Nach Angriff auf Tattoo-Studio

Nach Angriff auf Tattoo-Studio: Autonome und Polizei im Clinch

Tattoo-Studio
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Opfer eines Angriffs: Das Tattoo-Studio in der Roten Straße wurde während der Eröffnungsfeier am 19. Januar von Vermummten überfallen, weil dort auch drei Rechtsextremisten als Gäste waren.

Göttingen. Die Diskussion um die Randale in einem Göttinger Tattoo-Studio am 19. Januar durch Linksaktivisten geht weiter: In einer Stellungnahme hatten Bewohner des Wohnprojektes Rote Straße klargestellt, dass kein Interesse an einer Auseinandersetzung mit dem Laden und Besitzerin Jenny B. bestanden habe.

Der Vorfall sei bedauerlich gewesen. Unverständlich sei zudem das „anscheinende Interesse der Polizei, einen Konflikt innerhalb der Roten Straße herbeizureden und damit Mutmaßungen über angebliche Hintergründe des Angriffs in der Öffentlichkeit noch weiter anzuheizen“.

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Bei der Göttinger Polizei treffen diese Vorwürfe auf Unverständnis, wie Thomas Rath, Leiter der Polizeiinspektion, mitteilt. „Die Vorwürfe verharmlosen die Tat und unterstellen der Polizei ein ihrem Auftrag zuwiderlaufendes, unprofessionelles Handeln.“ Das sei nicht zu akzeptieren und erscheine vor dem Hintergrund, dass man die Bewohner der Roten Straße sogar geschützt habe, mehr als grotesk. Die Polizei werde die Ermittlungen zur Aufklärung der Tat, es handele sich um schweren Landfriedensbruch und Sachbeschädigungen, begangen von einer Gruppe Vermummter aus der linken Szene, mit allen gesetzlichen Mitteln vorantreiben, so Rath.

An der Verfolgung der Täter ändere auch die mittlerweile erfolgte Entschuldigung durch die „Autonome und antifaschistische Vollversammlung Göttingen“ nichts, sagt Thomas Rath. Die Vollversammlung hatte die Aktion, öffentlich als „falsch und unverantwortlich“ bezeichnet:

• Die Besitzerin des Studios und ihre Gäste (etwa 70 Personen) hätten über die Anwesenheit der Neo-Nazis informiert werden müssen, um selbst handeln zu können.

• Die Aktion hätte schon deshalb nicht stattfinden dürfen, weil Unbeteiligte vor allem Kinder, gefährdet waren.

• Das Ziel, Neo-Nazis entschlossen entgegen zu treten, wurde nicht erreicht. Auch wurde dem Laden und der Besitzerin fälschlicherweise unterstellt, „rechtsoffen zu sein“.

Die Autonome Vollversammlung erwarte von antifaschistischen Aktionen, dass auch „bei akutem Handlungsbedarf“ besonnen und umsichtig gehandelt wird. Die Aktion sei Beispiel dafür, wie antifaschistische Praxis eben nicht aussehen sollte. „Wir bedauern die Gefährdung Unbeteiligter und den Schaden, den die Ladenbetreiberin und Besucher erfahren haben.“

Körperliche Gewalt und Straftaten als Mittel der politischen Auseinandersetzung sind für den Polizei-Inspektionsleiter Thomas Rath inakzeptabel. „Der Rechtsstaat würde sonst in Frage gestellt.“ Die Entschuldigung wertet Rath letztlich nicht als ein Bedauern der Handlung an sich, sondern nur dafür, „dass ein falscher Adressat getroffen wurde“. (tko)

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