Jährlich mehr Anfragen

Gift-Telefon gefragter denn je: 36000 riefen an

Göttingen. 100 Mal und mehr pro Tag klingelt das 24-Stunden-Service-Telefon in der Giftinformationszentrum-Nord der Universitätsmedizin Göttingen (UMG): Anlass sind meist Notfälle.

Ein Kind hat Reinigungsmittel getrunken, ein Erwachsener eine Medikamentensvergiftung, und manchmal benötigen auch Ärzte Hilfe. Die Göttinger Giftexperten wissen meist Rat – und retten so auch Leben. Ihre Hauptaufgabe ist nämlich die Beratung im akuten Vergiftungsfall. 2012 gab es so viele Anfragen wie nie zuvor: 36 364 wurden von den ärztlichen Mitarbeitern, 20 sind im GIZ tätig, beantwortet.

Der erneute Anstieg auf mehr als 36 000 zeigt, wie gut das GIZ in der Bevölkerung und bei Ärzten akzeptiert ist“, wertet Dr. Herbert Desel, Leiter des GIZ, die Jahresstatistik. „Die Bekanntheit unseres Service-Telefons wächst seit dem Start 1996 stetig“, resümiert Dr. Andreas Schaper. Im Vergleich zu 2011 kamen gut 1000 Anfragen hinzu, sagt UMG-Pressesprecher Stefan Weller sagt. Die meisten Anfragen, etwa 54 Prozent, kommen von Privatpersonen, 46 Prozent aller Anfragen stellen Ärzte und medizinisches Fachpersonal. Auch der Anteil von Firmen als Informationssuchende wächst, wie Dr. Andreas Schaper berichtet. Im Jahresbericht 2012 ist detailliert aufgeführt, welche Ursachen und Schwere die Vergiftungen hatten. Meist sind es Dinge aus dem Alltagsumfeld, die – besonders für Kinder – gefährlich werden können, das sind chemische Produkte, Pflanzen und Arzneimittel. Erwachsene leiden oft an Arznei-Vergiftungen.

Die Anfragen kommen aus der Region, aus ganz Deutschland, aus dem europäischen Ausland und sogar aus Südafrika, Chile und China. Das GIZ-Nord ist schwerpunktmäßig zuständig für Schleswig-Holstein, Niedersachsen, Hamburg und Bremen. Manchmal hören die Göttinger Experten aber auch die Gift-Zeitbombe rechtzeitig ticken: So wie bei der durch die Globalisierung des Nahrungsmittelhandels begünstigten Ausbreitung der 2012 erstmals in Mitteleuropa auftretenden Ciguatera-Fischvergiftungen. Im GIZ wurde man aufmerksam und konnte rechtzeitig beraten, wie Dr. Martin Ebbecke schildert. Die Ciguatera verursacht neurologische Schäden. Gefragt ist das Urteil der GIZ-Ärzte auch bei internationalen Konferenzen – 69 Vorträge hielten sie allein 2012 weltweit. Themen waren: Rauchgasvergiftungen, Drogennotfälle, Pilzvergiftungen und Vergiftungen mit Haushaltschemikalien sowie chemische Kampfstoffe.

Viel zu tun haben werden die Ärzte auch in den nächsten Jahren: Das GIZ wird immer bekannter und Vergiftungen werden nicht weniger.

Giftinformationszentrum-Nord, Uni-Medizin Göttingen, 24-Stunden-Rufnummer: 0551/19240. Weitere Infos im Internet auf: www.giz-nord.de

Von Thomas Kopietz

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