Beinprothese für Eichsfelder Storchendame Fee: Wenn Vögel laufen lernen

Hoffen auf Hilfe: (von links) Friedrich-Karl Schöttelndreier und Dr. med. vet. Brigitte Sindermann passen der Storchendame Fee eine Prothese an. Entwickelt worden ist sie vom Hersteller Ottobock aus Duderstadt. Foto: Voß

Rüdershausen. In ihrem bisherigen Leben hat Storchendame Fee schon Einiges überstehen müssen, auch einen Unterschenkel hat sie verloren. Zu Ende ist ihr Abenteuer damit aber noch lange nicht: Am Mittwoch erhielt sie als erster Storch Niedersachsens eine Beinprothese.

„Für uns war das eine ganz neue Herausforderung. Schließlich hat ein Storch ganz andere Anforderungen an sein Bein als ein Mensch“, lacht der Duderstädter Orthopädietechniker Mathias Menzel während er beobachtet, wie Fee noch etwas unsicher ihre ersten Schritte mit dem künstlichen Bein wagt. Im Rahmen eines Auszubildendenprojekts ist die tierische Gehhilfe in Duderstadt unter der Leitung Menzels entstanden.

Dass Fee aber überhaupt in den Genuss einer Prothese kommt, hat sie Friedrich-Karl Schöttelndreier zu verdanken. Seit August kümmert sich der ehrenamtliche Leiter der Greif- und Eulenstation des Naturschutzbundes in Rüdershausen bei Gieboldehausen (Landkreis Göttingen) um die Storchendame. Spaziergänger hatten das etwa zweijährige Tier auf einer Wiese am Ortsrand gefunden. „Als Fee zu mir gekommen ist, war sie in einem schlechten Zustand“, erinnert sich Schöttelndreier. So habe sie nur noch knapp zwei Kilogramm gewogen. „Und statt zwei gesunden Beinen, hing an einer Seite nur noch ein Knochen an einer abgestorbenen Sehne.“

Schwere Verletzungen

Fee sei vermutlich irgendwo mit ihrem Bein hängen geblieben und dadurch so schwer verletzt worden, dass ihr Unterschenkel abgestorben war, erklärt Tierärztin Brigitte Sindermann diese Verletzung. Gemeinsam mit Schöttelndreier hatte sie das tote Bein entfernt und seitdem die Pflege für das Tier übernommen.

Inzwischen habe sich die Storchendame aber nicht nur ihr Gewicht verdoppelt, sondern mache auch einen munteren Eindruck, sagt Sindermann. Bis Fee allerdings wieder ohne Beschwerden laufen könne, dauere es noch einige Zeit. „Schließlich muss sie sich erst einmal an ihre Prothese gewöhnen“, ist die Tierärztin überzeugt. Und das sei gerade für Fee eine ganz besondere Herausforderung“, fügt Orthopädietechniker Menzel hinzu. „Denn sie muss es ganz allein schaffen. Wir können ihr nicht wie bei Menschen mit Physiotherapieangeboten helfen, Laufen zu lernen.“

Regelmäßige Wartung

Und auch wenn sich Fee an die Gehhilfe gewöhnt hat, in die Freiheit entlassen werden, kann sie laut Schöttelndreier nicht mehr. So sei die Prothese regelmäßig zu warten und der Beinstumpf auf Hautreizungen zu untersuchen.

Um Fee dennoch ein möglichst artgerechtes Leben bieten zu können, sucht der ehrenamtliche Stationsleiter inzwischen nach einem Platz in einem geeigneten Vogelpark.

Storchenprothese: Spezialanfertigung aus Carbon und Silikon

Die eigens angefertigte Prothese für Fee besteht aus zwei Teilen: Einem weichen Innenteil aus Silikon und einer harten Umschalung aus Carbon.

Statt eines Fußes steht Fee künftig auf einer Kugel. Umkippen kann sie damit laut den Prothesenentwicklern aus Duderstadt allerdings nicht.

Bei der Entwicklung waren die Techniker von Ottobock besonders darauf bedacht, dass die Prothese keine scharfen Ecken und harten Kanten hat. Denn Störche benutzen ihre Beine nicht nur zur Fortbewegung, sondern ziehen sie auch während des Schlafens unter ihr Gefieder dicht an den Körper.

Das könnte Sie auch interessieren

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.