Bonbons im Klingelbeutel

Kuriose Fundstücke im Klingelbeutel: Ähren, eine Eichel, Spielgeld, Hundetrockenfutter, Einkaufswagen-Chips. Pastor Jens-Arne Edelmann aus Gieboldehausen sammelt seit 15 Jahren. Foto: dpa

Gieboldehausen. Pastor Jens-Arne Edelmann sammelt besondere Stücke: außergewöhnliche Dinge, die in dem Klingelbeutel seiner Gemeinde landen.

Schon unter den ersten Christen wurde Geld für Arme oder andere Gemeinden gesammelt. Daran hat sich bis heute nichts geändert. „Im Gottesdienst wird deshalb ein Klingelbeutel herumgereicht, in den die Teilnehmer eine Geldspende werfen können“, heißt es im Glaubens-ABC der Evangelischen Kirche in Deutschland (EKD) unter dem Stichwort Klingelbeutel.

Tatsächlich aber landet dort alles Mögliche: Jens-Arne Edelmann, evangelischer Pastor aus Gieboldehausen (Landkreis Göttingen), sammelt seit 15 Jahren Kuriositäten, die im Klingelbeutel seiner Kirche gelandet sind. Das Sammelsurium steckt in einer Dose, die der Pastor in seinem Amtszimmer verwahrt.

„Spielgeld, eine Eichel, Bonbons“ – Edelmann kramt und wundert sich selbst, auf was er stößt: „Büroklammern, Knöpfe, Tabletten“. Aus einer Laune heraus habe er begonnen, die Fundstücke aus dem Klingelbeutel aufzuheben, sagt der Geistliche. Im Laufe von 15 Jahren ist eine stattliche Sammlung entstanden – darunter Spielgeld, Einkaufswagen-Chips und Getreide-Ähren. „Die könnten von Landwirten stammen“, vermutet Edelmann. Ein Gottesdienstbesucher hat sogar zu Hundetrockenfutter gegriffen, als der Klingelbeutel herumging. Böse Absichten, so glaubt der Pastor, hätten die Geber wohl nicht, wenn sie statt Geld Kuriositäten in den Beutel stecken. Deshalb hat Edelmann auch keine bestimmten Schäfchen im Verdacht. „Die Menschen handeln rituell. Sie nehmen etwas und stecken es in den Klingelbeutel. Und wenn es kein Geld ist, dann etwas anderes.“

Besonders häufig landen Einkaufswagen-Chips in der Kollekte. Das berichtet auch Volker Bauerfeld von der Bischöflichen Pressestelle in Hildesheim. Die Küster des Domes entdeckten so immer wieder derartige Stücke.

Nach der sommerlichen Urlaubszeit finden sich im Klingelbeutel in Gieboldehausen vermehrt auch fremdländische Münzen, sagt der Pastor: „Dann weiß man, wo die Leute gewesen sind.“

Bisweilen landen in der Kollekte auch Teilchen, die auf den ersten Blick wie Papiermüll aussehen, sagt der Sprecher der Bischöflichen Pressestelle in Hildesheim. Dabei handele es sich aber nicht um Abfall, sondern um zusammengefaltete Euroscheine. „Manche Leute machen das, weil sie nicht wollen, dass der Nachbar auf der Kirchenbank nicht sieht, was sie in den Klingelbeutel stecken.“

Von Valentin Frimmer

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