Einige Schulen und Kindertagessstätten bleiben Mittwoch und Donnerstag geschlossen - Vorermittlungen gegen Kolonnenführer eingeleitet

Ursache der Bombenexplosion noch unklar - Säurezünder im Blick 

Nach der Explosion ein Zehn-Zentner-Bombe in Göttingen mit drei Toten ist die Ursache des tragischen Unglücks noch unklar. Bei den Ermittlungen steht der Zünder der Bombe im Mittelpunkt. Laut niedersächsischem Innenministerium war sie mit einem als besonders gefährlich geltenden Säure-Langzeitzünder ausgestattet.

Hinweis I: Schulen

Das Otto-Hahn-Gymnasium und die Berufsbildende Schule II sowie drei Kindertagessstätten in der Godehardstraße bleiben in der Universitätsstadt auch am Donnerstag geschlossen.

Hinweis II: Weniger Parkplätze für Feiertagsbesucher

Wegen der Sperrung des Schützenplatzes und des angrenzenden Gebiets in Folge der Bombenexplosion vom Dienstagabend stehen am Fronleichnamstag (Donnerstag) in Göttingen für Besucher aus dem Umland weniger Parkplätze zur Verfügung. Mehr dazu hier

Auch einen Tag nach der Detonation einer Fliegerbombe auf dem Göttinger Schützenplatz bleibt der Sicherheitskreis von 300 Metern erhalten. Die Anwohner können vorerst nicht in ihre Häuser zurückkehren.

Nach Angaben von Stadtrat Hans-Peter Suermann gibt es auf dem Schützenplatz weitere "Verdachtsflächen", an denen sich Bomben befinden könnten - und zwar "im zweistelligen Bereich". Das Gebiet soll nun per Luftbildern und Bodenproben erneut auf Blindgänger untersucht werden.

Unterdessen hat die Staatsanwaltschaft Göttingen ein Vorermittlungsverfahren wegen des Verdachts der fahrlässigen Tötung eingeleitet. Das sagte Sprecher Andreas Buick. Es werde überprüft, ob dem Kolonnenführer des Kampfmittelbeseitigungsdienstes ein strafbares Verhalten vorzuwerfen sei.

Am Dienstagabend waren bei der Explosion einer Zehn-Zentner-Bombe drei Menschen getötet, zwei schwer und vier leicht verletzt worden. Die Bombe hatte eigentlich um 22.45 Uhr entschärft werden sollen.

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Wie es genau zu dem Unglück kam, konnte Polizeisprecher Robert Kruse bei einer Pressekonferenz am Mittwochmittag nicht sagen. "Die Ermittlungen laufen noch." Es wurde eine 25-köpfige Sonderkommission eingesetzt. 

Allerdings schloss er aus, dass es an dem Verfahren liege: Wie bei der Entschärfung in der Nacht zu Freitag vergangene Woche, sollte ein neuartiger Roboter mit einem ferngesteuerten Wasserstrahl-Schneidegerät eingesetzt werden. Dieses Vorgehen habe sich bewährt, so Kruse. Die Opfer - 38, 52 und 55 Jahre alt - seien alle "erfahrene Kollegen" des Kampfmittelbeseitigungsdienstes der Zentralen Polizeidirektion gewesen, die zum Teil 700 Entschärfungen vorgenommen hätten.  "Unser Mitleid gilt jetzt ihren Angehörigen und Freunden", sagte Niedersachsens Innenminister Uwe Schünemann (CDU).

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Zu größeren Sachschäden sei es laut Polizeisprecher Kruse nicht gekommen. Allenfalls seien im Umkreis von 300 Metern Bombensplitter gefunden worden.

Kruse: "Ich appelliere an die Bevölkerung: Falls sie noch Splitter finden, melden Sie dies der Polizei."

Dem ersten Vernehmen nach hat die Bombe keinen Krater in den Schützenplatz gerissen. Vielmehr sollen direkt nach der Detonation Rauch und Flammen aus dem Trichter gestiegen sein, den der Kampfmittelbeseitigungsdienst gelegt hatte, um an den Blindgänger zu gelangen. An der Unglücksstelle sollen gegen 22.30 Uhr einige Verletzte gelegen und andere herumgelaufen sein - unter Schock.

Gegen 23.20 Uhr hieß es, die beiden Schwerverletzten seien außer Lebensgefahr. Die Unfallchirurgie des Uni-Klinikums hatte sofort nach Bekanntwerden der Explosion reagiert und Unfallchirurgen, Anästhesieteams, OP-Pflegepersonal und Pflegepersonal zusammengezogen, um auf eine größere Zahl von schwer verletzten Personen eingestellt zu sein. Die vorsorgliche Notfallsituation am Klinikum wurde noch vor Mitternacht wieder aufgehoben.

