Depressionen im Reitsport

Gemeinsame Aktion soll für das Thema Depression sensibilisieren

Das kleine Shetlandpony Manni genießt die Trainingseinheiten mit Corinna Engelke, die mit den Zirkusreiteinheiten auf das Bündnis gegen Depressionen in Südniedersachsen aufmerksam machen möchte.
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Das kleine Shetlandpony Manni genießt die Trainingseinheiten mit Corinna Engelke, die mit den Zirkusreiteinheiten auf das Bündnis gegen Depressionen in Südniedersachsen aufmerksam machen möchte.

Der Pferdesportverband Südniedersachsen (PSV) hat sich in Kooperation mit dem Bündnis gegen Depression in Südniedersachsen dazu entschieden, gemeinsam eine Fortbildung für Trainer und Ausbilder im Reitsport anzubieten.

Adelebsen - „Das ist wohl bundesweit die erste Zusammenarbeit dieser Art“, freut sich Corinna Engelke, Reitsportlerin und Mitarbeiterin der Gesundheitsregion Göttingen/Südniedersachsen, die sich für das Projekt seit Längerem stark macht und sich auch vorstellen kann, dass es auf andere Sportbereiche ausgeweitet werden kann.

Signale einer Depression erkennen

Die Trainer und Ausbilder sollen bei einer Veranstaltung im September im Hotel Sachsenross in Lütgenrode über Depressionen und andere psychische Erkrankungen informiert werden. Als Referent konnte der Oberarzt der Paracelsus Roswitha-Klinik Bad Gandersheim Helmut Platte gewonnen werden. „Ich freue mich sehr darüber, dass wir als erste Pferderegion dieses sensible Thema bei uns als Fortbildung anbieten können“, freut sich auch die Vorsitzende des PSV Südniedersachsen, Antje Koch aus Greene. Besonders im Turnier- und Leistungssport stünden die Reiter oft unter enormen Druck. Es sei wichtig, die ersten Signale einer Depression zu erkennen. Deshalb werden nun rund 290 Trainer und Ausbilder angeschrieben und auf die Fortbildung aufmerksam gemacht.

Schirmherrin Rebecca Siemoneit-Barum

Bei ihrem Reitstall in Adelebsen hat Engelke kürzlich einen ersten Zirkuslektionen-Kursus mit elf Teilnehmern in Kooperation mit dem Bündnis gegen Depressionen Südniedersachsen, dessen Schirmherrin Rebecca Siemoneit-Barum ist, angeboten. Es wurde ein Mix aus Gelassenheitstraining, Führ- und Kommunikationstraining sowie Hilfengebung und dem Erlernen von klassischen Zirkuslektionen gelehrt. „Die Teilnehmer waren alle sehr begeistert und es gab auch einige emotionale Momente, wie das Besteigen des Podestes, wo für Pferd und Mensch ein besonders Glücksgefühl entstand“, berichtet Engelke.

Pferde haben Spaß an den Zirkusübungen

Die passionierte Reiterin Corinna Engelke hat die Idee zu dem Zirkus-Kursus zu Beginn der Corona-Krise entwickelt. Der Reiterbetrieb konnte nicht wie gewohnt stattfinden, aber die Pferde brauchten Beschäftigung. Da habe sie angefangen, mit ihnen Zirkuslektionen zu üben. Selbst ihre Dressurpferde waren gern bei den Übungen dabei und machten mit.

Die meiste Begeisterung bringt das kleine Shetlandpony- Manni mit, das nur darauf wartet, wieder trainieren zu können. „Die Pferde sollen bei allen Übungen denken, es wäre ihre Idee“, erklärt Engelke, den Erfolg.

Von vielen Reitern würden die Zirkuslektionen belächelt, so Engelke, teilweise sogar als sinnlos abgetan. Dabei würde man sich bei den Übungen am natürlichen Verhaltensrepertoire des Pferdes wie Knien, Steigen und Sitzen bedienen, die dann aufgrund einer vertrauensvollen Ausbildung auf das Signal des Trainers abrufbar gemacht werden.

Jedes gesunde Pferd kann die Zirkusübungen lernen

Grundsätzlich könne man mit jedem gesunden Pferd Zirkuslektionen erarbeiten. Dabei hätten die einen mehr Spaß an diesem Thema, die anderen lernten sehr schnell und wieder andere fänden nur langsam Zugang zur Zirkusarbeit, berichtet Engelke von ihren Erfahrungen.

Die Übungen steigerten die körperliche Geschicklichkeit des Pferdes und damit auch das Selbstvertrauen. Dies könne sich sogar auf das Herdenleben auswirken, denn die Pferde würden stärker und selbstbewusster werden und so mehr Achtung von Artgenossen erfahren. Auch das Interesse an der Zusammenarbeit mit dem Menschen steige ebenfalls.

Und einen weiteren Vorteil nennt Engelke: Mit bestimmte Lektionen könnten den Pferden auch die Möglichkeit gegeben werden, Verhaltensweisen auszuleben, welche im Alltag zu kurz kommen oder sogar unerwünscht wären, wie Scharren mit dem Huf oder auf Dingen herumzugnibbeln.

Oftmals falle es dem Pferd anschließend sogar leichter, „sich zu beherrschen und in anderen Situationen darauf zu verzichten“. Die Reiter könnten ebenfalls viel dabei lernen. Man bekomme mehr Körperkontrolle und das Gefühl für den Einsatz der eigenen Energie.

„So lernen wir ein besseres Timing und unsere Kommunikation wird anders gefordert, als es beim Reiten der Fall ist“, schildert sie weitere Vorteile.

Zudem werde man geduldiger und toleranter, weil man von dem Pferd zurückgespiegelt bekomme, wie sehr es sich um eine Lösung bemüht. (Von Rosemarie Gerhardy)

buendnis-gegen-depression-suedniedersachsen.de

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