Abschlussbericht liegt nach fünfeinhalb Jahren vor

Notlandung bei Adelebsen: Starker Wind setzte Ballonen zu

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Nach dem Unfall bei Adelebsen Ende August 2011: Dieser Ballon war umgekippt und lag am Rand eines Feldes.

Adelebsen. Nach fünfeinhalb Jahren hat die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) den Untersuchungsbericht zum Flugunfall Ende August 2011 nahe Adelebsen veröffentlicht, bei dem drei Heißluftballone notlanden mussten.

17 Personen wurden damals verletzt wurden, acht davon schwer.

Dramatische Szenen

Es müssen sich am 26. August 2011 dramatische Szenen an Bord der drei Heißluftballone abgespielt haben, als diese vom Starkwind einer Böenlinie erfasst wurden. Durch den Aufprall wurden an diesem Freitag die Insassen im Alter zwischen 15 und 62 Jahren teilweise aus den Körben herausgeschleudert, andere Passagiere sprangen heraus. Die Verletzungen waren schlimm: Neben diversen Prellungen, Schürf- und Platzwunden erlitten die Insassen Frakturen an der Wirbelsäule, den Rippen, an Armen und Schulter. Andere trugen gar ein Schädelhirntrauma oder Knochenabsplitterungen am Sprunggelenk davon.

Start bei Güntersen

Der gemeinsame Start der drei Ballone erfolgte kurz nach 18 Uhr auf einem Außenstartgelände in der Nähe der Ortschaft Güntersen. An Bord befanden sich je ein Ballonführer und fünf Passagiere. Nach dem Start ging die Fahrt in nördliche Richtung. Bereits nach fünf Kilometern, westlich von Adelebsen, hätte der Wind so zugenommen und gedreht, dass man sich über Funk auf eine Landung verständigte, die gegen 18.50 Uhr erfolgte.

Ballon verlor an Höhe

Der erste Ballon verlor über einem Waldgebiet so stark an Höhe, dass er mehrere Bäume touchierte. Nach dem Aufsetzen und der anschließenden Schleiffahrt kippte der Korb um. Der Pilot blieb unverletzt, die fünf Passagiere wurden leicht verletzt.

Schlimme Landung

Die Landung von Ballon zwei verlief schlimmer: Kurz vor einer Hecke sei der Ballon von einer Windböe erfasst und zu Boden gedrückt worden. Anschließend habe sich der Ballon im abschüssigen Gelände „schleifend, teils springend und pendelnd auf einer Ackerfläche“ fortbewegt.

Pilot verlor Bewusstsein

Dabei wurden Passagiere aus dem Korb geschleudert, andere verließen diesen in Panik selbständig. Erst nach fast 600 Metern kam der Ballon zum Stillstand. Der Pilot verlor das Bewusstsein. Er und die fünf Passagiere wurden schwer verletzt.

Stoppelfeld

Der dritte Ballon landete östlich von Adelebsen auf einem Stoppelfeld. Auch dort erfolgt eine Schleiffahrt auf dem Acker, bei der der Pilot und drei Passagiere leicht verletzt wurden, zwei weitere Passagiere schwer.

Ermittler rügen Fehler bei Wetterberatung

Die Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung (BFU) wird bei den Gründen, die zu den Vorfällen mit den drei Heißluftballonen führten, deutlich. „Der Flugunfall ist darauf zurückzuführen, dass die Ballone während der Fahrt vom Starkwind einer trockenen Konvergenz, also einer Böenlinie, erfasst wurden und bei den Landungen außer Kontrolle gerieten“, heißt es dazu wörtlich im Untersuchungsbericht.

Hinzu kommen eine unzureichende Vorbereitung hinsichtlich einer zeitnahen Wetterberatung und unzureichende Interpretation der vorhandenen Wetterdaten, so die Braunschweiger Ermittler.

Keine Berechtigung

Der Pilot des ersten Ballons war zudem nicht berechtigt, diesen im gewerblichen Betrieb zu führen. Ihm fehlten bei einem Erfahrungsstand von 14 Stunden Fahrzeit die Voraussetzungen von mindestens 50 Stunden zum Erwerb der Berechtigung. Kritik übt die Bundesstelle auch am betroffenen Luftfahrtunternehmen. Die Aufgaben und Verantwortlichkeiten des Geschäftsführers, Fahrbetriebsleiters und technischen Betriebsleiters lagen bei einer Person.

Zudem war diese Person im Unternehmen auch noch als Ballonführer tätig. So gebe es keine interne Kontrolle und Überwachung im Sinne der Qualitätssicherung und der Flugsicherheit. Obwohl sich die Piloten am Unfalltag umfassend mit dem Wetter beschäftigt hatten, übersahen oder ignorierten sie die enorme Gefahr, die von einer nicht sichtbaren trockenen Konvergenzlinie, also von Windböen bis 93 km/h, ausgehen kann.

Eine regelkonforme Wetterberatung kurz vor dem Start hätte „mit hoher Wahrscheinlichkeit“ den Hinweis auf die Böenlinie zwischen Kassel und Göttingen beinhaltet, heißt es im Bericht der Ermittler der BFU. Laut Internetseite bietet das betroffene Unternehmen aus Kassel weiterhin Ballonfahrten an. Generell gilt Ballonfahren als sicher.

Den Originalbericht der Bundesstelle für Flugunfalluntersuchung gibt es hier.

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