Böller auf Polizisten: Verdächtiger kam nicht zur DNA-Probe

Göttingen. Einem 20-jährigen Linksaktivisten aus Göttingen, der sich erfolglos mit einer Verfassungsbeschwerde gegen die Entnahme einer DNA-Probe zur Wehr gesetzt hat, droht jetzt die Zwangsvorführung.

Der 20-Jährige hätte am Mittwoch zur Abgabe einer Speichelprobe bei der Polizei erscheinen sollen.

Einen Tag zuvor hatte das Bundesverfassungsgericht in Karlsruhe eine von seinem Anwalt eingebrachte Beschwerde gegen die angeordnete DNA-Entnahme nicht angenommen. Trotz dieser Niederlage folgte der 20-Jährige nicht der polizeilichen Vorladung. Stattdessen postierten sich einige Demonstranten vor dem Göttinger Polizeigebäude.

Die Staatsanwaltschaft Göttingen, die den Antrag auf Entnahme einer DNA-Probe gestellt hatte, hofft noch auf ein Einlenken des 20-Jährigen. „Wir möchten Zwang vermeiden“, sagte der Sprecher der Strafverfolgungsbehörde, Hans-Hugo Heimgärtner. Eine zwangsweise Vorführung werde es nur geben, „wenn es nicht anders geht.“

Anlass für die Anordnung war ein Zwischenfall bei einer Demonstration am 30. Januar vergangenen Jahres. Damals hatten rund 400 Demonstranten gegen die Durchsuchung eines studentischen Wohnhauses protestiert, das als feste Adresse der autonomen Szene gilt. Die Staatsanwaltschaft verdächtigt den 20-Jährigen, bei der Demonstration einen Böller geworfen zu haben. Dadurch habe ein Polizist ein Knalltrauma erlitten. Das Verfahren ist noch nicht abgeschlossen.

Die Staatsanwaltschaft begründete ihren Antrag auf eine zwangsweise DNA-Entnahme damit, dass der 20-Jährige bereits strafrechtlich in Erscheinung getreten sei und auch in Zukunft Straftaten zu befürchten seien. (pid)

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