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Weihnachten in der Ukraine: Sie wünschen sich Frieden

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Von: Lea Beckmann

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Karolina Khmilovska und Liuba Chopyk würden Weihnachten gerne in der Ukraine feiern.
Karolina Khmilovska und Liuba Chopyk würden Weihnachten gerne in der Ukraine feiern. © Lea Beckmann

Seit zehn Monaten herrscht Krieg in der Ukraine. Viele Ukrainer haben im Kreisteil Fritzlar-Homberg eine Unterkunft gefunden. So auch Karolina Khmilovska und Liuba Chopyk.

Homberg – „Unser Wunsch zu Weihnachten ist Frieden“, sagen Liuba Chopyk (34) und Karolina Khmilovska (43). Die Ukrainerinnen flüchteten wegen des russischen Angriffskrieges auf ihr Heimatland vor neun Monaten nach Deutschland.

Es ist Weihnachten und damit die Zeit, nach Hause zu kommen. Für die beiden Ukrainerinnen und viele andere mehr ist das nicht möglich. „Weihnachten ist ein Familienfeiertag“, sagt Khmilovska. Zum ersten Mal kann die zweifache Mutter Weihnachten nicht mit ihrer Familie verbringen. „Mein Mann und unser Hund sind immer noch in der Ukraine, mein Sohn und meine Tochter sind bei mir.“ Natürlich ist sie froh, dass ihre Kinder in Sicherheit sind, aber es ist schwer für die getrennte Familie „Wir vermissen uns“, sagt Khmilovska.

Weihnachten wird daher keine glückliche Zeit – das Fest ist mit Trauer behaftet. „Ich wünschte, wir könnten zu Hause Weihnachten feiern mit unseren Verwandten und dass Schnee vom Himmel fällt und keine Raketen“, sagt sie.

Orthodoxe Ukrainer feiern am 6. Januar Weihnachten

Die Weihnachtszeit fange in der Ukraine mit dem Nikolaustag an. „Da gehen die Kinder von Haus zu Haus und tragen ein ukrainisches Gedicht vor“, erklärt Khmilovska. Am 25. Dezember gibt es ein großes weihnachtliches Festmahl für die gesamte Familie. „Zwölf Gerichte koche ich dann, aber kein Fleisch oder Fisch“ erklärt sie. Und: „Bei uns gibt es auch keinen Nudel- oder Kartoffelsalat, wie das hier in Deutschland gerne gegessen wird – entweder Kartoffeln oder Salat, aber nicht miteinander kombiniert“, sagt Liuba Chopyk.

Sie ist orthodox, daher feiert sie Weihnachten erst am 6. Januar. „Ich habe kein wirkliches Weihnachtsgefühl“, sagt die 34-Jährige, die schon seit einem halben Jahr die deutsche Sprache erlernt und regelmäßig in der Kleiderkammer in der Homberger Dörnbergkaserne arbeitet. Chopyk wohnt mit ihrer Schwester bei einer Familie in Homberg. Dort lebt auch eine Katze, daher haben sie bislang keinen Weihnachtsbaum.

Traditionell schmücken wir mit der ganzen Familie auch immer den Weihnachtsbaum.

Karolina Khmilovska

Die Kleiderkammer bietet den Geflüchteten eine Grundausstattung, erklärt Tanja Fennel-Trieschmann. Und sie sagt: „Wir wollen auch am 6. Januar noch mal ein bisschen feiern.“

Die katholischen Ukrainer, wie Karolina Khmilovska, feiern hingegen am 25. Dezember. „Traditionell schmücken wir mit der ganzen Familie auch immer den Weihnachtsbaum“, erklärt sie. Auch bei Tanja Fennel-Trieschmann, wo Khmilovska mit ihren Kindern wohnt, steht ein Weihnachtsbaum, dennoch ist die Stimmung betrübt. „Wir sind sauer – plötzlich zerstört an einem Tag ein Mann einfach alles, was man hat“, sagt sie.

Liuba Chopyk erklärt, dass vor allem die Weihnachtszeit für geflüchtete Kinder schwer sei. Für sie selbst sei es erträglicher. „Wir werden unsere Familie an Weihnachten über Skype anrufen, wenn hoffentlich Strom und Internet vorhanden ist“, sagt Karolina Khmilovska. Die beiden Frauen versuchen, den Kontakt zur Familie in der Ukraine zu halten.

Auch für Fennel-Trieschmann wird es ein anderes Weihnachtsfest. „Das Essen wird mal anders ausfallen, Karolinas Traditionen möchte ich gerne einfließen lassen“, sagt sie. (Lea Beckmann)

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