"Mit Rocker-Romantik aufräumen"

Hells Angels: Innenminister Pistorius will Bürger schützen

+
Abendliche Spazierfahrt: Mitglieder der Göttinger Hells Angels im Sommer bei der Fahrt durch die Goethe-Allee.

Göttingen/Hannover. Für Niedersachsens Innenminister Boris Pistorius  ist klar: Die Hells Angels  sind eine von sieben „Outlaw Motorcycle Gangs“ (OMCG), die mit organisierter Kriminalität oder anderer schwerer Verbrechen in Verbindung gebracht werden.

Das sagte Pistorius am Freitag im Landtag auf eine Anfrage der Grünen. OMCG´s verfolgen laut Pistorius das Ziel, insbesondere wirtschaftliche Interessen, so im Rotlicht-Milieu, aber auch beim Handel mit Betäubungsmitteln und Medikamenten sowie Waffen, durchzusetzen. „Sie streben an, durch Expansion die Vorherrschaft in Regionen zu beanspruchen.“ Pistorius sagte es drastisch: „Wir müssen mit der immer noch anzutreffenden falschen Rocker-Romantik aufräumen. Wir reden hier von Rocker-Kriminalität und Gruppen, die Züge organisierter Kriminalität aufweisen.“

Lesen Sie auch: 

- Festnahmen wegen Erpressung: Polizei schnappt Hells Angels

Das Wissen darum verbreitet bei den Menschen in Adelebsen und dem Ortsteil Güntersen Angst und Schrecken. Der Ortsrat von Güntersen hat deshalb den Minister im Namen aller Bürger angeschrieben und um Hilfe, Beistand und Zusammenarbeit gebeten, damit der Dorffrieden, die Sicherheit und Lebensqualität wieder hergestellt werden können. Antwort: Die Landesregierung sichert die „größtmögliche Unterstützung im Rahmen aller zur Verfügung stehenden rechtlichen Möglichkeiten zu“.

Für die Verunsicherung sorgten bisher sowohl die Anführertreffen in einer Gaststätte in Güntersen als auch die ständigen Treffen im Adelebser Angels-Clubhaus.

Polizei zeigt Präsenz

Am 12. September zeigte die Polizei dort Präsenz, kontrollierte und verhängte 60 Ordnungswidrigkeitsverfahren wegen Geschwindigkeitsverstößen. Aber: Hinweise auf Straftaten gab es weder am 12. September noch beim Treffen in Güntersen am 30. August, wie Pistorius sagte. Auch die vom Göttinger Tageblatt gemeldete Sachbeschädigung sowie die Bedrohung von Bürgern „ließen sich bislang nicht verifizieren“. Zudem gab es keine Verstöße gegen das seit dem 1. September bestehende Kuttenverbot, das Tragen der Abzeichen von 26 Rockervereinigungen.

Mehr Präsenz, mehr Kontrollen – das ist die Taktik der Göttinger Polizei, die laut Präsident Robert Kruse die Veranstaltungen künftig intensiv begleiten wird.

Grundsätzlich versuche die Landesregierung, über ein vernetztes Arbeiten zu verhindern, dass sich Motorrad-Gangs in Regionen festsetzen können. In Südniedersachsen ist das nicht gelungen. Pistorius gesteht das indirekt ein: So habe man trotz der Bemühungen aller Beteiligten das „German Officer Meeting“ der vermeintlichen Angels-Anführer in Güntersen zuletzt nicht verhindert können.

Für Unmut in der Bevölkerung sorgt auch die Ankündigung von Rechtsextremen, im Februar in Güntersen eine Horst-Wessel-Gedächtnisveranstaltung starten zu wollen. Einen Zusammenhang zwischen Veranstalter „Die Rechte“ und den Angels gibt es aber laut Innenminister nicht. Pistorius kündigte an, alle Mitteln auszuschöpfen, um die Veranstaltung zu stoppen. (tko)

Das könnte Sie auch interessieren

Liebe Leserinnen und Leser,

wir bitten um Verständnis, dass es im Unterschied zu vielen anderen Artikeln auf unserem Portal unter diesem Artikel keine Kommentarfunktion gibt. Bei einzelnen Themen behält sich die Redaktion vor, die Kommentarmöglichkeiten einzuschränken.

Die Redaktion

Kommentare

Unsere Kommentarfunktion wird über den Anbieter DISQUS gesteuert. Nutzer, die diesen Dienst nicht verwenden, können sich hier über das alte HNA-Login anmelden.

Hinweise zum Kommentieren:
In der Zeit zwischen 17 und 9 Uhr werden keine neuen Beiträge freigeschaltet.

Auf HNA.de können Sie Ihre Meinung zu einem Artikel äußern. Im Interesse aller Nutzer behält sich die Redaktion vor, Beiträge zu prüfen und gegebenenfalls abzulehnen. Halten Sie sich beim Kommentieren bitte an unsere Richtlinien: Bleiben Sie fair und sachlich - keine Beleidigungen, keine rassistischen, rufschädigenden und gegen die guten Sitten verstoßenden Beiträge. Kommentare, die gegen diese Regeln verstoßen, werden von der Redaktion kommentarlos gelöscht. Bitte halten Sie sich bei Ihren Beiträgen an das Thema des Artikels. Lesen Sie hier unsere kompletten Nutzungsbedingungen.

Die Kommentarfunktion unter einem Artikel wird automatisch nach drei Tagen geschlossen.