Wissenschaftsminister Thümler

2,1 Milliarden für Neubau der Uni-Kliniken: Das wird nicht reichen

Zukunftsmusik: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der möglicher Campus-Bereich im Jahr 2035. Bis dahin soll der Neubau fertig sein. Der neue Wissenschaftsminister Björn Thümler rechnet mit längeren Bauzeiten in Göttingen und Hannover. Foto: nh

Göttingen. 2,1 Milliarden Euro veranschlagt das Land für den Neubau der beiden Uni-Kliniken. Das wird laut Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) nicht reichen.

2,1 Milliarden Euro veranschlagt das Land für den Neubau der beiden Uni-Kliniken in Göttingen und Hannover. Das wird nicht reichen, sagte der neue Wissenschaftsminister Björn Thümler (CDU) bei seinem Antrittsbesuch in Göttingen.

Keine Zahlen

Das hätte die Durchsicht der Akten ergeben, sagte Thümler. Auch würden die beiden Projekte bis zur Fertigstellung deutlich länger dauern als bisher geplant. Konkrete Zahlen nannte Thümler sowohl was die Kosten, als auch, was den Bauzeitraum angeht, aber nicht.

Nur: Die im Sondervermögen für den Bau beider Kliniken vorgesehenen 2,1 Milliarden Euro würden nicht ausreichen. Ausschlaggebend dafür seien Verteuerungen während der langen Bauzeit und noch unkonkrete Planungen. Alleine würde das Land das kaum bezahlen können, sagte Thümler, der auch die Kooperation mit anderen Forschungseinrichtungen und Unternehmen als mögliche Option für die Bauprojekte nannte.

Zukunftsmusik: Die Universitätsmedizin Göttingen (UMG) und der möglicher Campus-Bereich im Jahr 2035. Bis dahin soll der Neubau fertig sein. Der neue Wissenschaftsminister Björn Thümler rechnet mit längeren Bauzeiten in Göttingen und Hannover. Foto: nh

Strukturen fehlen

Zum Prozess sagte Thümler, er habe die Planungen bezüglich einer Baugesellschaftsgründung nach einem Gespräch in der Staatskanzlei nicht weitergegeben, um sie neu aufzustellen. „Wenn das so rausgeht und der Sturm so über uns hinwegbraust, überleben wir den nämlich nicht“, sagte Thümler in drastischen Worten. „Es gibt nämlich noch überhaupt keine Organisation, wie man diese Bauten machen will“, ergänzte der Wissenschaftsminister und schränkte diese Aussage dann auf die MHH Hannover ein: „Göttingen ist dabei ein wenig außen vor, weil man dort viel, viel weiter ist.“

Auch sei der Neubau des Klinikums viel unproblematischer als der der Medizinischen Hochschule Hannover (MHH). Dort ist noch nicht sicher, ob und wo die Uni-Klinik neu gebaut wird, während es für das Göttinger Klinikum schon einen Generalentwicklungsplan gibt.

Göttingen ist weiter

„In Göttingen kann es ja auch schon bald losgehen.“ Dort seien, unabhängig vom Sondervermögen des Landes, bereits Mittel für den Abriss/Bau des Bettenhauses I genehmigt worden. Auf dem Gelände ist bereits ein Baufeld kenntlich gemacht und teilweise abgesperrt worden.

UMG: Planung geht voran

„Wir haben mit Herrn Thümler intensiv über die Entwicklung des Generalentwicklungsplanes an der UMG gesprochen“, sagte Vorstandssprecher Prof. Dr. Heyo K. Kroemer. Man freue sich, dass Thümler die UMG „tatkräftig persönlich unterstützen und die notwendigen strukturellen Voraussetzungen im Ministerium schaffen wird“. So könne man die „dringend notwendigen Planungen für die Zukunftsfähigkeit der UMG nahtlos fortführen.“

„Die UMG ist ein wichtiger Bestandteil der Stiftung Universität Göttingen und zugleich selbstständig“, erklärte Björn Thümler. Das schaffe eine andere Situation für den Klinikum-Neubau als in Hannover.

Kritik am Land

Thümler äußerte bei seinem Besuch im Kulturzentrum Musa zuvor auch Kritik an der Arbeit des Landes: So gebe es keine klare Organisation auf Landesebene, die den Bau der Kliniken steuert und begleitet. Dafür müsse eine Struktur geschaffen werden. Es ginge ja um ein Milliardenprojekt, und dafür würden besondere Maßstäbe und Voraussetzungen gelten.

Flughafen Berlin grüsst

Der Minister forderte eine gezielte Abstimmung zwischen Wissenschaftsministerium, Finanzministerium und Staatskanzlei. „Es hat aber noch keiner angefangen“, stellt Thümler fest, der folgendes Fazit zum Thema Kliniken-Neubau zieht: „Wenn ich unter diesen Bedingungen anfange, dann fahre ich das Ding vor die Wand, der Flughafen Berlin lässt grüßen.“

Klare Strukturen müssten deshalb am Anfang geschaffen werden, damit vernünftige Arbeit geleistet werden könne. Das gelte jetzt für die Erstellung der Ausschreibungen und am Ende mit der geplanten Fertigstellung 2035. (tko)

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