Viel erlebt in 100 Jahren

Willi Kepper aus Homberg ist seit 1921 auf dieser Welt

Erinnerungen an viele Jahrzehnte: Willi Kepper mit Fotos seiner Familie. Am morgigen Sonntag feiert er seinen 100. Geburtstag.
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Erinnerungen an viele Jahrzehnte: Willi Kepper mit Fotos seiner Familie. Am morgigen Sonntag feiert er seinen 100. Geburtstag.

1921 in Fritzlar geboren, zog Willi Kepper als junger Mann nach Homberg. Dort übernahm er einen Schmiedebetrieb und prägte lange Jahre das Vereinsleben.

Homberg – „Warten Sie, ich helfe Ihnen aus der Jacke.“ Willi Kepper ist ein Gentleman der alten Schule: Auch im hohen Alter erweist sich der Homberger als galanter Gastgeber. Dieses Talent kommt ihm am Sonntag, 21. November, wohl beim großen Fest zugute, wenn er mit Familie, Freunden und Weggefährten seinen ersten dreistelligen Geburtstag feiert.

Und es waren viele Menschen, die den Unternehmer und engagierten Homberger begleitet haben: Kepper hat über Jahrzehnte hinweg das Vereinsleben in der Kreisstadt geprägt wie kaum ein anderer – und das, so sagt er verschmitzt, obwohl er doch aus Fritzlar stammt.

Willi Kepper: Sein Weg führte ihn von Homberg nach Fritzlar

1921 in der Domstadt geboren, absolvierte er ab 1936 eine Schlosserlehre bei der Firma Metallbau Anders. Kaum dass er sie 1939 beendet hatte, begann der Zweite Weltkrieg, Kepper wurde eingezogen, zum Flugzeugmechaniker ausgebildet.

Kepper war 23, als der Krieg endete – und damit sein Leben begann. 1947 heiratete er seine Jugendliebe Elisabeth, 1949 legte er die Meisterprüfung ab, übernahm in Homberg einen Schmiedebetrieb und zog kurz darauf in die Kreisstadt.

Ein NSU-Motorrad und ein VW-Käfer waren die ersten Firmenfahrzeuge. 1963 baute er ein Haus und eine Werkstatt im Ostpreußenweg. Der Betrieb ist bestens bekannt: Mit 70 übergab ihn Kepper an seinen engen Mitarbeiter Dieter Schönhut, der das Metallbauunternehmen bis heute führt.

Es ist typisch für den fast 100-Jährigen, dass er bis 70 beruflich voll im Einsatz war – und zwar neben seinem großen Engagement für die Bürgerschaft und seiner Familie: 1948 wurde Tochter Gisela geboren, 1950 Sohn Ulrich, 1956 Tochter Birgit.

Willi Kepper engagierte sich in vielen Vereinen in Homberg

Übernahm mit 85 die Leitung des Shantychores Borken/Homberg: Willi Kepper (links) hat viele Talente.

Es gab für Willi Kepper damals wohl nur eine Richtung und die führte bergauf. Das Metallbauunternehmen florierte, die Familie wuchs, aus dem gebürtigen Fritzlarer wurde ein begeisterter Homberger. Metzgermeister Fritz Jäger öffnete ihm damals Tür und Tor in Homberg, indem er Kepper mit in den Schützenverein nahm.

Und auf die Schützen folgten die Sänger, die Wanderer, die Segler, die Kegler, die Kyffhäuser. Kepper war über 60 Jahre im MGV Liedertafel, lief mehr als 5000 Kilometer im Wanderverein, arbeitete 36 Jahre im Kirchenvorstand, viele Jahrzehnte als Innungsobermeister und im Gesellenprüfungsausschuss. Würde man alle Lehrlinge, die er ausgebildet hat, zusammenholen, es wären um die 100, sie würden zwei Reisebusse füllen.

Willi Kepper übernahm mit 85 Jahren Chorleitung

Auch diese Zahl beweist die Energie, die im Unternehmer steckt und die auch im Alter nicht weniger wurde. Als sein Vorgänger Heinz Sauerwein 2006 die Leitung des Shantychors aus Altersgründen abgeben wollte, übernahm Kepper den Taktstock: mit 85 und älter als Sauerwein. Ein Generationswechsel, nur in die andere Richtung gedacht.

Willi Kepper hat seinen Lebensmut und seine Tatkraft nie verloren. Auch nicht nach so harten Schicksalsschlägen wie dem Tod von Sohn Ulrich vor zehn Jahren und dem seiner Frau Elisabeth.

Beim Abschied nach dem Gespräch für diesen Artikel hilft er der HNA-Redakteurin in die Jacke und hält ihr die Haustür auf: Es ist und bleibt eben ein Gentleman, der da morgen 100 Jahre alt wird. (Claudia Brandau)

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