Beine im Uhrzeigersinn

Da stimmt was nicht: Sven Zarling amüsiert die jungen Zuhörer bei der Kinderuni und zeigt als Betroffener, wie wichtig Prothesen im Alltag sind. Foto: von Polier

Göttingen. Als Pirat verkleidet hat er wohl noch nie eine Vorlesung in der Uni gegeben. Bei der Göttinger Kinderuni ist das jedoch durchaus gewollt.

Am Mittwochnachmittag erklärte Professor Cornelius Frömmel Kindern aus dem ganzen Landkreis, wie die heutigen Prothesen entstanden sind. Als richtiger Pirat, hatte er natürlich einen Haken als Hand und einen umgedrehten Abflussreiniger als Holzbein. Das Piratenoutfit komplettierte der klassische Dreispitz mit Augenklappe und ein blauweiß kariertes T-Shirt. Um zu verdeutlichen, wie Prothesen den betroffenen Menschen das Leben erleichtern, erzählte Sven Zarling aus Duderstadt seine Geschichte. Als er acht Jahre alt war, verlor er bei einem Unfall mit einem Trecker ein Bein.

Bevor er den gespannt lauschenden Kindern seine hochtechnische Prothese namens „C-Leg“ vorführte, sollten sie überlegen, an welchem Bein die Gehhilfe sitzt. Etwa Dreiviertel der Kinder entschieden sich für links, was die richtige Antwort war. Heutzutage kann Zarling mit unterschiedlichen Prothesen Fahrrad fahren und sogar joggen.

Als er sein künstliches Bein hochhebt und den unteren Teil im Uhrzeigersinn dreht, fangen die Kinder an zu jauchzen und entzückt „iiiiih“ zu schreien.

Auch Pierre aus Duderstadt hat ein Gerät mitgebracht, das ihn mobiler macht. Der 12-Jährige kam mit einem sogenannten „Standrahmen“, einem Rollstuhl, in dem man stehen kann. An den Rädern seines normalen Rollstuhls sind Bayern-München-Radkappen angebracht, womit er bei dem Publikum großen Eindruck hinterließ, das größtenteils jünger war als er. Sebastian Dunkel, der den Jungen interviewte, sagte: „Na, was haben wir denn da für einen Verein, Werder Bremen?“ „Neeeeein“, protestierten sofort die Zuschauer und applaudierten für Pierre.

Im Laufe der kindgerechten Vorlesung hob Professor Frömmel hervor, wie wichtig Sensibilität für körperlich beeinträchtigte Menschen ist und veranschaulichte das mit einem Satz: „Wenn auf dem Schulhof jemand zu euch sagt, ihr seid behindert, dann fühlt ihr euch doch schlecht, oder?“ „Jaaa“, antwortete das Publikum einstimmig.

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