Demo-Zug in Göttingen

Bildungsstreik: 1300 Schüler protestieren für Lehrer

Eindrucksvoll: Weit mehr als 1000 Schüler gingen beim Bildungsstreik am Dienstagmorgen für bessere Lehrbedingungen und für ihre zum Teil überlasteten Lehrer auf die Straße. Foto: Kopietz

Göttingen. Es klingt nach Party, als am Dienstag etwa 1300 Schülerinnen und Schüler begleitet von lauter Musik und abgeschirmt von vielen Polizeiautos durch die Göttinger Innenstadt gehen. Doch es geht um viel mehr, als gut gelaunt mit Gleichgesinnten durch die Straßen zu ziehen.

Es geht um die Situation an Niedersachsens Gymnasien, und es geht um die Belastung der Lehrer. Deshalb gehen Schüler auf die Straße. Lehrer werden hier kaum gesehen.

Die Lehrer an Gymnasien müssen laut Beschluss der rot-grünen Landesregierung ab dem neuen Schuljahr eine Stunde mehr arbeiten und eine Alterteilzeitregelung ist ausgesetzt worden. Also haben die Lehrer gegen die Pläne protestiert und nach dem Beschluss darauf reagiert: Außerschulische Aktivitäten wie Freizeiten, Sportveranstaltungen und Klassenfahrten wollen sie nicht mehr organisieren und begleiten, so haben sie es auch in Göttingen signalisiert. Keine Klassenfahren, keine gemeinsamen Veranstaltungen mehr – das wiederum bringt die Schüler auf die Palme. Sie begehren auf und gehen für ihre Lehrer und für eine bessere Schule auf die Straße – massenhaft, wie am Dienstag unter Regie des Stadtschülerrats in Göttingen.

Sie haben gemerkt, dass einige Lehrer an der Grenze der Belastbarkeit angelangt sind: Zeitdruck – auch dank des Turbo-Abiturs G 8 –, nicht genügend Personal, große Klassen. Der Stress fordert Tribut. Ausgebrannte Lehrer, die die Altersgrenze im Beruf nicht mehr erreichen gibt es immer mehr. Junge Lehrer hingegen hätten keinen Job, moniert eine Gewerkschaftssprecherin. „Wir brauchen ausgeruhte, entspannte Lehrer, dann lernen wir mehr und besser“, sagt eine Schülerin. „Schluss mit der Überbelastung.“

Schüler entwickeln Verständnis für ihre Lehrer und setzen sich ein. Dass sie auch an sich denken ist verständlich: „Wir wollen Klassenfahrten“ steht auf einem Transparent. Im dichtgedrängten Schulalltag sind sie die Höhepunkte des Schuljahres. Nun sollen diese pädagogisch wichtigen Bestandteile des Schullebens auch noch wegfallen.

„Das geht gar nicht!“, ruft ein Sechstklässler, der noch viele Schuljahre vor sich hat.

Eine Gewerkschaftssprecherin ruft per Lautsprecher: „Schluss mit dem Stress, wir müssen wieder in Ruhe lernen können.“ Ein Appell an die Kultusministerin Frauke Heiligenstadt (SPD), die sich weiter dem Druck der G-8-Gegner ausgesetzt sieht.

Schülerstreik in Göttingen

HNA/Kopietz © Schülerstreik in Göttingen
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HNA/Kopietz © Schülerstreik in Göttingen
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„An jeder Schule ist gute Bildung möglich“, sagt eine Rednerin: „Aber ohne Zeitdruck und Stress.“ Jubel brandet auf. Es geht eben nicht nur um die Belastung der Lehrer – auch um die der Schüler.

Nach eineinhalb Stunden endet der friedliche Protestzug, der von Passanten und wartenden Autofahrern meist wohlwollend quittiert wird. „Bildung geht uns alle an“, sagte eine Autofahrerin.

Von Thomas Kopietz

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