Bombenexplosion in Göttingen - und die Tage danach

Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © 
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © 
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © 
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © 
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © 
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © dpa
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © dpa
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © dpa
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © dpa
Um 21.36 Uhr detonierte die Fliegerbombe. Sie sollte um 22.45 Uhr entschärft werden.  © dpa
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
Der Tag danach: Einsatzkräfte der Polizei und Feuerwehr untersuchen die Unglücksstelle. © dpa/ap
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Bombe in sieben Metern Tiefe

Experten des Kampfmittelbeseitigungsdienstes hatten den Sprengkörper am Nachmittag im Erdreich unter dem Schützenplatz identifiziert. Die Bombe lag in sieben Metern Tiefe.

Wie ein Sprecher der Feuerwehr in Göttingen mitteilte, detonierte der Sprengkörper um 21.36 Uhr auf dem Schützenplatz der Universitätsstadt, als die Entschärfung vorbereitet wurde. Der dumpfe Knall war in der ganzen Stadt zu hören. Kurz darauf rasten Dutzende Rettungsfahrzeuge mit heulenden Sirenen über den Innenstadt-Ring Richtung Schützenplatz.

Karte:

Dieser Bereich wurde evakuiert.

Auch Helfer aus dem Umland eilten in die Stadt. Der Bereich rund um den Schützenplatz ist weiträumig abgesperrt. Seit dem frühen Abend hatten Polizei und Hilfsdienste die Straßen in einem Umkreis von einem Kilometer um den Platz nach und nach abgeriegelt. Mehr als 7000 Menschen hatten ihre Wohnungen und Häuser verlassen müssen.

Johannson sagte auf DAPD-Anfrage, die Evakuierung sei noch im Gang gewesen, als die Bombe explodierte. Die Kampfmittel-Experten hätten aber erst Vorarbeiten zur Abtrennung des Zünders eingeleitet und noch nicht an der Bombe selbst gearbeitet.

Bombenfund in Göttingen

Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel
Bombenfund in Göttingen
Bombenfund in Göttingen © HNA/Rampfel

Ein Bereich 300 Meter um den Unglücksort sei zur Sicherheit noch abgeriegelt, teilte die Polizei am Mittwochmorgen mit. Von der Sperrung seien Firmen und Schulen betroffen. Die Anwohner, die ihre Häuser verlassen mussten, konnten dagegen in der Nacht in ihre Wohnungen zurückkehren.

Die ersten Reaktionen auf unserer Facebook-Seite

Twitter:

Unter dem Hashtag #goebombe liefen am Dienstag sofort Meldungen ein:

Hightower0815 schreibt beispielsweise: Mein Mitgefühl geht an die Bewohner, die noch nicht nach Hause dürfen und an die Helfer, die wohl ne lange Nacht vor sich haben. #goebombe

Ww_E schreibt: Krieg hat einen langen Atem. #goebombe

obiwan95: Eigentlich war es Routine... Aber gestern war alles anders. Aufklärung kann dauern, da die Bombe in 100m Umkreis verteilt ist #goebombe

Es war die zweite Bombe binnen einer Woche, die bei den Vorbereitungen für den Bau der neuen Sportarena entdeckt wurde. Die erste, ein Zehn-Zentner-Exemplar, wurde in der Nacht zu Freitag von den Experten entschärft. Dabei kam ein neuartiger Roboter mit einem ferngesteuerten Wasserstrahl-Schneidegerät zum Einsatz.  (dpa/coe/tat)

Stichwort: Der Kampfmittelbeseitigungsdienst

Im Kampfmittelbeseitigungsdienst des Landes Niedersachsen arbeiten 45 Polizisten. Diese haben eine besondere Ausblidung als Sprengmeister, Munitionsfacharbeiter, aber auch als Auswerter von Luftbildern und Fotografen.

Die Mitarbeiter, die Bomben entschärfen, kommen alle aus einem metallverarbeitenden Beruf. Dann werden sie zum Munitionsfacharbeiter ausgebildet. Der Kampfmittelbeseitigungsdienst besteht seit 60 Jahren. Bisher sei noch niemand bei der Arbeit ums Leben gekommen, heißt es bei der Polizei. Allerdings gibt es für die ersten Jahre nach dem Krieg keine genauen Aufzeichnungen.

Im letzten Jahr wurden in Niedersachsen 80 Bomben entschärft, die jeweils mehr als 50 Kilo wogen. Im Jahr davor waren es 91, im Jahre 2008 genau 88 Stück. In Hessen wurden im letzten Jahr 140 Tonnen Bomben entschärft. Der hessische Kampfmittelräumdienst gehört zum Regierungspräsidium Darmstadt. (tho)

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