Hilfsgüter sollten nach Stolin

Post verlor Pässe: Hilfstransport nach Weißrussland stand vor dem Aus

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Joachim und Valentina Jerosch vom Partnerschaftsverein Homberg-Stolin mussten sich etwas einfallen lassen. 

Die Berliner Botschaft hatte Pässe samt Visa per Einschreiben aufgegeben, doch die kamen nie an. Eine rettende Idee musste für den Partnerschaftsverein Homberg-Stolin her. 

Wochenlang hatte Joachim Jerosch vergeblich auf die Reisepässe für die Teilnehmer des Hilfstransports ins weißrussische Stolin gewartet. Am 13. Mai war seine Geduld zu Ende, die Zeit drängte, der Transport sollte schließlich vorgestern starten.

Jerosch rief also bei der Botschaft in Berlin an. Und hörte dort, dass die Reisepässe samt Visa nicht vergessen, sondern schon eine Woche zuvor als Einschreiben auf den Postweg gegangen waren.

Der Partnerschaftsverein Homberg-Stolin hat schon viele Hürden in seiner 23-jährigen Geschichte und bei 31 Hilfstransporten erlebt – aber dass sämtliche Pässe samt Visa verschwunden waren, das hat es noch nie gegeben.

Jerosch stellte einen Suchantrag bei der Post, rief im Internet die Einlieferungsnummer des Einschreibens auf, die er von der Botschaft erhalten hatte und las erstaunt: „Zu dieser Nummer ist keine Aussage möglich.“

Das Erstaunen wich dem Entsetzen, als er merkte, dass tatsächlich niemand bei Botschaft und Post auch nur die leiseste Idee hatte, wo denn die acht Reisepässe abgeblieben sein könnten.

"Der Frust im Team war groß"

Damit stand der Verein vor einem riesigen Problem: Die Termine mit den weißrussischen Partnern waren längst gemacht, die Hilfsgüter wie Krankenbetten, Gehhilfen, Windeln, Geschenke und Pakete auf den Laster verladen, Urlaube in den Firmen genommen, Pläne gemacht. „Der Frust im Team war richtig groß“, berichtet Joachim Jerosch. „Es ging ja nicht um eine Geburtstagskarte, die da verloren gegangen war, sondern um einen Hilfstransport, der zu kippen drohte.“ Noch dazu hatten die Mitglieder ein wichtiges persönliches Dokument verloren.

Den zeigte er bei der Polizei an: „Ich hatte Sorge, dass die Pässe irgendwann später im Zusammenhang mit einer Straftat auftauchen“, sagt der Homberger. Die Post zeigte sich kooperativ, rief Joachim Jerosch oft zurück, berichtete vom aktuellen Stand der Suchaktion – und konnte doch keinen Erfolg vermelden.

Doch Aufgeben kam für den Partnerschaftsverein nicht in Frage: In der Krisensitzung am Donnerstag hatte das Team die rettende Idee – und die Stadt Homberg und die Botschaft in Berlin halfen, sie in die Tat umzusetzen.

Der Partnerschaftsverein Homberg-Stolin bewies Einfallsreichtum: von links Joachim, Sebastian und Valentina Jerosch, Helmut Albert, Eduard Gellert und Dieter Krippner – vorne Waldemar Fahnenstiel und Juri Schwabauer – starteten am Freitag erst einmal ohne Reisepässe Richtung Polen und Weißrussland. 

Die Stadt stellte den passlosen Vereinsmitgliedern am frühen Freitag fix vorläufige Reisepässe aus. Joachim und Valentina Jerosch packten die Dokumente, setzten sich mit ihnen in einen ICE nach Berlin und fuhren direkt zur Berliner Botschaft. Dort wurden sie schon von einem Mitarbeiter erwartet, der die Visa in die neuen Pässe stempelte.

Zeitgleich machte sich das Team in Homberg mit dem Laster samt Begleitfahrzeug auf den Weg gen Osten. Als das Ehepaar Jerosch Pässe samt Visa hatte, fuhr es per Taxi zum Treffpunkt an der Berliner Autobahn, wo der Konvoi auf sie wartete.

„Was für ein Stress“, seufzte Joachim Jerosch gestern am Telefon. Aber auch eine Geschichte, die er nie vergisst. Und das Beste: Eine Geschichte mit Happy-End.

Post: "Wir tun alles Menschenmögliche." 

Die Post bedauere sehr, dass die Pässe nicht zugestellt wurden, sagt Sprecher Dr. Hans-Christian Mennenga. „Wir erkennen die Dringlichkeit und Bedeutung des Vereins und seiner Anliegen und tun alles Menschenmögliche, um die Pässe zu finden“, sagte Mennenga. Die Post werte auf der Suche nach der Fehlerquelle den Fall gerade genau aus. Aus Kulanz, so Mennenga, übernehme die Post/DHL die Kosten, die dem Verein entstanden.

Polizei: Bei Hinweisen auf Diebstahl immer Anzeige erstatten

Es sei absolut richtig, dass der Stolinverein den Vorfall der verschwundenen Reisepässe angezeigt habe, sagte Polizeisprecher Markus Brettschneider auf Anfrage. Zwar gebe es immer wieder einmal Dokumentendiebstähle, doch stelle der Verlust von acht Reisepässen einen ungewöhnlichen Fall dar. Wer einen Pass verliere, solle sich an seine Stadt oder Gemeinde wenden. Wer aber Hinweise auf Diebstahl oder eine Straftat habe, sei gut beraten, Anzeige zu erstatten.

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