Katholische Kirche St. Hedwig und Adelheid

Orgel spielt wie von Geisterhand

Orgelklänge ohne Organist: Adelebsens Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Michael Uhrmacher mit der Funkfernsteuerung für die digitale Orgel Gloria Klassik 226. Foto: Papenheim

Adelebsen. Fast jede Kirche hat eine Orgel, aber immer mehr Gemeinden haben keinen Organisten. In der katholischen Kirche St. Hedwig und Adelheid in Adelebsen spielt die Orgel jetzt auch ohne Organisten.

Nachdem die Gottesdienstbesucher ihre Kirchenlieder immer häufiger ohne musikalische Begleitung anstimmen mussten, kamen ihnen zwei Großspenden gerade recht. Für 12 700 Euro wurde eine neue Orgel angeschafft, die von einem Kirchenmusiker gespielt werden kann, aber nicht muss. In einem feierlichen Gottesdienst, der am Sonntag, 15. März, um 9.30 Uhr beginnt, wird Dechant Wigbert Schwarze das neue Instrument feierlich einweihen.

Im Gegensatz zur alten, abgängigen Orgel, die nur noch zur Zierde dient, kommt das neue Instrument „Gloria Klassik 226“ ohne Pfeifen aus. Die digitalen Orgelklänge kommen aus Fünf-Kanal-Lautsprechern, wie der Baunataler Orgelbauer Gerd Kisselbach erläutert. Zwei Drittel aller neuen Kirchenorgeln, schätzt er, sind Digitalinstrumente.

Die Adelebser Orgel hat zwei Manuale, ein 30-töniges Pedal und 26 klingende Register. Denn die Orgelklänge kommen nicht vom Band, sondern werden live erzeugt, wie Kisselbach betont. Selbst, wenn kein Organist zur Stelle ist, muss die 600 Seelen zählende Gemeinde nicht à capella singen. Dann springt die Selbstspieleinrichtung ecantore ein, die der Kölner Kisselbach-Mitarbeiter Stephan Renken patentieren ließ. Ein Mikrocomputer kennt alle Lieder aus dem katholischen Gesangbuch „Gotteslob“ auswendig. Per Funk kann der Lektor oder ein Kommunionhelfer die „Karaoke-Orgel“ von jedem Punkt der Kirche aus ansteuern. Liednummer und Strophe genügt und die Orgel spielt wie von Geisterhand.

Das ist nicht nur bei den beiden Wortgottesdiensten in jeder Woche so oder bei den monatlich zwei Messen mit Pfarrer, sondern besonders auch an hohen Festtagen, freut sich Pfarrgemeinderatsvorsitzender Dr. Michael Uhrmacher. Seit die frühere Organistin vor fünf Jahren gestorben ist, hatte die kleine Adelebser Gemeinde vor allem an Feiertagen Probleme, einen Kirchenmusiker zu finden. Die sind dann nämlich in anderen Gemeinden gebucht.

Sogar mitten im Lied kann die Orgel noch per Fernsteuerung beeinflusst werden. Wenn die Wandlung länger als geplant dauert, wird auf Knopfdruck eine Strophe angehängt. Wenn die Kirche voll ist oder die Gemeinde besonders kräftig singt, lässt sich die Orgellautstärke problemlos anpassen. Selbst für das Tempo-Problem, unter dem viele Kirchenmusiker leiden, bietet die Selbstspieleinrichtung die passende Lösung: Wenn die Gemeinde mit ihrem Gesang mal wieder hinterherhinkt, spielt die Orgel auf Knopfdruck einfach etwas langsamer.

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