Bauunternehmer soll bei Ottobock Scheinrechnungen eingereicht haben

Veruntreuung: Ein Mitarbeiter der Bauabteilung des Medizintechnik-Herstellers Ottobock hat mit Bauunternehmern Geld veruntreut. Die Fälle standen vor Gericht. Aktuell ist ein 61-jähriger Unternehmer aus dem Eichsfeld angeklagt. Foto: dpa

Göttingen/Duderstadt. Ein 61-jähriger Bauunternehmer aus dem Eichsfeld muss sich seit Montag wegen Anstiftung zur Untreue in elf Fällen vor dem Landgericht Göttingen verantworten.

Die Staatsanwaltschaft wirft ihm vor, von 2007 bis 2009 beim Duderstädter Medizintechnik-Unternehmen Ottobock zahlreiche Scheinrechnungen eingereicht zu haben. Zuvor habe er den damaligen leitenden Mitarbeiter der Bauabteilung dazu bewegt, die fingierten Rechnungen abzuzeichnen und von der Finanzbuchhaltung begleichen zu lassen.

Der Angeklagte habe sich so 300.000 Euro verschafft. Als Gegenleistung habe er dem Mitarbeiter der Bauabteilung 70.000 Euro gegeben.

Es ist bereits der fünfte Prozess in dem Verfahren um die Millionenbetrügereien bei Ottobock. Im Herbst 2010 war aufgeflogen, dass mehrere Handwerksfirmen dem Konzern jahrelang überhöhte und fingierte Rechnungen ausgestellt hatten. Im Frühjahr 2013 verurteilte das Landgericht Göttingen den Mitarbeiter aus der Bauabteilung des Duderstädter Unternehmens zu dreieinhalb Jahren Haft. Er hatte gestanden, die Rechnungen abgezeichnet und dafür mehr als 600.000 Euro Schmiergeld kassiert zu haben. Drei andere an den Millionen-Betrügereien beteiligte Firmenchefs wurden zu Freiheitsstrafen von bis zu drei Jahren verurteilt.

Der Bauunternehmer machte zu Prozessbeginn keine Angaben zur Sache. Der bereits verurteilte frühere Ottobock- Mitarbeiter, der in diesem Verfahren als Zeuge auftrat, belastete ihn aber schwer.

Der Angeklagte habe sich vor rund zehn Jahren bei ihm darüber beklagt, dass er für seine Arbeiten bei privaten Bauprojekten des Ottobock-Firmenchefs noch kein Geld bekommen habe. Er habe sich dann bei der Geschäftsführung für den Bauunternehmer eingesetzt. Dort habe man sich aber für nicht zuständig erklärt. Daraufhin hätten sie die Idee mit den Scheinrechnungen entwickelt. Nachdem der Konzern die Rechnungen beglichen hatte, habe der Bauunternehmer ihm seinen Anteil in bar übergeben.

Der Prozess wird in der kommenden Woche fortgesetzt. Das Göttinger Landgericht hat fünf Verhandlungstage angesetzt.

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