ASB und Adelebser Bürger helfen 208 Flüchtlingen in ehemaliger Schule

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In Sicherheit: Der Syrer Fahed Ibrahim-Bacha (Zweiter von rechts) wartet in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule in Adelebsen auf neue Papiere.

Adelebsen. 208 Flüchtlingen haben in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule in Adelebsen eine vorläufige Bleibe gefunden. Einer von ihnen ist der 40-jährige Syrer Fahed Ibrahim-Bacha. Er ist glücklich, am Leben zu sein und dankbar für die erlebte Gastfreundschaft.

Der 40-Jährige stammt aus Aleppo und musste fliehen. „Ich warte auf Papiere, um wieder arbeiten zu können“, sagt Ibrahim-Bacha, der in seiner Heimat als Internist tätig war. Sein größter Wunsch ist, seine Frau und Kinder nachzuholen, die noch in Damaskus sind.

Für das Flüchtlingsheim, das vor zehn Tagen von jetzt auf gleich eingerichtet wurde, ist der Landesverband des Arbeiter-Samariter-Bundes (ASB) zuständig. „Freitagabend vor einer Woche haben wir die Weisung vom Innenministerium erhalten und sofort die Schnelle Einsatzgruppe des Kreisverbands Northeim/Osterode alarmiert. Kurze Zeit später waren hier 200 Feldbetten aufgebaut“, erinnert sich Landesgeschäftsführer Hans-Dieter Wollborn (Nörten-Hardenberg). Auch Helfer aus dem ASB-Kreisverband Hannover-Land sind mit vor Ort. Die Feuerwehr Adelebsen, DLRG und viele Bürger packen ebenfalls mit an.

„Bis Freitag vergangener Woche haben wir alles mit ehrenamtlichen Helfern gemacht, jetzt sind auch hauptamtliche Mitarbeiter im Einsatz“, sagt Jens Meier, der ASB-Kreisgeschäftsführer Hannover-Land ist, das Flüchtlingsheim Adelebsen leitet und die Hilfe koordiniert.

60 Prozent aus Syrien

60 Prozent der Flüchtlinge kommen aus Syrien. Außerdem werden Afghanen, Iraner, Eritreer, Pakistani, Russen und Tibeter betreut. „Wir haben die 208 Flüchtlinge in zehn Klassenräumen untergebracht. Mehr wäre nicht zumutbar“, betont Meier.

Geordnete Ausgabe: Das Küchenteam im Flüchtlingsheim wird größtenteils von Adelebsern gestellt, die ehrenamtlich ihre Hilfe anbieten.

Die Hilfsbereitschaft im Flecken Adelebsen ist riesengroß. „Anfangs war es chaotisch, weil die Helfer gewechselt haben“, beschreibt Gabriele Müller ihre Eindrücke. Die praktizierende Allgemeinmedizinerin aus Adelebsen besorgte sich eine Vertretungskraft für ihre Praxis, um ehrenamtlich im Lager zu helfen. Bei der Behandlung ist sie auf sich alleine gestellt. Auf Fragen an das Lager Friedland, wie sie mit den Flüchtlingen umzugehen hat, hat sie bei heute noch keine Antwort. Trotzdem: „Mir ist es ein Anliegen zu helfen, denn meine Mutter kam als Flüchtling aus Oberschlesien.“

„Die Hilfe im Ort ist groß“, sagt Frank Hellmann, als er die Laufzettel vor der Essensausgabe abzeichnet. Währenddessen geben seine Frau Nicole und seine Schwiegereltern Helmut und Edith Bischoff Obst und Gemüse, das sie zuvor zerkleinert haben, mit Brot und einem Nudelgericht an die Flüchtlinge aus.

Ihre Zeit spendet auch Jenny Felske, die mit ihren Freunden so gut wie täglich im Lager ist, um Flüchtlingen Deutschunterricht zu geben. „Wenn ich Frühschicht habe, komme ich nachmittags oder umgekehrt“, sagte die junge Adelebserin, die bei der „Flüchtlingshilfe Landkreis Göttingen“ mitmacht.

Wer will Flüchtlingen helfen?

Wer Kleider für die Flüchtlinge in Adelebsen spenden will, sollte sie bei der Kleiderkammer abgeben, die im Rathaus untergebracht ist. Dort werden die Sachen sortiert und anschließend zum Flüchtlingsheim gebracht. Was aktuell benötigt wird, ist unter www.adelebsen.de zu finden. Wer helfen will, sollte einen Termin mit dem Leiter des Flüchtlingsheims in der ehemaligen Albert-Schweitzer-Schule Adelebsen, Jens Meier, vereinbaren, Telefon 0 55 06 / 10 08. (zsv)

Von Roland Schrader

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