Aquakultur: Wissenschaftler ersetzen Hormone durch höhere Wassertemperatur

Speisefisch aus Aquakultur: Mithilfe von 36 Grad warmem Wasser lassen sich männliche Tilapia-Fische erzeugen, die schneller wachsen und größer werden als weibliche Buntbarsche. Foto: Uni Göttingen/nh

Göttingen. Warmes Wasser ist bei der Produktion des Speisefischs Tilapia besser als Hormone im Futter. Der afrikanische Buntbarsch wächst schneller und wird sogar größer als mithilfe männlicher Hormone.

Zu diesem Ergebnis kommen Nutztierwissenschaftler der Universität Göttingen in einem von der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) mit 209 000 Euro geförderten Projekt.

Hintergrund: Tilapia-Männchen wachsen doppelt so schnell wie ihre weiblichen Artgenossen. Die Fischproduktion nutzt diese biologische Besonderheit, um den bislang vor allem in Asien und Amerika beliebten Speisefisch schnell zu erzeugen. Um möglichst viele Buntbarsch-Männchen zu produzieren, werden an die frisch geschlüpften Larven Hormone gefüttert, die eine Vermännlichung der weiblichen Tiere bewirken.

Diese in einigen Ländern praktizierte Methode belastet allerdings die Umwelt: Denn wenn die eingesetzten Hormone in Oberflächengewässer gelangen, beeinträchtigen sie andere Lebewesen. DBU-Generalsekretär Dr. Fritz Brickwedde fordert darum den Umstieg auf eine „gleichwertige, aber nachhaltige Fischproduktion“.

Die Göttinger Forscher arbeiten bereits seit einigen Jahren an einem Verfahren, das ohne Hormonzugaben auskommt. „Dass 36 Grad warmes Wasser denselben Effekt hat, konnten wir bereits belegen“, sagt Professorin Gabriele Hörstgen-Schwark von der Abteilung Aquakultur und Gewässerökologie.

Zehn Tage lang halten die Wissenschaftler die frisch geschlüpften Fischlarven in 36 Grad Celsius warmem Wasser, um die Geschlechtsausbildung zu männlichen Fischen zu beeinflussen. Um verschiedene Aufzuchtmethoden unter kommerziellen Bedingungen zu testen und zu vergleichen, nutzen die Göttinger Forscher die Anlage eines Aquakultur-Unternehmen, der Fisch und Wasser GmbH Oelzschau in Sachsen.

Hörstgen-Schwark: „Es hat sich herausgestellt, dass die temperaturbehandelten Männchen schneller wachsen und sogar größer werden als die hormonbehandelte Vergleichsgruppe. Diese Methode hat demnach nicht nur einen ökologischen, sondern auch einen wirtschaftlichen Vorteil.“

Derzeit arbeiten die Wissenschaftler an der Optimierung einer Aquakultur-Anlage, um möglichst effizient temperaturbehandelte Fisch-Setzlinge erzeugen zu können. (shx)

Hintergrund Vielseitiger Speisefisch Tilapia

Als Speisefisch ist der Tilapia bislang vor allem in Asien und Amerika bekannt. Hauptproduktionsland ist derzeit China gefolgt von Ägypten. Seit einigen Jahren steige die Nachfrage auch in Europa, meldet die Deutsche Bundestiftung Umwelt (DBU).

Der Süßwasserfisch aus der Familie der Buntbarsche wird bis zu 50 Zentimeter groß und lässt sich grillen, braten und dünsten. Laut der Zeitschrift „Essen und Trinken“ harmoniert das weiche und leicht süßliche Fleisch insbesondere mit exotischen Zutaten wie Bananen, Ananas oder Mango. (shx)

Aquakultur statt Fischfang

Schon heute ist die Überfischung der Weltmeere ein drängendes Problem. Mit einer wachsenden Weltbevölkerung wird der Nahrungsmittelbedarf weiter steigen. Eine Alternative zum Wildfang von Fischen könnte die Aquakultur sein, mit der sich an der Universität Göttingen eine Abteilung der Nutztierwissenschaften befasst. In den vergangenen Jahren beobachteten die Wissenschaftler eine Steigerung der Aquakultur-Erzeugung von jährlich zehn Prozent.

Eine weitere Zunahme mit nachhaltiger Erzeugung zu ermöglichen, ist Thema der Göttinger Abteilung „Aquakultur und Gewässerökologie“. Dabei interessieren sich die Göttinger Nutztierwissenschaftler nicht nur für Züchtung, Haltung und Produktqualität der Tilapien, sondern beschäftigen sich auch mit anderen Fischarten wie Welsen, Forellen und Stören. (shx)

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