Aufmarsch von Partei "Die Rechte" abgesagt

Rechte bleiben weg - trotzdem Protestfest in Güntersen

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Sie planen das Protest-Fest gegen Rechts: Norbert Hasselmann (Ortsbürgermeister von Güntersen), Ortrud Scholle-Spalke (stellvertretende Vorsitzende des Festausschusses), Bernd Lehr (Vorsitzender des Festausschusses).

Güntersen. Das Frühlingsfest, eigentlich eine Protestveranstaltung gegen den – nun abgesagten Aufmarsch von Mitgliedern der Partei „Die Rechte“, findet dennoch in Güntersen statt.

Man wolle damit zeigen, dass es keinen Raum für Rechte im Ort geben kann, sagten die Fest-Organisatoren am Dienstag bei einer Pressekonferenz.

„Nach der dritten Zusammenkunft der Hells Angels ist der Widerstand gewachsen“, erzählt Bernd Lehr die Geschichte des geplanten Frühlingsfestes „Bunt statt Braun“.

Nachdem der Göttinger Rockerclub „Hells Angels“ mit seiner Niederlassung in Adelebsen verboten worden war, habe „in deren Fahrwasser“ ein Mitglied der Rechten eine Demonstration angemeldet. Als Widerstand dagegen sei „trotz aller Ängste“ die Idee für das Frühlingsfest aufgekommen.

Mittlerweile würden jedoch die Rechten hervorheben, dass das für das Fest benötigte Geld ja auch sinnvoller ausgegeben werden könnte. Doch „ohne das Fest wäre das Geld gar nicht zusammengekommen“, erklärt Lehr.

Mittlerweile sei man finanziell zwar gut abgesichert, aber noch auf Spenden angewiesen. Auch die auftretenden Musiker beteiligen sich an dem Fest, indem sie „für ihre Auftritte nur kleine Aufwandsentschädigungen“ nehmen, sagt Lehr.

Das Fest nehme dabei eine Größe an, wie man sie sich nicht hätte träumen lassen. Durch das Festprogramm wird Lars Wätzold von der Comedy Company führen, ergänzt Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann.

Mit dem Fest wolle man zeigen, dass es möglich sei, gegen extremistische Tendenzen vorzugehen. „Wir wollen nicht zulassen, dass in unserem Ort braune Flecken entstehen.“

Das Programm startet um 9.30 Uhr mit einem ökumenischen Gottesdienst, anschließend wird es Grußworte und Reden verschiedener Politiker geben, wie zum Beispiel von Fritz Güntzler (CDU), Thomas Oppermann (SPD), und Jürgen Trittin (Grüne). Auch Stephan Manke, niedersächsischer Staatssekretär hat sich angekündigt.

Die Veranstaltung solle aber nicht nur Forum für Politik sein, sagt Norbert Hasselmann.

Ab 13 Uhr gibt es daher Auftritte des Göttinger Symphonie Orchesters, des Deutschen Theaters und verschiedener Musikgruppen, die auf einer Bühne, in der Kirche und im Gasthaus Kesten stattfinden werden. Im Gasthaus treten die Bands Garage Royal und Deep River auf, im Zelt Zigan-tzigan, Merry-go-round und Mark Gillespie mit Band. In der Kirche können Besucher Auftritte des Göttinger Symphonie Orchesters und des jüdischen Klezmer-Orchesters Klezpo verfolgen.

Wie viele Menschen zu dem Fest kommen, sei aber schwer kalkulierbar. „Wenn 300 kommen, ist es ein Erfolg“. Essen und Trinken, sowie beheizbare sanitäre Einrichtungen wird es auch geben.

Hintergrund

Das Frühlingsfest in Güntersen am Samstag, 28. Februar, ist als Widerstand gegen den Aufmarsch der neonazistischen Partei „Die Rechte“ gedacht. Mitglieder der Gruppe wollten zu Ehren des Nationalsozialisten Horst Wessel in Güntersen marschieren. In der Zwischenzeit ist die Veranstaltung zurückgenommen worden, nachdem der Landkreis Göttingen eine Verbotsverfügung angekündigt hatte. Zuvor waren in Güntersen auch Hells Angels aktiv: In einer Gaststätte hatten sich Clan-Chefs aus ganz Deutschland getroffen. Das hatte zu einer Verunsicherung in der Bevölkerung geführt. Laut Ortsbürgermeister Norbert Hasselmann treffen sich die Rocker vermutlich noch immer in der Kneipe. Bei dem Besitzer der Gaststätte habe offenbar kein Umdenken stattgefinden, glaubt Hasselmann. (jvp)

Von Jürgen von Polier

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