Missbrauch: Bistum informiert über drei zurückliegende Fälle - Göttinger Seelsorger

Bistum beurlaubt Pfarrer

Göttingen/Hildesheim. Im Zusammenhang mit sexuellem Missbrauch in Einrichtungen der katholischen Kirche hat das Bistum Hildesheim einen Pfarrer in Göttingen vorerst beurlaubt. Hintergrund ist, dass Rudolf A. vor neun Jahren als Pfarrer von Borsum (Kreis Hildesheim) einen Jugendlichen missbraucht haben soll.

Die Staatsanwaltschaft sei damals eingeschaltet, das Verfahren aber eingestellt worden, sagte ein Sprecher des Bistums gestern. Die Medien hätten damals über den Fall berichtet. Gemäß den Leitlinien der Deutschen Bischofskonferenz sei Pfarrer A. danach in einem Göttinger Krankenhaus als Seelsorger eingesetzt worden. Die Leitlinien sehen vor, dass Geistliche, die sich sexueller Übergriffe oder des Missbrauchs schuldig gemacht haben, nicht mehr im Jugendbereich eingesetzt werden. In welchem Krankenhaus in Göttingen Rudolf A. als Seelsorger arbeitet, dazu machte das Bistum auch auf Nachfrage keine Angaben.

Seelsorger im Krankenhaus

Seit 2001 seien im Fall von Rudolf A. keine Missbrauchsfälle mehr bekannt geworden, sagte der Sprecher. Dennoch sei er beurlaubt worden, bis die Bischofskonferenz neue Leitlinien verabschiede.

Ebenfalls beurlaubt hat das Bistum jetzt Pfarrer Wolfgang F., der als Krankenhausseelsorger im Erzbistum Paderborn gearbeitet hat. F. soll sich in den 80er-Jahren als Pfarrer in Bad Münder (Landkreis Hameln-Pyrmont) des sexuellen Missbrauchs eines Jugendlichen schuldig gemacht haben. Er wurde im Jahr 2005 von seinem Dienst im Bistum Hildesheim entbunden und in der Region Paderborn eingesetzt. Dies sei gemäß der Richtlinien der Bischofskonferenz geschehen, sagte der Bistumssprecher gestern.

Jetzt hat das Erzbistum Paderborn den Pfarrer entpflichtet, wodurch wieder das Bistum Hildesheim für ihn zuständig wurde. Über den damaligen Missbrauch hinaus seien keine weiteren Missbrauchsfälle durch Pfarrer F. bekannt, sagte der Sprecher.

Bereits im vergangenen Jahr hat das Bistum den Geistlichen Hermann S. in den Ruhestand versetzt. S. soll sich vor 15 Jahren außerhalb des Bistums Hildesheim an einem Kind vergriffen haben. Dieser Fall sei dem Bistum im Jahr 2003 bekannt geworden, sagte der Sprecher gestern. Die Familie des Opfers habe ausdrücklich um Verschwiegenheit gebeten und eine strafrechtliche Verfolgung abgelehnt.

Pfarrer machte Therapie

Pfarrer S. habe sich danach einer Therapie unterzogen und sei auf Empfehlung eines psychiatrischen Gutachters in der Seelsorge eingesetzt worden. Im Jahr 2007 sei S. von einem Unbekannten angezeigt und im vergangenen Jahr zu einer Bewährungsstrafe verurteilt worden. In den Pfarreien, in denen S. seit dem Missbrauch im Jahr 1995 eingesetzt wurde, seien keine weiteren Missbrauchsfälle bekannt geworden, sagte der Sprecher.

Von Tatjana Coerschulte

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