Anklage gegen rabiate Reichsbürgerinnen: Polizisten mit Reiniger überschüttet

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Das Amtsgericht Herzberg ist im Welfenschloss zu finden: Hier müssen sich demnächst eine 68-Jährige und ihre 29-jährige Tochter verantworten.

Barbis. Wegen einer gewalttätigen Attacke auf einen Polizisten müssen sich ab diesem Mittwoch eine der Reichsbürgerbewegung nahestehende 68-jährige Frau und deren 29-jährige Tochter vor dem Amtsgericht Herzberg verantworten.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen hat die Frauen wegen gefährlicher Körperverletzung beziehungsweise Körperverletzung sowie Widerstands gegen Vollstreckungsbeamte angeklagt. Die 29-Jährige soll im Juni 2015 im Wohnhaus der Mutter in Barbis einen Polizisten mit säurehaltigem Sanitärreiniger überschüttet haben.

Der Beamte erlitt dadurch so schwere Verätzungen an den Augen, dass er stationär in die Augenklinik des Göttinger Uni-Klinikums aufgenommen werden musste. Die 68-Jährige, die schon seit Jahren kommunale Behörden mit Klagen überzieht, soll ebenfalls den Polizeibeamten attackiert haben. Der Beamte war danach zwei Wochen lang dienstunfähig.

Zu dem Polizeieinsatz war es gekommen, nachdem die 68-jährige mehrfach eine Feuerstättenschau verweigert hatte. Die Behörden wollten deshalb die Heizungsanlage stilllegen. Der Bezirksschornsteinfeger und ein Vertreter des damaligen Landkreises Osterode hatten dafür die Polizei um Amtshilfe gebeten. Als die Behördenvertreter gemeinsam mit zwei Polizisten den Flur betraten, soll die 68-Jährige laut Anklage geschrien haben: „Was wollen Sie hier?“

Die 29-jährige Tochter habe eine Plastikflasche mit beiden Händen vor dem Körper gehalten, sagte ein Sprecher der Staatsanwaltschaft. Als einer der Polizisten sich abwandte, um in den Heizungskeller zu gehen, habe sie den Verschluss der PET-Flasche geöffnet und die Flüssigkeit schräg von oben über dem Kopf des Beamten ausgeschüttet.

In der Flasche befand sich Sanitärreiniger, dessen Inhalt der Giftklasse 4 zugeordnet werde. Als der Beamte sie zu fixieren versuchte, soll sie sich mit Bissen und Tritten dagegen gewehrt und um sich geschlagen haben, bis es schließlich gelang, ihr Handfesseln anzulegen.

Widerstand

Auch die 68-jährige Mutter soll ebenfalls derart vehement Widerstand geleistet haben, dass ein Polizist diverse Kratz- und Schürfwunden erlitt. Nachdem eine weitere Streifenwagenbesatzung zur Verstärkung eingetroffen war, wurde sie überwältigt.

Reichsbürger erkennen Bundesrepublik nicht an

Reichsbürger erkennen die Bundesrepublik Deutschland nicht als Staat an. Stattdessen behaupten sie, das "Deutsche Reich" bestehe bis heute fort. Daher sprechen sie dem Grundgesetz, Behörden und Gerichten die Legitimität ab. In den vergangenen Monaten hatte die Polizei in ganz Deutschland Wohnungen von mutmaßlichen Reichsbürgern durchsucht und dabei unter anderem zahlreiche Waffen beschlagnahmt.

Mit Material von epd

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