Beamte bereiten sich auf Großeinsatz vor

Aufmarsch von rechtem Freundeskreis: Hunderte Polizisten sollen Gewalt verhindern

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Demonstration gegen den rechten Freundeskreis Thüringen/Niedersachsen: Dazu werden an diesem Samstag viele Teilnehmer erwartet.

Göttingen. Eine genehmigte Kundgebung des rechten Freundeskreises Niedersachsen/Thüringen (FKTN) am Bahnhof und bislang sieben angemeldete Gegendemonstrationen – das ist die Szenerie, auf die sich die Göttinger Polizei akribisch vorbereitet, sogar seit vier Wochen mit einem fünfköpfigen Stab daran arbeitet.

Der Aufwand ist enorm, um ein gewalttätiges Aufeinandertreffen von Rechten und Linken zu verhindern. Dabei wisse man noch gar nicht, wie viele wann und wo demonstrieren und blockieren werden, sagt der Einsatzleiter der Polizeiinspektion, Rainer Nolte. Momentan geht die Polizei von 100 Teilnehmern der rechten Kundgebung aus. Viele werden von außerhalb anreisen. „Die meisten haben etwas auf dem Kerbholz, eine kriminelle Vergangenheit“, sagt der Leiter der Inspektion, Thomas Rath.

Demgegenüber werden mehrere hundert Demonstranten des Göttinger Bündnisses gegen Rechts stehen. Die Zusammensetzung reiche von in der Mehrzahl friedlicher Bürgern bis zu einer Gruppe durchaus gewaltbereiter linksradikaler Kräfte, beschreibt Rath. „Das ist sehr schwer einzuschätzen.“

Riesenaufgebot

Die Polizei, die am liebsten eine Trennung der Gegendemonstranten zwischen friedlichen und gewaltbereiten Teilnehmern hätte, wird mit einem Riesenaufgebot reagieren, will aber keine klare Zahl der Einsatzkräfte nennen: Es könnten zwischen 600 bis 1000 Polizisten sein, die die angemeldete Kundgebung des FKTN vor Übergriffen schützen müssen und werden.

„Es geht um das Recht der freien Meinungsäußerung, und das müssen wir verteidigen“, sagt Rath. Gleichwohl hoffe man auf ein gerichtliches Urteil, das den vom FKTN gewünschten Marsch durch die Stadt untersagt: „Wir wollen verhindern, dass Rechte durch Göttingen laufen.“ Die Entscheidung darüber werde wohl erst in letzter Minute fallen, denn der FKTN habe angekündigt, notfalls bis zur höchsten Instanz zu gehen, sprich dem Oberverwaltungsgericht oder gar Bundesverwaltungsgericht.

„Wir planen personell für eine stationäre Veranstaltung am Bahnhofsvorplatz“, sagt Rainer Nolte. Andere Szenarien habe man im Hinterkopf, zumal gerade die radikale linke Szene überaus flexibel agiere: „Keine Demo in Göttingen verläuft wie eine andere.“ Sollte es dennoch zum Marsch des rechten Freundeskreises kommen, dann sei der nur schwer zu schützen. Dafür gäbe es zu viele angemeldete Gegenaktionen, die man alle im Zaum halten müsse.

Einsätze früher in Göttingen hätten bewiesen, dass auch noch weitaus mehr Polizisten – bis zu 10.000 waren es 2006 gewesen – keinen Erfolg brächten.

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