Prozess vor dem Amtsgericht

Quarantäne-Proteste: Bewährungsstrafe nach Ausschreitungen mit fünf verletzten Polizisten

Randale vor Wohnkomplex an der Groner Landstraße in Göttingen im Juni 2020: Jetzt wurde ein 27-jähriger Bewohner zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Archivfoto: Stefan Rampfel/nh
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Randale vor Wohnkomplex an der Groner Landstraße in Göttingen im Juni 2020: Jetzt wurde ein 27-jähriger Bewohner zu einer Bewährungsstrafe verurteilt. Archivfoto: Stefan Rampfel/nh

Die gewalttätigen Ausschreitungen am Wohnkomplex Groner Landstraße im Juni 2020 haben jetzt zu einem weiteren Prozess vor dem Amtsgericht Göttingen geführt.

Göttingen – Dort musste sich am Dienstag ein 27-jähriger Bewohner des Gebäudekomplexes wegen gefährlicher Körperverletzung sowie besonders schweren Landfriedensbruchs verantworten. Laut Anklage soll er einer der Haupttäter gewesen sein und andere zu aggressiven Taten angestiftet haben. Das Gericht verurteilte ihn zu einer Freiheitsstrafe von einem Jahr und vier Monaten, die zur Bewährung ausgesetzt wurde. Der Angeklagte habe mehrfach und mit voller Wucht Gegenstände nach Polizisten geworfen, die zum Schutz an dem eingezäunten Gebäudekomplex eingesetzt gewesen seien. Fünf Beamte seien verletzt worden, mindestens zwei von ihnen hätten erhebliche Verletzungen erlitten.

Die Ausschreitungen hatten sich am Nachmittag des 20. Juni 2020 ereignet. Zwei Tage zuvor hatte die Stadt Göttingen über den gesamten Gebäudekomplex eine Quarantäne verhängt, nachdem mehr als 120 Bewohner positiv auf das Corona-Virus getestet worden waren.

Der Angeklagte räumte gleich zu Beginn der Verhandlung sämtliche Vorwürfe ein. Er habe die Gegenstände geworfen, weil er wütend gewesen sei.

Einer der verletzten Polizisten, der in dem Prozess auch als Nebenkläger auftrat, wurde an den Knien von einer Metallstange getroffen. Der Angeklagte hatte auch ein Rinnsteingitter geworfen, das frontal gegen den Helm eines Polizisten prallte.

Die Vorsitzende Richterin Anika Brüggemann wertete es zugunsten des Angeklagten, dass dieser bislang nicht wegen Gewaltdelikten vorbestraft sei und sich in einer Ausnahmesituation befunden habe. Gleichwohl seien es schwere Straftaten gewesen. Als Bewährungsauflage muss der 27-Jährige zwei verletzten Polizisten jeweils 1200 Euro zahlen, den anderen drei Polizisten 400 beziehungsweise 200 Euro. Außerdem soll er 200 Stunden gemeinnützige Arbeit zu leisten. Das Gericht blieb mit seinem Urteil unter dem Antrag der Staatsanwaltschaft, die eine Bewährungsstrafe von zwei Jahren gefordert hatte. Die Verteidigung hatte auf ein Jahr Freiheitsstrafe plädiert, ausgesetzt zur Bewährung, plädiert. (Heidi Niemann)

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