Kulturfest in Güntersen

Güntersen: Ein Dorf setzt Zeichen gegen Rechte und Hells Angels

Frühlingsfest gegen Rechts und die Rocker Hells Angels in Güntersen: Nach Schätzungen der Veranstalter kamen am Samstag etwa 2000 Menschen zur Protestveranstaltung.

Güntersen. Bunt statt Braun, Vielfalt statt Rassismus: Mit einem Frühlingsfest haben die 500 Einwohner von Güntersen und viele Gäste am Samstag ein Zeichen gesetzt.

Und das reicht weit über Südniedersachsen hinaus. Der Dirigent des Göttinger Symphonie-Orchesters, Christoph-Mathias Mueller, brachte es am eigenen Beispiel auf den Punkt: Das Arbeiten und Erleben in einem Orchester mit Musikern aus 23 Nationen ersticke jeden Rassismus im Keim. Das strahle in die Familien und die Gesellschaft aus. Von daher sei es eine Selbstverständlichkeit für das Orchester, das Frühlingsfest zu unterstützen.

Und das tat es mit dem, was es am besten kann. Mit Musik, aber in kleiner Besetzung in der kleinen St.Martini-Kirche, wo kein Stehplatz frei blieb. So war es auch im Festzelt. Dort bekundeten ihre Solidarität mit dem Ort und den Menschen auch die Bundestagsabgeordneten Fritz Güntzler (CDU, Thomas Oppermann (SPD) und Jürgen Trittin (Grüne), sowie der niedersächsische Umweltminister und stellvertretende Ministerpräsident Stefan Wenzel (Grüne), Kommunalpolitiker und Vertreter von Verbänden und Organisationen. Alle warnten vor den Folgen von Rechtsextremismus und Rassismus. Mit dabei waren auch Vertreter der jüdischen und islamischen Gemeinden in Göttingen.

Zu dem Fest kam es, weil Neonazis der Partei „Die Rechte“ für den 28. Februar zu einen Aufmarsch zum Gedenken an den Nazi Horst Wessel angekündigt hatten. Obwohl es in dem Dorf keinen Bezug zu Wessel gibt, so Bernd Lehr vom Festkomitee, wollten sie vom südlichen Ortseingang bis zum Dorffriedhof und zu einem Gasthaus ziehen, in dem der Rockerklub Hells Angels mehrmals bundesweite Treffen abgehalten hatte. Also beschlossen die Einwohner mit Ortsbürgermeister Dr. Norbert Hasselmann (Grüne) an der Spitze, Flagge zu zeigen: Bunt statt Braun.

Güntersen gegen Rechte und Rocker

Das Resultat: Am Samstag drängelten sich die Besucher in der Ortsmitte nicht nur zur Kundgebung, sondern auch, um das Kulturprogramm zu genießen, obwohl die Göttinger Hells Angels inzwischen verboten sind und die Rechte-Kundgebung nach einer Verbotsandrohung durch den Landkreis Göttingen abgesagt worden war.

„Richtig gut aufgezogen“, lobte Lothar Querforth das Frühlingsfest. Er war extra aus Heisebeck gekommen. Der Intendant des Jungen Theaters Göttingen, Nico Dietrich, der sich zwischendurch die Bihunsuppe aus dem benachbarten Barterode schmecken ließ, gehörte zu den Unterstützern.

Güntersens Gastwirt Steffen Meyer, in dessen Saal die Frauen des Dorfes mit einem Kuchen- und Tortenbuffet aufwarteten, sagte angesichts des Engagements: „Der Zusammenhalt im Dorf ist unglaublich.“ Die Sprecherin des Frühlingsfestes, Barbara Jahns-Hasselmann, sagte, Güntersen sei kein Einzelschicksal. Deshalb müsse man gegen Rechtsextremismus und Rassismus kämpfen.

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