HNA-Leserin war dabei

Bahn testet Erlebnis einer Reise im Regionalverkehr in Sonderzug

Einsteigen bitte: HNA-Zugtesterin Maren Schlegel (rechts) hilft den „Mitfahrern“ ins Zuglabor.
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Einsteigen bitte: HNA-Zugtesterin Maren Schlegel (rechts) hilft den „Mitfahrern“ ins Zuglabor.

Frankfurt/Göttingen. Eine Gruppe junger Menschen macht Randale in einem Regionalzug. Sie stoßen die anderen Fahrgäste, nehmen keinerlei Rücksicht, greifen sich gegenseitig an und sind sturzbetrunken.

Was wie eine echte Szene in einem Zug wirkt, war in Wahrheit ein gestellter Auftritt einer Improvisations-Theatergruppe aus Wiesbaden beim Zuglabor auf dem Frankfurter Hauptbahnhof. Das besuchte Lesertesterin Maren Schlegel aus Northeim. „Obwohl klar war, dass es Schauspieler sind, hatte die Situation etwas bedrohliches“, sagt die 38-Jährige, die täglich von Northeim über Göttingen nach Hildesheim zur Arbeit pendelt.

Mit dem Zuglabor will die Bahn untersuchen, welche Wünsche die Kunden an den Nahverkehr haben. Für Maren Schlegel ist der Kundenbetreuer, früher Schaffner genannt, die zentrale Person. Im Zuglabor ist Bernhard Hofmann der „rettende Engel“, der die Randale-Gruppe aus dem Zug schafft. Er beruhigte die HNA-Lesertesterin sogar: „Sie können einfach ruhig sitzenbleiben“, sagte er zu ihr, als sie sich gerade einen neuen Platz suchen wollte. Deshalb gab es von Schlegel und den übrigen Mitgliedern viel Lob für den Prototyp eines Bahn-Mitarbeiters, der im wirklichen Leben tatsächlich im Zug arbeitet und Teamleiter in Fulda ist. Schlegel wünscht sich, dass noch mehr Zugbegleiter wie Hofmann bei der Bahn arbeiten. „Dann würde Zugfahren noch mehr Spaß machen.“

Bei jedem Schritt wurde die Gruppe per Video überwacht. Außerdem wurden alle Äußerungen per Funkmikrofon aufgezeichnet. Alle Aufnahmen werden in den kommenden Wochen von Experten wissenschaftlich ausgewertet und analysiert.

An einer anderen Station im Testzug ging es um die Sauberkeit. Da waren Müllbehälter am Platz überfüllt, Kaffee auf dem Boden ausgeschüttet und jede Menge Krümel auf den Sitzen. Das hat die Testerin gar nicht so gestört. „Es ist leider oft normal, dass Züge verschmutzt sind. Ich bin da wohl schon ziemlich abgestumpft“, sagt die Northeimerin und wünschte sich von den Marktforschern der Bahn, dass sie sich aufgrund der Ergebnisse für mehr Sauberkeit bei den Verantwortlichen des Staatskonzerns einsetzen.

Außerdem beurteilte die Gruppe die Zugdurchsagen. „Am besten kam bei uns eine automatische Ansage an. Sie war am verständlichsten.“ Maren Schlegel wünscht sich, dass die Ergebnisse des zweitägigen Tests in die zukünftige Arbeit der Bahn einfließt. „Es ist aber ein gutes Zeichen, dass das Unternehmen die Meinung der Kunden so ernst nimmt, dass so eine aufwändige Studie in Auftrag gegeben wurde.“ (bsc)

Ein Selbsttest aus dem Zuglabor

Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel
Ein Selbsttest aus dem Zuglabor © HNA/Schlegel

HINTERGRUND:

Bahn spürt private Konkurrenz

Das Zuglabor ist ein ganz normaler Nahverkehrszug. Im stehenden Zug wurde in Frankfurt am Hauptbahnhof das Reiseerlebnis der Kunden in unterschiedlichen Situationen getestet. Die Aktion in Frankfurt am Main war das vierte Zuglabor von DB Regio, einer Tochter der Deutschen Bahn. Bei anderen Zuglabor-Veranstaltungen stand zum Beispiel die Sitzqualität im Mittelpunkt, die in einigen Nahverkehrszügen der Bahn bereits verbessert wurde. Die Deutsche Bahn AG bekommt die private Eisenbahnkonkurrenz insbesondere im Nahverkehr zu spüren. Die Mitbewerber haben viele Ausschreibungen gewonnen. In Nordhessen und Südniedersachsen sind zum Beispiel Cantus und Metronom unterwegs. Erst kürzlich gewann die Bahn eine Ausschreibung, das Harz-Weser-Dieselnetz in Südniedersachsen. (bsc)

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