenen Überschriften, wie „Verteilung auf die Besatzungszonen“, „Lager“, „Alltag im Westen“ und „Existenzgründung“ informieren die Tafeln über das Schicksal der Vertriebenen, deren Suche nach einem neuen Zuhause und ihr Hineinwachsen in die einheimischen Gesellschaften der Orte, in die es sie verschlagen hatte.

Neben Landrat Winfried Becker, Bürgermeister Hartmut Spogat und weiteren Vertretern der Bereiche Ausbildung, Kirchenpolitik, Verwaltung und Wirtschaft waren etwa die Hälfte der rund 80 Gäste selbst betroffen von dem, worüber die Ausstellung berichtet.

Alleine 28 455 Sudetendeutsche mussten nach dem Zweiten Weltkrieg im heutigen Schwalm-Eder-Kreis aufgenommen werden, das seien rund zehnmal so viele Menschen wie die, die durch die aktuelle Flüchtlingswelle in den Schwalm-Eder-Kreis gekommen sind, sagte Horst Gömpel, Buchautor aus Schwalmstadt und einer der Initiatoren für die Ausstellung. Über Flucht und Vertreibung referierten außerdem die Hessische Landesbeauftragte für Heimatvertriebene und Spätaussiedler, Margarete Ziegler-Raschdorf, und Siegbert Ortmann, Landesvorsitzender des Bundes der Vertriebenen Hessen.

„Mit Bescheidenheit, Opferbereitschaft und nicht nachlassender Geduld haben sich die Vertriebenen in den zugewiesenen Gebieten eingegliedert. (...) In der Rückschau ist diese Eingliederung, die Aufnahmen der Vertriebenen, eine regelrechte und einzigartige Erfolgsgeschichte“, beschrieb Ziegler-Raschdorf die historischen Ereignisse.

Erinnerungen, die bleiben

Auch wenn die Eingliederung der Vertriebenen nach 1945 gelungen ist, die Erinnerungen an diese Zeit bleiben ein Leben lang im Kopf. Das weiß auch Günter Meyer (82) aus Kassel. Er erlebte als junger Mann die Enteignung seines Elternhauses in Thüringen. Seine Mutter floh mit ihm und den beiden Geschwistern 1949 nachts über die Grenze bei Wanfried. Dort wartete der Vater. In Hessisch Lichtenau fand die Familie ein neues Zuhause, musste aber das gesamte Leben neu aufbauen. Mit Vertreibung wurde Günter Meyer ein zweites Mal konfrontiert, als er seine Frau kennen lernte. Sie kam 1946 aus dem Sudetenland.

Von Christl Eberlein

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