Scharfe Kritik am Regionalen Raumordnungsprogramm des Landkreises

Windparks auf 245 Hektar Fläche geplant: Gemeinde Adelebsen wehrt sich

Im Vordergrund sind einige Lastwagen auf einer Autobahn zu sehen, im Hintergrund Windräder zwischen Bäumen.
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Windräder an der Autobahn 7 zwischen Mariengarten und Volkerode. In der Gemeinde Adelebsen regt sich Widerstand gegen Windenergie. (Archivfoto)

Viele Einwohner der Gemeinde Adelebsen sind sauer. Das Regionale Raumordnungsprogramm des Landkreises Göttingen sieht drei neue Vorranggebiete für Windenergie vor.

Adelebsen – Die Fläche in dem Entwurf entspricht mit 245 Hektar gut drei Prozent der gesamten Gemeindefläche. Auch andere Gemeinden sind betroffen.

Befürchtung: Entwicklungsmöglichkeiten werden blockiert

Die Adelebser wollen nun dagegen angehen. Das wurde am Donnerstag bei einer Ratssitzung deutlich. Mehrere Dutzend Einwohner waren dabei. Um die Abstands- und Hygieneregeln einhalten zu können, wurde die Sitzung eigens in die Sporthalle verlegt.

Tenor der Kritik: Adelebsen hat es nicht verdient, Windkraftgebiet zu sein. Es wird befürchtet, dass andere Entwicklungsmöglichkeiten für die Gemeinde blockiert werden könnten.

Konkret sind für Adelebsen im Entwurf des Raumordnungsprogramms drei Vorrangbereiche für Windenergie vorgesehen. Die Flächen sind 94,77 Hektar (126 Fußballfelder), 107,72 (143 Fußballfelder) und 43,01 (57 Fußballfelder) groß.

Es gibt mehrere Kritikpunkte an dem Entwurf

Weiterer Kritikpunkt: Sollten die Gebiete genehmigt werden, so wisse man nicht, wie viele Windräder in den einzelnen Bereichen am Ende tatsächlich aufgestellt werden.

Hinzu kommt, dass offenbar zwei weitere Windkraftgebiete im Raum stehen. Eines ist auf der Gemarkungsgrenze zu Dransfeld zu finden und wird dort ausgewiesen. Für einen weiteren Bereich liegen erste Genehmigungen vor.

Die Kritik am Raumordnungsprogramm geht aber noch weiter: So werde laut dem Programm eine Entwicklung praktisch nur noch im Kernort Adelebsen zugelassen.

Zwei Initiativen haben sich schon gegründet

Dr. Thomas Stiller, FDP-Kreistagsabgeordneter aus der Gemeinde, sagt zu dem Entwurf: „Adelebsen ist nicht der Abstellort der Windkraft, die andere nicht wollen. Adelebsen braucht Rückenwind. Der Raumordnungsplan-Entwurf erzeugt bislang nur Gegenwind.“ Stiller will nun eine Veranstaltungsreihe zum Thema Windkraft anbieten.

Inzwischen haben sich schon zwei Initiativen gegründet, die bei den Stellungnahmen, die jetzt erarbeitet werden sollen, mitarbeiten wollen. Einer der Köpfe von „Windkraft Adelebsen“ ist Ludger Temme. Er warb um Unterstützung für seine Initiative.

Inzwischen ist eine Homepage der Gruppe online, die im Internet unter zu.hna.de/wind321 abgerufen werden kann. Dort haben die Mitglieder bereits eine umfangreiche Materialsammlung zum Thema zusammengetragen und veranstalten jetzt regelmäßig Videokonferenzen. Sie sehen die Gefahr, dass künftige Windräder in Adelebsen bis zu 260 Meter hoch werden könnten.

Informationsveranstaltung voraussichtlich Ende April

Das entspricht in etwa der Höhe des Commerzbank-Towers in Frankfurt am Main. Außerdem gibt es eine weitere Initiative im Bereich Wibbecke.

Voraussichtlich Ende April soll es für alle Interessierten aus der Gemeinde eine Informationsveranstaltung zum Thema Windkraft geben.

Mit vereinten Kräften soll dann an gepfefferten Stellungnahmen gegen das Regionale Raumordnungsprogramm gearbeitet werden, die jeder Betroffene bis Ende Juli beim Landkreis einreichen kann.

Bürgermeister Holger Frase (SPD) kann sich vorstellen, dafür Formulierungshilfen auf der Homepage der Gemeinde zur Verfügung zu stellen. (Bernd Schlegel)

29 Vorranggebiete für Windkraft im Entwurf des Landkreises

Neben Adelebsen sind auch andere Gemeinden im Landkreis Göttingen von möglichen Vorranggebieten für Windenergie betroffen.

Der Regionale Raumordnungsplan sieht im Entwurf insgesamt 29 Bereiche mit einer Gesamtfläche von 2196,7 Hektar vor. Das entspricht gut 1,2 Prozent der gesamten Fläche des Landkreises Göttingen.

So sieht der Entwurf für Dransfeld fünf Vorranggebiete auf einer Fläche von 268,31 Hektar (358 Fußballfelder) vor. Für Hann. Münden ist ein Gebiet mit 34,07 Hektar (45 Fußballfelder) enthalten.

Den Entwurf zum regionalen Raumordnungsprogramm kann man im Internet abrufen. zu.hna.de/rrop321

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