1. Startseite
  2. Lokales
  3. Göttingen

Autor stellt Buch vor: Wenn der Winter zum Sommer wird

Erstellt: Aktualisiert:

Kommentare

Gäste im Grenzlandmuseum: Nick Reimer und Silke Inselmann von der Böll-Stiftung. Reimer ist mit Toralf Staud Autor des Buches „Deutschland 2050“ über die Folgen der Erderwärmung.
Gäste im Grenzlandmuseum: Nick Reimer und Silke Inselmann von der Böll-Stiftung. Reimer ist mit Toralf Staud Autor des Buches „Deutschland 2050“ über die Folgen der Erderwärmung. © Werner Keller

Ein Buch zum Klimaschutz wurde im Grenzlandmuseum in Teistungen vorgestellt.

Teistungen/Göttingen – Der Thüringer Wald, das grüne Herz Deutschlands, könnte für den Tourismus zum Totalausfall werden. Bei Durchschnittstemperaturen von 35 Grad im Sommer, die auch nachts selten unter 20 Grad sinken, stehe die Zivilisation vor enormen Herausforderungen. Es waren düstere Szenarien, die der Buchautor, Journalist und Wissenschaftler Nick Reimer bei einer Veranstaltung des Grenzlandmuseums Teistungen angesichts des Klimawandels aufzeigte.

Das Museum, die Heinrich-Böll-Stiftung Niedersachsen und das Göttinger Literarische Zentrum hatten zu dem Vortrag eingeladen. Die Einrichtung auf dem Gelände des früheren Grenzübergangs verstehe ich als Lernort für Demokratie, hatte Umweltbeauftragter und Forstwissenschaftler Georg Baumert zum Einstieg gesagt. Deshalb stelle man sich auch aktuellen Themen.

Als Rückblende gab es ein Standfoto der „Tagesschau“ von 1979: In Genf tagte die erste Weltklimakonferenz. Und schon damals, so Reimer, seien schwere Stürme, Überschwemmungen und Dürren vorausgesagt worden. Doch es seien nicht wirklich daraus Konsequenzen gezogen worden. Mittlerweile sei die Klimakrise allgegenwärtig, wie die sintflutartigen Regenfälle im vorigen Sommer gezeigt haben. Auf die nun befürchtete Erderwärmung – laut Weltklimarat bis 2030 um 1,5 Grad – sei die Gesellschaft mit ihrer Infrastruktur nicht eingestellt.

Es könne sich die Situation einstellen, das der Staat nicht nur Wohngeld, sondern auch finanzielle Hilfen für Kühltechniken bereitstellen müsse. „Die Winter werden zu Sommern werden“, sagte Reimer, einer der Autoren von „Deutschland 2050“. Betroffen seien Wirtschaft, Landwirtschaft und Tourismus. Vor diesem Hintergrund sei es fragwürdig, in Deutschland öffentliche Gelder für Wintersportanlagen auszugeben, Wintersport herkömmlicher Art werde in unseren Breiten langfristig nicht mehr möglich sein.

Umdenken müsse die Gesellschaft auch beim Bauen – lange Glasfronten bei Wohnanlagen seien überholt. „Wir sind auf den Klimawandel nicht vorbereitet“, sagte Reimer. Und: „Wir stehen an der Schwelle, wir müssen es schaffen.“ Wenn man klimaneutral werden wolle, müsse man sich komplex umstellen. Einer von vielen Ansätzen sei die Senkung des CO2-Ausstoßes. Was kann der Einzelne fürs Klima tun? Laut Reimer höhere Fleischpreise im Sinne einer ökologischen Landwirtschaft akzeptieren.

Silke Inselmann von der Böll-Stiftung Niedersachsen als Mitveranstalter dankte Reimer für eine Fülle von Anregungen und Ideen. Sie würde nachdenklich machen. Das Experiment einer Präsenzveranstaltung habe sich angesichts einer lebhaften Diskussion gelohnt. (Werner Keller)

Zur Person: Nick Reimer

Nick Reimer (56) stammt aus Meißen in Sachsen. Er gründete 1989 die erste Umweltzeitschrift der DDR und war Mitbegründer des Neuen Forums Sachsen. Reimer studierte an der Bergakademie Freiberg und volontierte bei der Berliner Zeitung. Als freier Journalist schreibt er für Freitag, taz und andere Medien. Mit Toralf Staud erhielt er 2012 den Otto-Brenner-Preis. Das Buch „Deutschland 2050“ erschien 2021 bei Kiepenheuer & Witsch. (wke)

Auch interessant

Kommentare