Bestätigter Kontakt

Zeuge bekommt jungen Wolf auf Feld nahe Adelebsen vor die Linse

Lödingsen/Hettensen. Ein junger Wolf kam einem Zeugen zwischen Lödingsen bei Adelebsen (Kreis Göttingen) und Hettensen bei Hardegsen (Kreis Northeim) vor die Linse.

Raoul Reding, hauptamtlicher Wolfsberater der Landesjägerschaft Niedersachsen, bestätigte die Sichtung.

Der Zeuge hatte den Wolf am Montag, 10. Juli, in den Abendstunden oberhalb von Lödingsen beobachtet und Reding Fotos und ein Video geschickt. Der schaute sich die Aufnahmen genau an und bestätigte, dass es sich eindeutig um einen Wolf handelt. Allerdings kann Reding keine Angaben zum Geschlecht und zum genauen Alter des Tieres machen. Nur soviel: „Es ist ein junger Wolf“, sagte Reding am Mittwoch. Der Wolf stand auf einem Feld etwa 20 bis 30 Meter neben der Straße zwischen Lödingsen und Hettensen. Einen weiteren Kontakt gab es danach nicht mehr.

Da erstmals in dieser Region ein Wolf gesichtet wurde, bat er den für die Region Göttingen zuständigen ehrenamtlichen Wolfsberater Jörg Behling um Unterstützung. Der verglich die genaue Kameraposition mit den örtlichen Gegenbenheiten. Und die stimmten überein. „Deshalb haben wir jetzt eine bestätigte Sichtung“, sagt Reding.

Er geht zudem davon aus, dass es sich bei dem gesichteten Wolf um ein Einzeltier handelt, das auf der Suche nach einem eigenen Territorium und damit „auf der Durchreise“ ist. Außerdem war der gesichtete Wolf „völlig unauffällig“ und kam nicht auf Menschen zu. Weiterhin wurden keine gerissenen Tiere gemeldet.

Wölfe können weite Entfernungen zurücklegen – bis zu 100 Kilometer am Tag. Damit können sie ganz Südniedersachsen innerhalb von kurzer Zeit durchstreifen. Die Beobachtung bei Lödingsen ist laut Wolfsberater Reding jetzt offiziell registriert und ins „Wolfsmonitoring“ Niedersachsen aufgenommen worden. Im Landkreis Northeim war im April ein Wolf bei Bad Gandersheim gesichtet worden. Auch dieser Kontakt ist inzwischen bestätigt.

Für Begegnungen mit Wölfen gibt es eine Reihe von Verhaltensregeln

Begegnungen mit Wölfen sind ganz selten. Sollte es trotzdem passieren, so gibt es Verhaltensregeln, die beachtet werden sollten.

Laut der Wolfsseite www.chwolf.org werden Wanderer, Biker, Jogger und Reiter den Wolf kaum je zu Gesicht bekommen. „Die Tiere sind sehr scheu und vermeiden es in der Regel, Menschen direkt zu begegnen. Sie bemerken die Menschen frühzeitig und suchen das Weite“, heißt es von den Wolfsexperten.

„Sollte es doch einmal zu einem dieser seltenen Zusammentreffen kommen, bleiben Sie stehen, verhalten Sie sich ruhig und geben Sie dem Wolf die Möglichkeit, sich zurückzuziehen“, so der Rat der Experten. Vor allem junge noch, unerfahrene Wölfe sind meist neugieriger und weniger scheu als alte Wölfe und begeben sich eher einmal in eine unvorteilhafte Situation.

„Eine solche Situation stellt für Sie keine Gefahr dar. Aber versuchen Sie auf keinen Fall, ein Tier anzulocken oder zu füttern“, heißt es weiter.

Falls der Wolf nicht von selbst wegläuft und einem die Situation nicht geheuer ist, so sollte man nicht davon laufen, sondern langsam rückwärts gehen, laut sprechen und in die Hände klatschen.

„Sollte der Wolf Ihnen sogar folgen, so bleiben Sie stehen und versuchen Sie ihn einzuschüchtern, indem Sie sich groß machen, ihn laut anschreien und eventuell etwas nach ihm werfen“, so der Ratschlag.

Die Chance, einem ganzen Wolfsrudel zu begegnen, ist äußerst gering. Bei Begegnungen mit mehreren Wölfen handelt es sich meist um neugierige Jungtiere, die ohne ihre Eltern auf Erkundungstour sind. Dabei können sie bei Begegnungen mit Menschen wenig Scheu zeigen und Menschen auch einmal neugierig folgen. Ansonsten sollte man sich wie bei den Einzelwölfen verhalten.

In Wolfsgebieten sollten Hunde grundsätzlich an der Leine geführt werden, denn Wölfe können auf freilaufende Hunde aggressiv reagieren. Es ist trotzdem nicht ganz ausgeschlossen, dass sich ein Wolf dem angeleinten Hund nähert und dabei die Anwesenheit des Menschen ignoriert. In diesem Fall sollten der Wolf laut angesprochen und in die Hände geklatscht werden. „Sollte ihn das nicht bereits auf Abstand halten oder in die Flucht schlagen, gehen Sie langsam rückwärts und sprechen Sie laut, den Hund nahe bei sich. Stellen Sie dabei sicher, dass Ihr Hund nicht von sich aus versucht, den Wolf anzugreifen“, so der Rat.

Lesen Sie auch:

- Experte Ole Anders: Wolf ist in Südniedersachsen unterwegs

Rubriklistenbild: © dpa

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