Lobby-Organisation mit drei Göttinger Studenten

Jugendbotschafter machen Druck auf Entwicklungshilfeminister Gerd Müller

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60 junge Menschen, die sich für Bildung in den Armenhäusern der Welt starkmachen: Eine Delegation von „One“-Jugendbotschaftern besuchte Entwicklungshilfeminister Gerd Müller.

Göttingen/Berlin. Sie setzen sich für die Armuts- und Krankheitsbekämpfung in Afrika ein: Die Lobby-Organisation „One“ hat ihre 60 neuen Jugendbotschafter zum Antrittsbesuch nach Berlin geschickt, um dem neuen und alten Entwicklungshilfeminister Gerd Müller (CSU) ins Gewissen zu reden.

Die Göttingerin Luisa Neubauer ist 22 Jahre alt und eine der neuen Jugendbotschafterinnen von One. Für die Fraktion der drei Göttinger (Neubauer, Mizgin Aslan und Konstantin Gast), allesamt Anfang 20, bleibt die Anwesenheit vom ehemaligen UN-Generalsekretär Kofi Annan besonders in Erinnerung. „Beeindruckend“, fanden sie das Treffen mit Annan in Berlin. „Er war extrem zugewandt und sehr interessiert an unseren Forderungen“, sagt Aslan.

Die 60 jungen Frauen und Männer waren in erster Linie daran interessiert, ihre Anliegen bei Entwicklungshilfeminister Müller loszuwerden. „Wir haben große Erwartungen an Herrn Minister Müller“, betont Neubauer. „Es wird sich zeigen, was in den nächsten dreieinhalb Jahren daraus wird. Wir sind jedenfalls pro-aktiv dabei. Es wird nicht das letzte Mal sein, dass Herr Müller von uns gehört hat“, kündigt Neubauer an.

Luisa Neubauer

Die Botschafter wollen die Bildung in den ärmsten Ländern der Welt stärken, besonders bei Mädchen und Frauen. Weltweit könnten über 130 Millionen Mädchen keine Schule besuchen. Dabei sei Bildung für viele der einzige Weg aus der Armut, so One.

Die Organisation fordert von der Bundesregierung, 0,7 Prozent des Bruttonationaleinkommens (BNE) für die Entwicklungshilfe zur Verfügung zu stellen – trotz verringerter Flüchtlingsausgaben. Dazu hat sich Deutschland verpflichtet und das Ziel 2016 erstmals eingehalten. Dieses Jahr wolle man aber „deutlich mehr Geld für die wenig entwickelten Länder“ herausschlagen, wie Neubauer sagt.

In einem offenen Brief fordern die One-Jugendbotschafter Geschlechtergerechtigkeit ein. Gerade in den ärmsten Ländern hätten es Frauen und Mädchen besonders schwer: Eine Milliarde Frauen könnten kein Bankkonto eröffnen, jeden Tag würden 39 000 Mädchen zwangsverheiratet.

Der Göttinger Konstantin Gast will auch vor Ort Druck auf die Institutionen machen: „Auch die Lokalpolitik ist gefragt. Wir bringen viel Motivation für die Kampagnenarbeit mit nach Göttingen zurück.“

Eine Lobby-Organisation bekämpft Armut und Krankheiten in Afrika

„One“ ist eine entwicklungspolitische Lobby- und Kampagnenorganisation zur Bekämpfung von extremer Armut und vermeidbaren Krankheiten, insbesondere in Afrika. Im Dialog mit der Öffentlichkeit und politischen Entscheidern setzt sich One nach eigener Ansicht für kluge und effektive Politikansätze und Programme ein, um Aids und andere Krankheiten zu bekämpfen, Investitionen in Landwirtschaft und Ernährung zu erhöhen und mehr Transparenz bei Maßnahmen zur Armutsbekämpfung zu schaffen. Laut One unterstützen über 9 Millionen Menschen die Arbeit der Organisation. 

Die Arbeit der Jugendbotschafter wird oft von prominenten Unterstützern wie One-Mitbegründer und U2-Sänger Bono, Schauspielerin Maria Furtwängler, Komikerin Carolin Kebekus oder Bill und Melinda Gates, Vorsitzende der gleichnamigen Stiftung, begleitet. 

Mehr Informationen gibt es online: www.one.org

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