Ab 2019: Sanierung der Gleise

Deutsche Bahn sperrt monatelang Hauptstrecken: Kassel und Göttingen betroffen

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Bald wird es ernst: Streckensperrungen sind von der Deutschen Bahn für Monate angekündigt. Auch die Abschnitte zwischen Kassel und Göttingen sowie Kassel und Fulda werden dann unterbrochen. Los geht es 2019 - die Sanierung der Gleise steht also vor der Tür.

Kassel/Göttingen. Die Bahn kündigt monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen an. Auch die Strecken zwischen Göttingen und Kassel sowie zwischen Kassel und Fulda werden unterbrochen.

Artikel aktualisiert am 2. Oktober 2018 - Auf die Bahnreisenden kommen in den nächsten Jahren monatelange Vollsperrungen von ICE-Routen zu. Die Deutsche Bahn erneuert die 27 Jahre alten Schnellfahrstrecken Hannover-Würzburg und Mannheim-Stuttgart grundlegend, wie das Unternehmen am Montag in Berlin mitteilte. Das Sanierungsprojekt behindert den bundesweiten Zugverkehr in Etappen bis ins Jahr 2023. Zahlreiche Fernzüge müssen umgeleitet werden, die Fahrzeiten zwischen den betroffenen Städten verlängern sich während der Bauarbeiten um 30 bis 45 Minuten. 

Verspätungen und Entschädigung für Bahncard-Kunden

Die Pressestelle der DB in Hamburg geht von Verspätungen aus, die durch die Arbeiten entstehen werden: "Ganz ohne Reisezeitverlängerungen ist das hohe Baupensum nicht realisierbar", heißt es. Züge im DB-Fernverkehr sind in der ersten Bauphase 2019 beispielsweise auf den Verbindungen Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Hamburg-München je etwa 30 bis 45 Minuten länger unterwegs. Zwischen Hamburg bzw. Berlin und Frankfurt kommt es zu Kapazitätseinschränkungen. "Während der Baumaßnahmen versüßt die DB betroffenen Kunden allerdings die längere Reisezeit mit besonderen kleinen Aufmerksamkeiten", was genau sich dahinter verbirgt, ist aber bisher nicht bekannt. Betroffene Zeitkarteninhaber und Bahncard-100-Kunden erhalten außerdem eine finanzielle Entschädigung - in welcher Höhe, ist noch nicht kommuniziert worden.

ICE Sperrungen: Bauplanung in der Übersicht

  • Hannover–Göttingen (11. Juni bis 14. Dezember 2019) 
  • Mannheim-Stuttgart (10. April bis 31. Oktober 2020)
  • Göttingen–Kassel (23. April bis 15. Juli 2021) 
  • Fulda–Würzburg (2022) 
  • Kassel–Fulda (2023)

Bereits jetzt ist der Bahnverkehr in Niedersachsen stark beeinträchtigt: In Hannover erneuert die Deutsche Bahn eine Brücke.

Als erstes wird 2019 der Abschnitt Hannover-Göttingen sechs Monate lang gesperrt - vom 11. Juni bis 14. Dezember. Es folgt die Strecke Mannheim-Stuttgart, die vom 10. April bis 31. Oktober 2020 nicht befahrbar sein wird. Der Abschnitt Göttingen-Kassel wird von April bis Juli 2021 unterbrochen. Dann kommt im Jahr 2022 die Trasse Fulda-Würzburg dran und schließlich 2023 der Gleisstrang von Kassel nach Fulda

Die Bahn warb um Verständnis für die Serie von Großbaustellen. Sie sei unvermeidbar: Die beiden ICE-Strecken seien seit ihrer Eröffnung 1991 im Dauerbetrieb. Auf der 327 Kilometer langen Trasse zwischen Hannover und Würzburg fahren täglich 110 Fernzüge mit rund 42 000 Reisenden durch Niedersachsen, Hessen und Bayern, außerdem im Durchschnitt 26 Güterzüge. Noch höher ist Belastung auf den 99 Kilometern von Mannheim nach Stuttgart: Dort verkehren jeden Tag 185 Fernzüge mit 66 000 Fahrgästen, hinzu kommen 24 Güterzüge. 

Die übliche regelmäßige Instandhaltung reiche nun nicht mehr aus, heißt es bei der Bahn. "Wir müssen jetzt grundlegend ran, um die Qualität der Schnellfahrstrecke für künftige Generationen weiter gewährleisten zu können", machte der Leiter des Sanierungsprojekts Hannover-Würzburg, Hannes Tesch, deutlich. Bei den Bauarbeiten werden Gleise, Weichen, Schotter, aber auch die Oberleitungsmasten sowie die Strom- und Sicherungstechnik erneuert. Für die Arbeiten von Hannover bis Göttingen hat die Bahn 175 Millionen Euro veranschlagt. Die Sanierung der gesamten Strecke von Hannover nach Würzburg soll 640 Millionen Euro kosten. 

Deutsche Bahn: Fahrinformationen

Die Trasse Mannheim-Stuttgart wird für 185 Millionen Euro auf Vordermann gebracht. Da es sich um eine sogenannte Ersatzinvestition handelt, übernimmt der Eigentümer Bund die Kosten fast vollständig, wie ein Bahnsprecher erläuterte. Auch alle Fahrgäste, deren Verbindungen über die gesperrten Strecken fahren, werden länger unterwegs sein. Zu diesen Routen gehören zum Beispiel Hamburg-Frankfurt, Berlin-Frankfurt und Frankfurt-München. 

Weil auf den Umleitungsstrecken weniger Züge Platz haben, können dort auch weniger ICE und Intercitys eingesetzt werden als sonst üblich. Die Bahn will Inhaber von Zeitkarten und der Bahncard 100, die zu Fahrten auf dem gesamten Netz berechtigt, finanziell entschädigen. In welchem Umfang das geschieht, steht noch nicht fest, wie der Sprecher sagte. Die längere Reisezeit solle den Kunden mit "besonderen kleinen Aufmerksamkeiten" versüßt werden. 

Bei der Bahn sind Verspätungen gerade in den vergangenen Monaten ein großes Thema. Im August kamen drei von zehn Fernzügen unpünktlich ans Ziel. In den ersten acht Monaten lag die Pünktlichkeitsquote unter 76 Prozent. Eigentlich wollte die Bahn 82 Prozent erreichen. Hauptgrund für die Verspätungen waren aber nicht die vielen Baustellen, sondern Störungen an Fahrzeugen und Infrastruktur in den Hitzemonaten des vergangenen Sommers sowie mehrere Unwetter.

Deutsche Bahn: Fahrplan aktuell über verschiedene Kanäle

Während der Bauarbeiten möchte die Deutsche Bahn über verschiedene Kanäle über die Maßnahmen informieren: In den Apps DB-Navigator und Max Maulwurf, mit Flyern, Aushängen und Plakaten sowie auf Online-Angeboten. Fahrgäste können sich auch am kostenlosen Bahnbau-Telefon informieren: 0800/5996655, oder an den DB-Verkaufsstellen. Auch das Bauinfoportal soll Kunden auf dem Laufenden halten. Hier hat die Deutsche Bahn zudem Graphiken, Infos und Hintergründe gesammelt.

Dieses Video ist Teil der Plattform Glomex und wurde nicht von der HNA erstellt

dpa/rek/dob

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