Ärzte operierten 13-Jährigen aus Weißrussland: Wagif kann wieder sehen

Nach der OP: Prof. Jörgen Petersen überprüft die Lage der neuen Linse von Wagif mit der Spaltlampe. Foto: UMG/nh

Göttingen. Der 13-jährige Wagif kann wieder sehen. Wegen eines „Grauen Stars“ auf dem verbliebenen linken Auge drohte der Junge blind zu werden. Die Augenärzte der Universitätsmedizin Göttingen (UMG) haben das Auge des Jungen aus Weißrussland nun operiert.

Im Alter von drei Monaten diagnostizierten die Ärzte in Weißrussland bei Wagif bös-artige Tumoren der Netzhaut auf beiden Augen. Deshalb wurde ihm bereits im Säuglingsalter das rechte Auge entfernt und durch ein Glasauge ersetzt. Der Tumor im linken Auge wurde bestrahlt. Die Vernarbung reichte bis dicht an die Stelle des schärfsten Sehens, so dass Wagif nur noch zehn Prozent Sehkraft auf diesem Auge besaß. Zudem hatte sich ein grauer Star gebildet. Folge: Wagif konnte fast nichts mehr sehen.

Die Ärzte der Klinik für Augenheilkunde der UMG haben die trübe Linse in einer Operation entfernt und eine Kunstlinse eingesetzt. „In Deutschland ist diese Operation ein Standardeingriff. Sie erfordert bei Kindern jedoch mehr medizinisches Wissen und Übung als bei Erwachsenen“, sagt Prof. Dr. Hans Hoerauf, Direktor der Klinik für Augenheilkunde der UMG.

Die Behandlung von Wagif an der UMG erfolgte durch die Vermittlung des Vereins „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“. Die Kosten für die Unterkunft hat der Verein übernommen, Operation und stationäre Versorgung wurde von der Universitätsmedizin Göttingen getragen.

Wagif wohnt mit seiner Mutter in Witebsk in Weißrussland. Da er nicht gut sehen kann, besucht er keine öffentliche Schule, sondern wird Zuhause unterrichtet. Um die bisherigen Behandlungskosten für ihren Sohn zu bezahlen, hat seine Mutter alle Wertgegenstände verkauft.

Mutter und Sohn leben zurzeit von 95 Euro im Monat. Während ihres Besuchs in Göttingen wohnten Wagif und seine Mutter bei Ingrid Rathgeber. Sie ist die Vorsitzende des Vereins „Hilfe für Kinder in Not nach Tschernobyl“. Nach der Behandlung sind Wagif und seine Mutter wieder zurück in ihre Heimat gefahren.

Die erste Brille

„Als ich mit Wagif und seiner Mutter beim Optiker war und er die erste Brille, natürlich mit sehr dicken Gläsern, aufgesetzt bekam, sagte er: ‚Ich kann lesen. Und das zum ersten Mal seit fünf Jahren’“, sagt Ingrid Rathgeber. „Das war für die Mutter und auch für mich ein sehr erhebender Moment. Wir sind sehr glücklich, dass er jetzt durch die OP wieder besser sehen kann.“ (vsz)

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