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Mann wegen Mordes an Frau aus Göttingen verurteilt

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Von: Heidi Niemann

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Des Mordes schuldig gesprochen: Der Angeklagte kommt mit Gesichtsschutz und Handschellen zur Urteilsverkündung in den Landgerichtssaal.
Des Mordes schuldig gesprochen: Der Angeklagte kommt mit Gesichtsschutz und Handschellen zur Urteilsverkündung in den Landgerichtssaal. © Swen Pförtner/DPA

Lebenslänglich: So lautet das Urteil für einen Mann, der seine 51-jährige Ex-Freundin aus Göttingen ermordet hat.

Göttingen – Das Landgericht Göttingen hat am Mittwoch (29. Juni) einen 44-jährigen Mann aus Hannover wegen Mordes zu einer lebenslangen Freiheitsstrafe verurteilt. Der Angeklagte hatte in dem seit Mitte März laufenden Prozess gestanden, im August 2021 seine 51-jährige Ex-Freundin in ihrer Wohnung in der Göttinger Südstadt an der Wiesenstraße erwürgt zu haben. Die 51-Jährige hatte sich wenige Wochen zuvor von ihm getrennt.

Laut Schwurgerichtskammer hat der 44-Jährige sie heimtückisch und aus niedrigen Beweggründen getötet. Damit lägen zwei Mordmerkmale vor.

Mordprozess in Göttingen: 44-Jähriger handelte heimtückisch und aus niederen Beweggründen

Der Angeklagte habe nicht akzeptieren wollen, dass die 51-Jährige nur eine Freundschaft, aber keine Partnerbeziehung mehr mit ihm wollte. „Sie haben sie erwürgt aus kalter Wut“, sagte der Vorsitzende Richter Tobias Jakubetz. Das Gericht folgte mit dem Urteil im Wesentlichen den Anträgen der Staatsanwaltschaft und der Nebenkläger.

Zwei von ihnen, der Vater und der Bruder der Frau, waren bei der Urteilsverkündung dabei. Ihr Sohn, der zur Tatzeit 17 Jahre alt war, blieb der Verhandlung fern. Die Verteidigung hatte auf eine Freiheitsstrafe unter zehn Jahren plädiert, da die Tat noch als Totschlag und nicht als Mord einzustufen sei.

Lebenslange Freiheitsstrafe wegen Mord: Mann erwürgt Ex-Freundin in Göttingen

Beide hatten sich Ende 2020 über eine Internet-Plattform kennengelernt, die vor allem von Freizeitsportlern genutzt wird. Nach wenigen Wochen hätten sich „ganz feine Haarrisse“ in der Beziehung gezeigt, die in der Folgezeit immer größer geworden seien, sagte Jakubetz. Die 51-Jährige habe sich von dem Angeklagten immer mehr unter Druck gesetzt gefühlt.

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Der 44-Jährige habe während eines einwöchigen Urlaubs im Mai bei seiner Freundin ohne deren Wissen ihren Router so eingestellt, dass er per Fernzugriff auf ihre Daten zugreifen konnte. Er habe sie kontrollieren und wissen wollen, was in ihrem Leben passiert, so Jakubetz.

Richter während Mordprozess: Klarer Tötungsvorsatz bei Mord in Göttingen

Ende Juli erklärte die 51-Jährige nach einem gemeinsamen – von Konflikten überschatteten – Urlaub an der Ostsee, dass sie keine Paarbeziehung mehr wolle. Der Angeklagte habe diese Sichtweise nicht verstanden und nicht akzeptiert. Er habe sich am Vorabend der Tat das Recht herausgenommen, sie ohne Absprache unangekündigt aufzusuchen. Die Kammer gehe davon aus, dass er schon damals „tatgeneigt“ war und den Gedanken verfolgte, sie zu töten, sagte Jakubetz. Deshalb habe er heimlich das Treffen in ihrer Wohnung aufgezeichnet, um das Gespräch hinterher analysieren zu können.

Der Angeklagte agiere stets „sehr rational, logisch und sehr ökonomisch“, sagte der Richter. Nach seiner Rückkehr habe er das Gespräch abgehört und den Schluss gezogen, dass sein Ziel – die Fortführung der Partnerschaft – nicht erreichbar war. Er sei am nächsten Tag erneut nach Göttingen gefahren, diesmal mit klarem Tötungsvorsatz: „Sie waren wütend, dass sie nicht zu Ihren Bedingungen mit Ihnen zusammen sein wollte.“

Gescheitere Beziehung als Motiv: Mann wegen Mord an Frau aus Göttingen verurteilt

Die 51-Jährige sei über den erneuten Besuch überrascht gewesen, habe ihn aber arglos hereingelassen: „In dem Moment saß sie in der Falle, da gab es kein Entkommen.“ Der Angeklagte habe dann die erste Gelegenheit genutzt, um sie anzugreifen und sie mehrere Minuten lang gewürgt. „Das muss ein ganz entsetzlicher Todeskampf gewesen sein“, sagte der Richter. Anschließend habe der Angeklagte zahlreiche Vorkehrungen getroffen, um die Tat zu verschleiern und seine Täterschaft zu verdecken. Er habe auch einen Fake-Anruf simuliert und von dem Account der Getöteten zwei Nachrichten an eine Freundin und – „was am meisten schaudern lässt“ – an ihren Sohn gesandt. So wollte er den Eindruck erwecken, dass die 51-Jährige nach starkem Alkoholkonsum eines natürlichen Todes gestorben sei.

In seinem Verhalten nach der Tat lasse sich nicht einmal im Ansatz so etwas wie Reue erkennen. Der Angeklagte habe „von Anfang an manipuliert und getäuscht.“ (Heidi Niemann)

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