Geschwindigkeitsreduzierung am Hohlen Graben

Anwohner wollen Tempo 30: „Wir sind keine Querulanten“

Fritzlar. Er fühlt sich falsch informiert, sagt Dr. Christoph Pohl. „Die Anwohner des Hohlen Grabens in Fritzlar sind enttäuscht vom Verhalten und der Informationspolitik von Bürgermeister Hartmut Spogat", sagt er.

Pohl ist Sprecher der 66 Anwohner, die sich für die punktuelle Geschwindigkeitsreduzierung von 50 auf 30 Stundenkilometer in der Straße stark machen.

Nach einer Verkehrsschau hatte Spogat den Anliegern mitgeteilt, dass eine Geschwindigkeitsreduzierung nicht erfolgen werde. Grund: Die örtlichen Verhältnisse im Hohlen Graben wichen in keiner Weise von üblichen Gegebenheiten ab und sorgten nicht für eine nicht hinnehmbare Beeinträchtigung durch den Straßenverkehr. Zudem könne sich eine Geschwindigkeitsreduzierung förderschädlich auswirken, hatte Spogat gesagt.

Weil ihnen die mehrere Seiten lange Antwort des Rathaus-Chefs nicht ausreichte, haben sich die Anlieger an die Straßenverkehrsbehörde Hessen Mobil gewandt. „Eine Aufgabe, die aus meiner Sicht seitens der Stadtverwaltung hätte erledigt werden sollen“, sagt Pohl. Doch habe die Stadt nicht weiter auf die Sorgen der Anlieger reagiert. „Das hätte ich mir gewünscht“, sagt Pohl. Die Antwort von Hessen Mobil zeige nun überdeutlich, dass sich die Einrichtung einer 30er Begrenzung nicht förderschädlich auswirke, betont Pohl. Es sei schade, dass Argumente gesucht würden, um dagegen zu sein. „Wir hätten erwartet, dass erstmal versucht wird, uns zu helfen“, sagt Pohl. Der Verkehr und mit ihm die Lärmbelästigung hätten zugenommen. „Fahren die Autos langsamer, wird es auch ruhiger.“ Außerdem dürfe man auch nicht aus dem Blick verlieren, dass sich der Charakter der Straße verändert habe - und ändern werde. Denn weitere Bauplätze seien geplant.

18 Monate habe er mit Spogat Schriftverkehr geführt. Doch seien Fragen offen geblieben. „Warum wurde denn bei der Verkehrsschau keiner von uns Anliegern befragt?“, so Pohl. Außerdem arbeiteten die Teilnehmer der Verkehrsschau nicht transparent, bemängelt Pohl.

Er spricht für 66 Anwohner: Dr. Christoph Pohl kritisiert die Informationspolitik der Stadt Fritzlar und fordert die Geschwindigkeitsreduzierung in der Straße Am Hohlen Graben. Foto: Yüce

„Wir sind nicht der Mittelpunkt der Welt, aber wir wollen einen offenen Umgang mit unserem Problem. Hätte es ein vernünftiges klärendes Gespräch gegeben, dann wäre das nicht so hoch gekocht“, sagt Pohl und betont, dass man sich auch mit einem Nein zur Geschwindigkeitsreduzierung zufrieden gegeben hätte; „wenn die Antwort qualifiziert gewesen wäre“. Dann zitiert Pohl aus einem Gutachten eines Büros für Ingenieurbiologie und Landschaftsplanung in Witzenhausen von 2014, welches die Stadt Fritzlar in Auftrag gegeben haben soll. Dort heißt es: „Die Zufahrtsstraße Am Hohlen Graben führt entlang der nördlichen Grenze des Baugebietes und erschließt die angrenzenden Wohngebiete. Sie ist auch Zubringer für die angrenzenden Schulen und aufgrund dessen vor allem morgens bis mittags relativ stark frequentiert.“ Für ihn ist klar: „Die Stadt hat völlig falsche Sachverhalte herangezogen, um die Anliegen und Einwände der Anwohner als Querelen abzutun. Das sind wir nicht.“

Nun denken die Anwohner darüber nach, gerichtliche Schritte zu gehen und zudem überregionale Medien einzuschalten. Eine Demonstration ist zudem geplant.

Das sagt der Bürgermeister 

Die Verkehrskommision habe sich bereits zwei Mal mit der Situation in der Straße Am Hohlen Graben beschäftigt, sagt Fritzlars Bürgermeister Hartmut Spogat im HNA-Gespräch. Außerdem habe es eine Verkehrsschau gegeben. Die Empfehlung der jüngsten Entscheidung der Verkehrskommision gehe zunächst an den Magistrat. „Vorher kann ich das Ergebnis nicht veröffentlichen.“ Dann würde er den Magistrat übergehen. Der Magistrat werde dann im nächsten Schritt über das weitere Vorgehen entscheiden. „Dem kann ich nicht vorgreifen“, so Spogat. Er sei auf die Situation bei der Bürgerversammlung eingegangen, habe Dr. Christoph Pohl einen umfangreichen Bescheid zukommen lassen und sich zwei Mal mit ihm getroffen. 

Von Maja Yüce

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