Behinderte können trotz Prothese sportlich sein

Sprungdemonstration auf der Tartan-Laufbahn: Der 17jährige Philipp Waßenberg zeigt, wie es geht. Er startet im Oktober bei der WM in Doha. Foto: Niesen

Duderstadt. Lebensfreude, Selbstbewusstsein und Fitness: Mit einem Trainingslager für Träger von Beinprothesen riefen jetzt der Deutschen Behindertensportverband (DBS) und der Prothetik-Hersteller Otto Bock in Duderstadt zu mehr sportlicher Betätigung auf.

„Viel zu vielen Beinamputierten wird immer noch gesagt, Sport sei nichts für sie. Wenn sie dann doch mit der Laufprothese klar kommen, dann sprechen ihre Gesichter Bände. Das ist pures Glücksgefühl!“ Der 32jährige Prothesenträger Heinrich Popow ist Weltrekordhalter über 100 Meter und Goldmedaillengewinner der Paralympics 2012 in London.

Popow war der Star beim Trainingslager, das unter dem Titel „Talent days“ in Duderstadt lief und gleichermaßen für Leistungssportler und Anfänger im Alter von elf Jahren an gedacht war. Er motivierte und gab den jungen Prothesenträgern zahlreiche Tipps für die Praxis.

Einer von ihnen ist der elfjährige Christoph Gletzner aus Neumarkt in der Oberpfalz. Popow nimmt ihn freundschaftlich beiseite und erklärt ihm genau, wie und in welcher Situation er was machen sollte. „Man muss ein Körper- und ein mechanisches Gefühl entwickeln“, sagt er über die besondere Situation, vor der Sportler mit Prothese gestellt sind.

Das muss gar nicht zu so außergewöhnlichen Ergebnissen wie bei „Charming Boy“ Heinrich Popow führen. Der normale Freizeitsportler profitiert genauso mit wachsender Fitness, Selbstbewusstsein und einer ganz anderen Ausstrahlung.

Rudi Gallo aus Nienburg beklagt, dass die rund 1800 Sanitätshäuser in Deutschland ihren Kunden immer wieder, unter anderem aus Verletzungsangst, von sportlicher Betätigung abraten würden. Dabei würden diese Probleme überschätzt. „Wenn Sportprothesen richtig eingestellt sind, ist das überhaupt kein Problem.“

Ein Beispiel dafür ist der 17jährige Philipp Waßenberg, ein Talent der deutschen Leichtathletik-Hochburg TSV Bayer 04 Leverkusen. Der Bonner Prothesenträger zeigt beispielsweise beim Koordinationstraining, was er drauf hat, so bei einer Sprungdemonstration auf der Laufbahn. „Bei der Leichtathletik-WM im Oktober in Doha starte ich erstmals bei den Männern“, freut er sich schon heute auf das Großereignis. Sein Ziel: Er möchte in die Fußstapfen von Heinrich Popow treten. (zhp)

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