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Wenn die Rübenmaus kommt

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Landwirt zwischen Rübenmaus und Schleppergespann an einem Haufen Zuckerrüben
Auf rund elf Hektar baut Familie Vogel Zuckerrüben an und deckt so den Jahresbedarf an Zucker für 6400 Menschen. © Christine Weingarten / RBV / nh

Karsten Vogel ist entspannt. Seine Zuckerrüben sind schon alle geerntet, verladen und ausgeliefert. Und das, obwohl die Rübenkampagne in vollem Gange ist und noch bis Mitte Januar laufen wird. „Wir waren in diesem Jahr sehr früh dran mit der Ernte, deshalb sind wir jetzt schon fertig“, erklärt Karsten Vogel. Die Termine für die Rübenernte werden vor dem Kampagnenstart in einer Versammlung der Zuckerrübenladegemeinschaft Wabern (ZLG), der auch Familie Vogel angehört, besprochen.

Gemeinsam haben die Mitglieder der ZLG eine sogenannte „Zuckerrübenmaus“, eine Reinigungs- und Lademaschine angeschafft, um die Verladung und Lieferung rund um die Zuckerfabrik in Wabern besser zu organisieren. Familie Vogel war in diesem Jahr in einer der ersten Liefergruppen und ist deshalb schon fertig.

Aber nach der Rübe ist vor der Rübe: Denn die Vorbereitungen für die nächsten Zuckerrüben in 2023 startet für Karsten Vogel bereits immer schon im Herbst nach der Ernte des Getreides. Rüben sind nämlich anspruchsvoll: Sie mögen es nicht, wenn der Boden zu tonhaltig und zu grobkörnig ist. Deshalb wird der Boden im Herbst mehrfach flach bearbeitet – ohne Pflug, nur mit Grubber und Scheibenegge wird die Erde gelockert und fein gekrümelt. Im Strohmulch bleibt der Boden dann über den Winter liegen.

Erst im Frühjahr, wenn der Boden wieder so trocken ist, dass man mit den größeren Maschinen keinen Schaden anrichtet, geht es zurück aufs Feld. Mit einer Saatbettkombination wird der Boden noch zweimal sehr flach bearbeitet, bis im April endlich mit einem Einzelkornsägerät die Saat in die Erde kommt. Drei bis vier Tage später wird gedüngt. „Wir nehmen regelmäßig Bodenproben und wissen so genau, wie groß der Vorrat an Nährstoffen im Boden ist und ob bei einzelnen Nährstoffen Versorgungsengpässe eintreten können. Um eine gute Entwicklung der Pflanzen garantieren zu können, ist es nötig, die fehlenden Nährstoffmengen bedarfsgerecht mit Hilfe verschiedener Düngemittel anzubieten. Da der Dünger einen sehr hohen Kostenfaktor darstellt, ermitteln wir zuvor, wie viel Stickstoff, Phosphor, Kalium und andere Nährstoffe die Pflanzen für ihr Wachstum und die Bildung des Zuckers benötigen. Die errechneten Mengen werden dann getreu dem Motto: so wenig wie möglich, so viel wie nötig ausgebracht“, erklärt der Frielendörfer. Eine erneute Düngung erhalten die Rüben, wenn sie etwa acht Blätter ausgebildet haben.

Von der Bodenbearbeitung, über die Aussaat bis hin zur Düngung der Zuckerrüben machen Karsten Vogel und sein Vater alles selbst – in Eigenmechanisierung. Erst beim Roden der Rüben kommt ein Lohnunternehmen ins Spiel. Sobald der Liefertermin feststeht, bekommen die Lohnunternehmen eine Meldung, wann sie spätestens gerodet haben müssen. „Manchmal findet alles innerhalb eines Tages statt – dann wird gerodet, verladen und geliefert. Aber in der der Regel liegen die Rübenmieten drei bis vier Tage auf dem Feld, bis wir sie dann ausliefern“, sagt Vogel. Bei späteren Lieferterminen wird auf Vorrat gerodet. Dann bleiben die Zuckerrüben länger auf dem Feld liegen. Um sie dort vor Frost zu schützen, kümmert sich die ZLG um die maschinelle Mietenpflege, zu der auch das Abdecken mit einem Rübenvlies gehört.

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„In der Zuckerrübenernte ist wirklich alles sehr gut organisiert – verantwortungsbewusste Landwirtschaft, kurze Wege und ein Produkt, das komplett in der Region verarbeitet wird, das zeichnet uns aus“, sagt Vogel.

Von Eva-Maria Zienkiewicz

 Karsten Vogel mit seiner Frau Stefanie und Sohn Hendrik vor der Scheune in Frielendorf.
Die nächste Generation ist schon da: Karsten Vogel mit seiner Frau Stefanie und Sohn Hendrik vor der Scheune in Frielendorf. © EVA-MARIA ZIENKIEWICZ

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