Junges Theater adaptiert „Gespenster“

Andreas-Salomé trifft auf Ibsen

Freuen sich auf die Premiere: Regisseurin Eva-Maria Baumeister und Dramaturg Udo Eidinger, die künstlerischen Leiter des Jungen Theaters in Göttingen.
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Freuen sich auf die Premiere: Regisseurin Eva-Maria Baumeister und Dramaturg Udo Eidinger, die künstlerischen Leiter des Jungen Theaters in Göttingen.

Göttingen. So wie die Familie ein Ort der Geborgenheit sein kann, so kann sie gleichzeitig ein Brutkasten für Probleme sein. Der Grund: Geheimnisse und fehlende Kommunikation.

Darum geht es auch im Stück „Gespenster in Göttingen“, das am 5. September auf der Bühne des Jungen Theaters in Göttingen Premiere feiert.

Grundlage für den Stoff ist das Stück „Gespenster“ des norwegischen Autors Henrik Ibsen, das 1881 uraufgeführt wurde. „Gespenster in Göttingen“ baut auf Ibsens Stück auf, durchbricht es jedoch gleichzeitig, indem es ein besondere Figur integriert: Die Psychoanalytikerin Lou Andreas-Salomé.

„Es ging uns darum, diese Käseglocke anzuheben, unter der bei Ibsen die Lebenslüge einer ganzen Familie schlummert“, sagt Udo Eidinger, Dramaturg des Jungen Theaters in Göttingen. Die Figur der Lou Andreas-Salomé lege Ibsen und all die Gespenster aus seinem Stück schließlich auf die Couch, um den ewigen Kreislauf von elterlicher Schuld und kindlicher Schuldzuweisung aufzubrechen.

Mit Lou Andreas-Salomé haben die Macher des Stücks eine Figur integriert, die in besinderer Weise mit Göttingen verbunden ist. Sie war die erste Psychoanalytikerin, die in Göttingen lebte und praktizierte. Das sei jedoch nicht der Grund dafür gewesen, sie ins Boot zu holen. „Es geht ja nicht um die Aufarbeitung von ihrer Biografie oder darum, was sie hier in Göttingen gemacht hat“, erklärt Regisseurin Eva-Maria Baumeister. „Wir wollten nicht über eine Göttinger Figur erzählen, sondern wir benutzen sie, um das Thema aufzugreifen.“

Um die Psychoanalytikerin ins Spiel zu bringen, hat Autorin Daniela Dröscher Texte aus der Feder von Lou Andreas-Salomé in Ibsens Original integriert. Auch wenn diese etwas älter seien, an Aktualität hätten sie nichts eingebüßt, meint Dramaturg Udo Eidinger. „Wir sind im Laufe der Zeit vielleicht im Kopf ein bisschen freier geworden“, sagt er. „Doch es gibt auch heute noch diese Konventionen und Tabus. Vor allem in Familien.“

Das Stück feiert am 5. September im Jungen Theater Göttingen Premiere. Karten gibt es über das Kartentelefon 0551/ 49 50 15 oder im Internet unter www.junges-theater.de. (mhs)

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