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Spürsinn für Traumata der Kindheit: „Opfer der Pflicht“ feiert in Göttinger Theater Premiere

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Von: Ute Lawrenz

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Schwere Kost im Theater im OP: Eine Szene aus „Opfer der Pflicht“ von Eugène Ionesco. Das Ehepaar Choubert und Madeleine (Sofa) mit dem Oberinspektor.
Schwere Kost im Theater im OP: Eine Szene aus „Opfer der Pflicht“ von Eugène Ionesco. Das Ehepaar Choubert und Madeleine (Sofa) mit dem Oberinspektor. © ThOP/NH

Absurdes Theater: „Opfer der Pflicht“ feiert im Theater im OP (ThOP) in Göttingen Premiere. Das Publikum zeigt sich begeistert von dem Stück.

Göttingen – Mit „Opfer der Pflicht“ von Eugène Ionesco hat sich das Team im Theater im OP (ThOP) in Göttingen schwere Kost vorgenommen. Mit Erfolg: Das Premierenpublikum zeigte sich begeistert.

Choubert (Christopher Seltmann) schwadroniert gern über das Theater. Seine Frau Madeleine (Sara Zengin) ist dessen müde. So ist sie froh, als der Oberinspektor (Clemens Ibrom) anklopft, um nach der Concierge von nebenan zu fragen. Mit einer großen, fast schon übertriebenen, Geste laden die Chouberts ihn zu sich ein und treten damit die Suche nach Mallod/t los. Ob der ein „d“ oder ein „t“ im Namen trägt, gehört dabei zu den leichteren Fragen, die nicht beantwortet werden können.

Absurdes Theaterstück „Opfer der Pflicht“ feiert in Göttinger Theater im OP (ThOP) Premiere

Mit viel Spürsinn für die Traumata Chouberts schickt der Polizist ihn auf die Reise –in die Vergangenheit, seine Kindheit, lässt ihn seine Beziehung zur Mutter und zum Vater auf schmerzhafte Weise wiedererleben. Mal als ihn liebende Ehefrau, mal als Komplizin des Inspektors spielt Madeleine das nicht nur für Choubert unergründliche Spiel mit.

Bis schließlich als Freund des Paares Nikolaus II (Lennart Kanitz) hinzukommt. Jetzt werden die Karten neu gemischt. Die Tür öffnet sich für nun nicht mehr nur verbale Gewaltexzesse. Wie eine Zuschauerin ist außerdem eine Dame (Renate Hillebrandt) hinzugetreten. Mit einem Stickrahmen setzt sie sich auf einen Stuhl am Rand und wird gewissermaßen zur stummen Zeugin.

Im ThOP ist das Bühnenpersonal um vier meist stumme Figuren in Schwarz (Kostüm: Finja Sylvester) erweitert, die in der Besetzung nicht eindeutig als Pensousprits (Tommy Czapla, Anna Dahlke, Konstantin Ivanisov, Seraphina Wilmroth) bezeichnet werden. Sind es die Geister, Initialzünder, die Chouberts Vergangenheit wieder an die Oberfläche holen? Während sie anfangs wie Zuhörer – Zeugen? – stumm in einem Bühneneingang sitzen, werden sie mal zur Umgebung des Protagonisten, mal zu Antreibern in Chouberts Erinnerungsreise.

Göttingen: Publikum zeigt sich trotz schwerer Kost auf der Bühne begeistert

Mal schubsen und stoßen sie ihn weiter, mal verwandeln sie sich auf allen Vieren in den Berg, den Chaubert atemlos erklimmt, bieten immer neue Hindernisse, die er überwinden muss, um sein Ziel doch nicht zu erreichen. Dass in der Inszenierung von Vincent Sartorius nicht jede Bewegung perfekt stimmte, nicht jeder Zungenschlag genau saß, ist verständlich in einer Produktion jenseits des professionellen Theaters.

Das ThOP-Team hat es auf jeden Fall verstanden, für das Stück als Vertreter des absurden Theaters eine spannende Form zu finden. Leider gab es manche Lücke in den Zuschauerreihen. Umso intensiver applaudierte, klopfte und trampelte das Publikum nach knapp 90 Minuten ohne Pause.

Weitere Vorstellungen am 28. und 31.10. sowie am 1.11. jeweils um 20.15 Uhr. Termine und Karten finden Sie hier und unter Telefon 0551/397077, per Mail an karten@theater-im-op.de oder montags bis freitags von 12 bis 14 am ThOP-Vorverkaufs-Stand in der Zentralmensa.

Das Göttinger Theater im OP (ThOP) spielte eine Uraufführung mit viel Klamauk um Probleme im Alltag. „Winner & Loser“ im Theater im OP zeigte pubertäre Kämpfe auf der Bühne.

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