Partnerschaftsverein Homberg-Stolin findet Zeitungen aus dem Jahr 1939

Zufallsfund in einer Kleiderspende: Partnerschaftsverein Homberg-Stolin macht ungewöhnliche Entdeckung

Zwei Zeitungen und eine alte Schirmmütze
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Alt, aber gut erhalten: Diese beiden Zeitungen waren in der alten Schirmmütze versteckt.

Dass dem Partnerschaftsverein Homberg-Stolin säckeweise Kleidung gespendet werden, ist keine Seltenheit. Dass dabei eine alte Mütze aus dem Nationalsozialismus inklusive alter Zeitungen aus dem Jahr 1939 auftaucht, aber schon. Neben Todes- und Hochzeitsanzeigen finden sich darin Tipps zum Arbeiten auf dem Feld. Ein Fund, den der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins, Joachim Jerosch, beinahe nicht gemacht hätte.

Ganze 30 Kleidersäcke hatte ein Angehöriger einer älteren Frau aus Allmuthshausen vorbeigebracht. Alle vollgepackt mit Hosen, Hemden, Blusen und Hüten. Als Jerosch die Spenden umsortieren wollte, geschah es: ein Kleidersack riss auf und enthüllte viele alte Mützen. Das war allerdings nicht alles, was dabei zum Vorschein kam. „Bei einer habe ich eine altdeutsche Schrift erkannt“, erzählt Jerosch. Die blaue Schirmmütze war mit zwei alten Zeitungsseiten ausgekleidet, um so den Hutumfang zu verringern.

Für Jerosch ein besonderer Fund. In den Artikeln wird von Menschen aus Homberg, Lützelwig und Mühlhausen gesprochen. „Eine Familie kenne ich sogar selbst noch“, sagt er. „Der praktische Landwirt“ gab 1939 Tipps zu Ernte und Arbeit auf dem Feld. Auch davon ist eine Seite erhalten. Aus welcher Zeitung die Geschichten und Anzeigen stammen, lässt sich nicht mehr zurückverfolgen – lediglich eine Paginierung ist übrig geblieben und weist die Seitenzahl 855 aus. Darüber hinaus findet sich im Inneren des Hutes ein kleiner Stecker mit den Initialen „HP“.

Jerosch recherchierte weiter und fand heraus: Schirmmützen dieser Art wurden früher vom Deutschen Reichskriegerbund getragen. Das ehemals geschmückte Band ist nicht mehr erhalten. Dort waren laut Jerosch vermutlich Hakenkreuze angebracht. „Der Besitzer muss sie abgerissen haben“, sagt der Vorsitzende des Partnerschaftsvereins.

Der Partnerschaftsverein erhält immer wieder Kleiderspenden, die sie jedes Jahr – mit Ausnahme von diesem – mit ins weißrussische Stolin nehmen. T-Shirts, Hosen, Jacken und Schuhe sind nur einige Dinge, die dringend benötigt werden. „Vor allem warme Kleidung und feste Schuhe sind für die Menschen dort wichtig“, sagt Jerosch. Ein Team des Vereins sortiert regelmäßig Kleiderspenden, schaut, ob die Kleidungsstücke noch tragbar sind. „Man sollte nur spenden, was man auch selbst tragen möchte“, so der Vorsitzende. Zwar käme es nur selten vor, dass schmutzige oder zerschlissene Bekleidung abgegeben würde. Doch auch solche Teile fänden sich hin und wieder beim Sortieren der Spenden. Manchmal sei da auch der ein oder andere Schatz dabei, sagt Jerosch. So komme nach wie vor die eine oder andere D-Mark zutage. „In den Handtaschen von Frauen ist meistens auch etwas verstaut.“ Einen solch speziellen Fund wie die alte Schirmmütze aus der Zeit des Nationalsozialismus war noch nie dabei.

Kontakt: Partnerschaftsverein Homberg-Stolin, 05681/5211.

Joachim Jerosch

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